Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1891)
- Date
- 1891-10-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1526 Ideal der Vereinigung von min mit pw yri in einer Weise verwirklichen, welche die Führer der alten Kehilla nicht für denkbar und noch weniger für ausführbar gehalten hätten. Aber den höchsten Juwel, den herrlichsten Kranz der alten Frankfurter Gemeinde, die Frankfurter Jeschiba. diese zurückzuerobern war der jungen, glücklichen Erbin bis jetzt versagt geblieben. Die rapide Abnahme des Thorastudiums in Deutschland hat unter vielen traurigen Folgen auch diese gehabt, daß die hohe Bedeutsamkeit einer Jeschiba für die Entwickelung, Consolidirung und ganze Zukunft der Gemeinde, in welcher sie sich befindet, vielfach unterschätzt, ja oft geradezu verkannt wird. Die Frankfurter Religionsgesellschaft selbst und jedenfalls ihre leitenden Elemente konnten übrigens über die Wichtigkeit der Gründung einer Jeschiba niemals im Zweifel sein. Wenn das ganze gesetzestreue Judenthum dieser Mustergemeinde laut und leise seinen Dank und seine Glückwünsche für diese ihre neueste That entgegen bringt, so dürfte vielfach übersehen werden, daß es sich im Grunde genommen für sie nur um eine Conscquenz handelte, welche den Gründern dieses Gemeinwesens schon zur Zeit der Gründung in ihrer ganzen Klarheit vor Augen stand. Es liegt uns der als Manuscript gedruckte Statuten-Entwurf der Frankfurter Religions-Gesellschaft vom Jahre 1856 vor, der unter den Rubriken: Thorapflege der Erwachsenen und Heranbildung von Thoralehrern und Pflege der höheren Thorawissenschaft folgende Bestimmungen enthält: 60. Hinsichtlich der immer weiter zu fördernden Thorakenntniß unter den Erwachsenen hat die Kehillah resp. der sie vertretende Vorstand die Aufgabe, die Bildung von Vereinen für die gemeinsame Pflege der Thorakunde unter den Erwachsenen nach besten Kräften zu fördern, hierdurch und dafür zu sorgen, daß — oder durch Begründung eines förmlichen itmon n'3 — in zweckentsprechender Weise dem Bedürfniß der von den Erwachsenen in jedem Lebensalter fortznsetzenden Beschäftigung mit Bibel und Talmud genügt werde. §. 61. Gleich bei Gründung der Unterrichtsanstalt der Kehillath Jcschurnn ward es als Aufgabe erkannt, und als letztes Ziel ausgesprochen unter göttlichem Beistand diese Anstalt in der Weise auszubauen, daß sie in ihrer vollendeten Entwickelung zugleich eine Bildungsanstalt für Lehrer und Rabbiner und überhaupt eine Pflegestätte für Wissenschaft der Thora im Allgemeinen werde, und hat daher eine zur geeigneten Zeit entsprechende Verwirklichung dieses Zweckes dem Vorstand ein angelegentliches Augenmerk zu sein. Wenn auch im Drange der zahlreichen Obliegenheiten, die unablässig an die Religionsgcscllschaft herantreten, dieses ihr letztes Ziel, wie die Gründung eines «mort n'3 oder einer.13'«" hier genannt wird, lange nicht direkt in Angriff genommen werden konnte, der Seele, dem Gewissen der Frankfurter Religionsgesellschaft, ihrem entschlafenen Führer, der auch der Verfasser dieser Statuten ist, blieb diese letzte Aufgabe unablässig in ihrer ganzen Bedeutsamkeit jederzeit gegenwärtig. Schon zwei Jahre vorher schrieb er in dem I. Bande seiner im Jahre 1854 zuerst erschienenen, mit diesen Blättern nunmehr vereinigten Monatsschrift „Jeschurun": „Wecket die Thora im Volk! Es ist euer einziges Heil! Wecket die Thora im Volke, unterrichtet eure Kinder in der Thora, gehet zusammen, stiftet Vereine, gründet Anstalten, daß eure Jünglinge, daß eure Männer ihr Leben lang in der Thora wachsen, daß der Geist der Thora wieder bis zu euren „Rinderhirten" und euren „Schuttthorwebern" dringe, wecket die alten O"w-Vereine und Bothe-Midrasch wieder zum lebendigsten Dasein — und die Thora wird von Neuem ihre heilende, rettende, Leben bringende Kraft siegreich bewähren." (Bd. I. S. 339.) „Wenn das richtende Auge Gottes unsere Gemeinden prüft, sucht es zuerst die «monTO, die Stätten der Thorapflege, und dann die ni'D» »ns, die Häuser des Gottesdienstes, denn n«mpo mion «man n»3 ntcnnp nDJ3n n’3, denn die heiligere, wichtigere Stätte ist die Stätte der Thorapflege, das Haus der rnin iivdn, und über die Gemeinde, in welcher die Synagoge prangt, aber die Stätte der Thora vergebens gesucht wird, spricht zürnend der Herr: m?3n p'i intcny ropn, „Israel vergißt seinen Schöpfer und baut Tempel!" (idiä. S. 324.) Indem fünften Hefte des IV. Jahrganges schreibt Rabbiner Htrschi>"N eine ganze Abhandlung über diesen Gegenstand. Dieselbe wirft zuerst einen Blick auf das, was in früheren Zeiten allenthalben und beispielsweise in Mähren für diesen Zweck geschehen ist und fährt fort: „Was wäre nun in unserer Zeit unter unfern, inzwischen so ganz veränderten Zuständen für die Pflege der Thora zu thun? Das, was in früherer Zeit nur von untergeordneter Bedeutung und mehr eine Folge als eine Begründung weitverbreiteter Thorapflege war, die Pflege der Thora in besonder«, dafür gegründeten Anstalten, scheinen die Zustände unserer Zeit gebieterisch zu fordern. Das allgemeine Interesse ist geschwunden, das jüdische Volk trägt die Thorakunde nicht mehr, —die mit Meisterschaft zu lehren befähigten Persönlichkeiten sind spärlich gesäet, noch spärlicher die, die zugleich die Zeit und ihre der Thora feindlichen Bestrebungen verstehen und die Thorajünger zur richtigen Würdigung derselben auszurüsten im Stande sind, sie wollen gesucht, gesamnrelt, vereinigt sein, es wollen Veranstaltungen getroffen sein, daß sich um die wenigen Meister von überall her die überall nur in geringer Anzahl vorhandenen lernbegierigen Jünglinge vereinigt sammeln können, — ja es wollen vor Allem Veranstaltungen getroffen sein,