Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 79-80 (7.10.1891)
- Date
- 1891-10-07
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1518 PZissen sind sie daher in größerem Verhältnisse als die übrigen Einwohner geeignet, in die gelehrten Stände aufzurücken. In der That finden sich Juden in den wichtigsten und höchsten Aemtern, welche bekanntlich in China immer nur nach strengen Prüfungen erlangt werden können, da von den Prüfungs- Candidaten die eingehendsten Mittheilungen über Studiengang, Professoren und selbst über die Ahnen verlangt werden, jedoch wird nach der Confession nie gefragt. Auch gibt es in China keine Börse, kein Zu- und Abfluthen großer Vermögen, die Juden sind gerade so reich und gerade so arm wie die anderen Chinesen. Die Juden sind nach China aus Persien gekommen, etwa im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Sie hatten ihre heiligen Schriften, aber die Meisten verstanden das Hebräische nicht. Sie siedelten sich in der Provinz Ho-Nan, namentlich in der Umgebung von Kai-song-fu, an. Der Jesuiten-Pater Ricci, der Gründer der Pekinger Mission, erfuhr zuerst vom Vorhandensein der jüdischen Colonie, später begaben sich katholische und evangelische Missionäre nach Kai-fong-fu, um die Sitten, Gebräuche und heiligen Bücher dieser chinesischen Juden zu studiren." Rumänien. vr. 6. Bukarest, 24. September. Die Begebenheiten der Israeliten in Rußland fahren fort die Behandlung derjenigen Rumäniens seitens der Beamten der niederen Grade zu beeinflussen und Blüthen zu zeitigen, die wohl in Orientländern möglich sind. So veranstaltete in Folge des Gespenstes einer russisch-jüdischen „Invasion" der Ortsvorsteher von Com a ne seht i, Bezirk Vacau, eine Volkszählung, die bei uns nicht durch Fragebogen, sondern durch Herumgehen der Beamten von Haus zu Haus und Eintragung der Insassen in mitgeführte Register bewirkt wird. Beim Juden Jossef Argintar^u erschien der Ortsvorsteher natürlich auch und Elfterer gab nächst seinen Personalien auch die Beweise dafür, bestehend in rumän. Geburtsschein, Armenbefreiungsschein und N a tur alisations-Diplom, als einer derjenigen, die den Krieg von 1877/78 mitgemacht haben. Genügten schon die ersteren beiden, so ist er durch Letzteres ganz und gar Rumäne. Trotzdem wurde er vom Schulzen, als ob er Ausländer wäre, angeherrscht, wo er seinen „Paß" habe, hochwohlweise bemerkend, daß in Rumänien „jeder (?) Jude" einen Paß haben müsse. Und da Argintaru als Rumäne und selbst als nicht naturalisirter, aber in Rumänien geborener Israelit in Wahrheit einen Paß nicht braucht, daher nicht haben kann, so trug ihn der Dorfgewaltige als „mit nicht geregelter bürgerlicher Position", d. h. „Vagabund" und Ausweisungskandidat ein! Einen wirklichen Rumänen, aber mosaischer Konfession! Dasselbe Phantom veranlaßte die Ausweisung desBerku Friedmann aus dem Dorfe Solontz desselben Bezirkes, obwohl er nacliwies, daß er als Arsenalsoldat gedient hat. Der Unterpräfekt wies seine Beschwerde dagegen einfach zurück. Im Kreise Balta, Bezirk Braila, wurden 8 behördliche Wohnerlaubniß besitzende Israeliten aufgefordert die Ortschaften zu verlassen. Aus dem Dorfe S tram b a desselben Bezirks wurde Moses Markowitsch als „schädlich" vom Subpräfekten ausgewiesen, obwohl der Gemeinderath sich weigerte ein darauf bezügliches Sitzuugsprotokoll zu unterschreiben. So könnte ich noch mehr Fälle aus den verschiedensten Bezirken melden. Trotz der eigenen Verfolgung aber haben sich die rumänischen Israeliten nicht abhalten lassen, weiter für die russischen Brüder Geldsammlungen zu veranstalten. Zu den schon s. Z. gemeldeten Summen kommen hiezu folgende Städte und Orte: Oltenitza 134, Turu-Margurel 400, Targowischte 400, Gajeschti 60, Turn-Severin 500, Plojeschti 940 Frcs. Für Botoschani habe ich zu berichtigen, daß nur eine zweite Sammlung für die örtlichen Vertriebenen reservirt wurde; es soll aber, wie ich jetzt erfahre, schon gleich im Juni eine erste Sammlung von 600© Frcs. an das Centralcomits für russ. Israeliten in Bukarest geschickt worden sein. — Bet den fortwährenden Hetzjagden und dem durch Gesetze den Israeliten schon fast ganz unmöglich gemachten Broderwerb ist es Wetter nicht verwunderlich, daß man schon selbst auswandert. Aus Jassy sind vor Kurzem 30 Familien, sämmtlich Handwerker, nach Amerika gegangen. In Bacau hat sich zu diesem Zweck ein Verein konstituirt. — Dieser Tage starb in Braila ein Glaubensgenosse im Alter von 118 — einige sagen 126 — Jahren, der „alte Reb Gerschen." Er war bis zuletzt im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten und nur die Sehkraft war ihm seit etwa 10 Jahren geschwächt. Palästina. Jerusalem. Herr Joseph Halevy von Parks, der bekannte Gelehrte und Weltreisende, war vor Kurzem in Palästina. Während seines Aufenthaltes in Jerusalem berieth er mit den Spitzen der jüdischen Gemeinde, wie die Lage der Juden in Jerusalem am leichtesten verbessert werden könnte. Es wurde ihm folgende Auskunft, über die er in Paris zu berichten versprach: Es wäre nothwendig, Häuser für die armen Juden zu bauen und die Wohnungen gegen einen sehr geringen Zins zu vermiethen, eine Leihbank zu wohltätigem Zwecke zu