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Der Israelit · 1891-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1891)
Date
1891-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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152? daß die" frühere Jugend die Elemente der Thorakunde gründlich überwinde, damit sie Lust am Gegenstände und Fähigkeit zum Fortschritt gewinne, denn, wie das rabbimsche Wort lautet, „wenn keine Lämmer da sind, wo sollen die Widder Herkommen?" — Alles das spricht der Einrichtung von Thora-Studien- Anstalten mit gebieterischerNothwendigkeit das Wort. Wollen wir aber warten, bis der religiöse Sinn für die Pflege der Kunde des göttlichen Gesetzes so allgemein rege sein wird, daß die nothwendigen Anstalten durch eine allgemeine Betheiligung werde hergestellt werden können, dann werden wir so lange gewartet haben, bis die Anstalten schon viel von ihrer Nothwendigkeit verloren haben. Ist erst das Interesse sür das „Lernen" wieder in der Gesammtheit in aller Kraft erwacht, dann, ja, dann — würde das Studium des göttlichen Gesetzes wieder einen solchen Boden gewonnen haben, aus welchem sich naturwüchsig eine solche Pflege desselben entwickelte, daß besonders geregelte Anstalten dafür noch immer höchst heilsam sich erweisen, jedoch nicht mehr wie in der Gegenwart als unumgängliche Bedingung dastehen würden. So lange sollten wir daher nicht warten müssen, sollten die Errichtung der so dringend nothwendigen Anstalten nicht von dem Zusammenwirken einer größer» und kleinern Gesammtheit abhängig zu machen haben. Hoffen wir, daß es auch einzelne reichbegüterte, jüdischgesinnte Männer unter uns gibt, denen der Bruch der Zeiten zu Herzen geht, die es begreifen, wozu Gott den Segen des Reichthums in ihre Hand gelegt, und es als ihre Pflicht erkennen, mit ihrem Reichthum den einzigen, heiligen, gottgefälligen Zweck zu versorgen, der, wenn nicht von dem Herzen begüterter Einzelner ergriffen, vergebens von Haus zu Haus um Beachtung betteln gehen wird. Welche Zwecke sie sonst mit ihrem Reichthum versorgen möchten, diese würden doch nicht in Israel unversorgt bleiben, wenn auch nicht reiche Fonds und große Kapitalien dafür von einzelnen Reichen bereit gesetzt würden. Was der Eine Reiche nicht thut, werden hundert Bemittelte darum doch nicht ungeschehen lassen. Kein Werk der Humanität, keine Versorgung der Rothleidenden, der Armen und Kranken, der Wittwett und Waisen braucht iu jüdischen Kreisen erst auf die Entschlüsse großherziger Reichen und ans die Begründung reich dotirter Anstalten zu warten. Wo die Roth ruft, da treten Juden zusammen und helfen. Nur die Thora, diese geistige Mutter all' unserer Humanität und all' unserer noch zu erhoffenden Veredelung und Verherrlichung, liegt sackumhüllt, darbend im Winkel, wagt cs gar nicht mehr, ihre bittenden Hände zu ihren Söhnen auszustrecken, ihren Söhnen, die sie gar nicht mehr zu kennen scheinen, die ihre Seufzer nicht hören, die ihre Schmerzen nicht begreifen. Und dieser geistigen Mutter Israels, dieser unserer einzigen Perle, dieses Gutes aller Güter, ohne das alle unsere anderen Errungenschaften — Staub und Asche sind, dieses Quells all' unseres künftigen Heils, dieser einzigen, uns von Gott „angetrauten Braut" soll sich kein Reicher erbarmen? Soll kein Reicher das als ein wahrhaftiges Werk der Rettung der Thora in unserer Zeit zu stiften sich bewogen fühlen, was in früherer Zeit so mancher rein nur als ein Werk der Verherrlichung der Thora zu vollbringen sich bewogen fühlte? Hoffen wir!" Und die Hoffnung des weit schauenden Meisters hat sich nun wirklich erfüllt, wenn es ihm auch nicht mehr vergönnt war. die Krönung des Baues zu schauen, den er aufgeführt hatte. Obwohl Rabbiner Hirsch in Nikolsburg selbst einer na’itr Vorstand, so liegt es doch nahe, die Schwierigkeiten zu begreifen, die es ihm versagten, die Verwirklichung dieses seines ausgesprochenen ersten und letzten Wunsches in Frankfurt selbst in die Hand zu nehmen. Das Rabbknat, das Directorat der Unterrichtsanstalten, die Herausgabe seiner Zeitschrift, seine reiche sonstige lttterarische Thätigkeit, Pflichten, von denen jede einzelne allein eine volle Manneskraft erforderte, schlossen die Möglichkeit aus, selber dieses höchste Ideal seines Strebens der Realisirung entgegen zu führen. Es war der vunrfc rrntp Dipo, das Vermächtnis das er seiner Gemeinde hinterlassen hat, und das dieselbe nun in einer ihres großen, Heimgegangenen Meisters würdigen Weise anzutreteu sich anschickt. Aber selbst jetzt hätten die Schwierigkeiten und Bedenken, die für eine solche Schöpfung zu überwinden waren, dieselbe wohl noch hintangehalten, wenn es der Frankfurter Religtonsgesellschaft nicht unter Gottes Beistand gelungen wäre, in Rabbiner Dr. Breuers einen Mann zu gewinnen, der in jeder Hinsicht ein würdiger Nachfolger seines großen Vorgängers ist. Nur schwer entschloß sich derselbe, seine frühere Gemeinde und die dort von ihm in's Leben gerufene Muster-Jeschiba zu verlassen. Und wenn er sich dennoch losriß, obwohl die Hochachtung und Verehrung nicht nur seiner Gemeinde, sondern die der maßgebenden mm ’bnj in Ungarn, die ihn diesem Lande für alle Zeiten erhnlten wollte, so war es in erster Reihe diese nan nan w>pb mso, der Drang, die oben angeführten Worte seines verstorbenen Schwiegervaters in Thaten umzusetzen, welcher ihn bestimmte, das Frankfurter Rabbinat anzunehmen. In der kurzen Zeit seiner dortigen Wirksamkeit hat derselbe alle Herzen seiner Gemeindemitglieder durch die seltenen Vorzüge seines Geistes und Charakters gewonnen. Aber alle Vorzüge als herrlicher Mensch, als glänzender Redner, als tiefer Gelehrter treten zurück vor der gottbegnadeten Genialität, die er als hervorragender Lehrer der min, kurz als na’ier DDin noch in seinem Heimathlande und auch bereits in Frankfurt in seinen sioj^orträgen bekundet hat. Seine fesselnde Art des Vortrags, die schon heute eine grobe Zahl von Privatleuten sich regelmäßig und thätig an seinen - Vorträgen betheiligen läßt, wird voraussichtlich die Frequenz noch ganz anders steigern, wenn erst die Jeschiba wirklich eröffnet sein wird. Eine ansehnliche Zahl von D’jVsiö ünina, die nur auf die Mittheilung von der Eröffnung der na'E^ wartet, um ihre Ausbildung daselbst zu ver-!

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