Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1891)
- Date
- 1891-10-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXH. Jahrgang. M 81 N. 82 . Israelit««»Jeschurun. Mtift M Mrllerills jSd. Gkffles unö jiiü. Mess in Alls. GMkllldk mil Kchllle. Gwtrat-Hrgan für das orlhodore IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. AD- Fernsprechanschluß unter Nr. 317 nach Darmstadt, Frankfurt (Main), Bockenheim, Hanau, Wiesbaden, ‘‘98 Offenbach (Main), Heidelberg und Mannheim. Mittwochs den 14. Öetober SSSS (L8SL). Des hl. Lanbhütten-Festes wegen erscheint die nächste Nummer (wiederum eine Doppel-Nummer) Mittwoch, den 28. Octbr. Leitender Artikel. Die Eröffnung der Frankfurter Jeschiba. •ntn uirjni uo’pi lrnnty -m- Die Hand zittert vor freudiger Erregung, indem wir diese Worte niederschreiben. DteVerwaltung der Israelitischen Reltgtonsgesellschaft zu Frankfurt a. M. hat am30.v.M. unter Vorsitz desHerrnRabbinerDr.Breuers die Gründung einer Jeschiba beschlossen und ist, nachdemdie regierungsseitigeGenehmigung nunmehr eingetroffen, die Eröffnung sofort nach den Feiertagen gesichert.*) Die Fluth von Gedanken und Empfindungen, Hoffnungen und Aussichten, welche diese bloße Nachricht in den Geistern und Gemüthern der gesetzestreuen Judenheit zu wecken geeignet ist, läßt sich nicht in Worte kleiden. Heute, am 7. Tischri, wo wir diese Worte niederschreiben, sind 129 Jahre verflossen, daß in Frankfurt a. M. Rabbi Moscheh Sofer geboren wurde. Derselbe verließ seine Vaterstadt, um zu Mattersdorf und Preßburg im fernen Ungarlande seine unvergleichliche Wirksamkeit als Leiter der dortigen Jeschiboth in einer Weise zu entfalten, daß fast alles, was dieses Land an mm und ns-p noch heute ziert, zum großen Theile als sein rro? angesehen werden muß. Ihm folgte der große Sohn des großen Vaters Rabbi Samuel Binjamin Sofer b’w als Rabbiner und Leiter der Preßburger Jeschiba, zu deren nach Tausenden zählenden Schülern auch Rabbiner Dr. Breuer "2 gehörte. Und *) Siehe Bekanntmachung im Jnseratentheil der heutigen Nummer. letzterer trägt nun den Geist der Thora, den ein Rabbi Moscheh Sofer von Frankfurt nach Ungarn verpflanzte, wieder seinem ersten Ausgang zu, mm rbv n’jddnV mnn, die Thora sucht ihr altes Heim wieder auf, und die Schüler, welche gewiß bald von allen Landen der Frankfurter Jeschiba Zuströmen werden, sind das njn rnttr ’yzn nn, bilden das vierte Glied in dieser 129 Jahre umspannenden Reihe von Generationen. WaS liegt doch eine ganze Welt) ja eine ganze Reihe von Welten in diesen 129 Jahren! Sie sahen die alte Frankfurter Kehilla — nmn rpixa — in ihrem herrlichen, weit in alle Lande strahlenden Glanze, als bmuri dki tj;, sie sahen diese alte Kehilla und ihre Institutionen verfallen; sahen wie eine neue Generation mit einem Fanatismus sondergleichen der alten Kehilla den Untergang geschworen, wie die Thora und ihre Jünger geächtet und von der Polizei verfolgt aus dem Weichbilde der Stadt flüchten mußten, bis sich vor vierzig Jahren das zusammengeschmolzene, winzige Häuflein derTreugebliebenen ermannte, und unter Leitung eines Rabbiner Samson Raphael Hirsch yst die alte Frankfurter Kehilla wieder in der neugegründeten Religionsgesellschaft mit Gottes sichtlichem Beistände ins Dasein riefen. Schritt für Schritt hat im Laufe der Jahre die neugegründete Religionsgesellschaft die verlorenen Positionen der alten Frankfurter Kehilla zurückerobert, und die Anstalten und Institutionen, welche die Hingabe aller Glieder und besonders die Opferfreudigkeit einzelner hervorragender Edler geschaffen, halten nicht nur jeden Vergleich mit der alten Muttergemeinde aus, sie hat ihr Musterbild in vielen Punkten weit überflügelt. Es braucht zur Bestätigung dessen nur auf die Unterrichtsanftalten der Frankfurter Religionsgesellschaft verwiesen zu werden, welche das altjüdische