Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 79-80 (7.10.1891)
- Date
- 1891-10-07
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXII Jahrgang. Zweite Beilage 79 «.80 »es „Israelit & Irschurun" Zeitungsnachrichten rrud Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 5. October. Im Artikel „Mainz" in voriger Nr. hat sich in einem Theile der Auflage ein Druckfehler eingeschlichen. Das vom Chief Rabbi in London, Herrn Dr. H. Adler ’"j, auf hbd zu verfassende Gebet, sowie ein Aufruf zu Spenden, welche an diesem Tage in allen Synagogen des britischen Reiches zur Verlesung kommen sollen, beziehen sich nicht auf unsere bedrängten Brüder in Jerusalem, sondern auf unsere hartbedrückten Brüder in Rußland. O e st e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. Aus Ungarn, 24. Sept. Der famose „Rabbiner" Lichten stein, der es vor 4 Jahren durch Unterzeichnung der unter seinem Namen herausgegebenen Broschüren der Missionsgesellschaft zur traurigen Berühmtheit brachte, ist schon wieder auf der Bildfläche des Gespräches ung.-jüd. Journale aufgetaucht. Dieser böse, aber keineswegs gefährliche Geist haust nämlich noch immer in der Neologen-Gemeinde zu TLplo-Szele im Pesther Comitat, und predigt von der Kanzel eines isr. Tempels herab die Irr- und Wahnlehren von der Identität der jüd. Religion mit der des Christenthums! Als nun vor Kurzem ein konfessionelles Wochenblatt auf diesen schreienden Mißstand hinwies, sandte derselbe im Einverständniß mit seiner Gemeinde dem Blatte eine Entgegnung ein, in der er sein Vorgehen und das Verhalten seiner Getreuen zu vertheidigen suchte, die aber vermöge der undenkbarsten Begriffsverwirrung die Behauptung seines Sohnes, des Budapester Irrenarztes, daß sein Vater krank sei, als richtig erscheinen läßt. Dem Einflüsse der orthodoxen Rabbinen ist diese saubere Gemeinde mit ihrem würdigen Seelenhirten entrückt, da dieselbe auf Basis der Kongreß- Statuten steht; die Rabbinen des anderen Lagers jedoch sollten es als ihre Pflicht erachten, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um dieses Individuum, welches dem ganzen Judenthum wohl, aber in erster Reihe ihrer Partei zum Hohne und zur Schande gereicht, aus seinem Amte, welches er durch sein Verbleiben in demselben beschmutzt, entfernen zu lassen! — Am 8. d. M. wurde Herr Ch. H. R ei ch, Sohn des Budapester Rabbiners, Herrn K. Reich '"I, in Novak zum Rabbiner gewählt, nachdem sein Bruder, der daselbst bisher amtirte, seine neue Stellung als Rabbiner in Batorkszs annahm. Herr Ch. H. Reich hat u. A. auch die ra-w zu Preßburg frequentirt. — Das „Sonntagsruhe-Gesetz", unter dessen drakonischen Paragraphen sog. sämmtliche Klassen der Bevölkerung leiden, das aber vornehmlich den Kaufleuten und Handwerkern israelitischer Konfession die Existenz erschwert, ja sogar gefährdet, stößt allseitig auf Widerwillen. Kaum sind zwei Monate seit Juslebentreten dieses ohne Rücksichtnahme auf die eigenartigen Verhältnisse Ungarns nach Schnitt und Muster der in den kultivirtesten Ländern bezüglichen Gesetze geschaffenen Gesetzes verstrichen und schon werden aus allen Theilen des Landes und allen Berufsklassen Klagen laut, welche die Einschränkung des Gebietes der Sonntagsruhe fordern und durch Eingaben an das Handelsministerium dieses Ziel zu erreichen glauben. Der Grund, warum das von der isr. Landeskonferenz angenommene „Memorandum" bei der Regierung bis jetzt noch nicht eingereicht wurde, ist nicht bekannt. Es wäre hiermit höchst an der Zeit; denn jeder Tag fordert neue Opfer, entweder moralische oder materielle. Mit lebhafter Freude kann immerhin konstatirt werden, daß im Allgemeinen letztere die ersteren bei Weiten übertreffen. Doch sollte eben dies die Sache beschleunigen, da man nicht im Stande ist, dieselben für immer zu bringen. Leopold Großberg. Frankreich. Paris, 25. Sept. Anläßlich der blutigen Vorgänge, deren Schauplatz in jüngster Zeit das „Reich der Mitte" war, veröffentlicht der „Matin" eine Studie über die Religionen in China. Der Artikel skizzirt zunächst die Geschichte europäischer Einwanderung in China, namentlich die der Missionen, und hebt insbesondere den Unlstand hervor, daß die chinesischen Proselyten, kaum in die katholische Gemeinschaft ausgenommen, sofort ihr Bestreben danach richteten, sich von der heimischen Jurisdiction loszulösen und den Schutz einer auswärtigen Macht zu erlangen. Sodann kommt derselbe auf die Juden zu sprechen und sagt unter Anderem.- „Es gibt in China etwa 50,000 Juden, diese gehen jedoch vollständig in der Menge der übrigen Bewohner auf, von denen sie sich äußerlich gar nicht unterscheiden, als höchstens in der Beobachtung der hygienischen Gebote ihrer Religion. Sie treten aber auch in dieser Beziehung thunlichst dtseret aus, so daß sie nicht die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenken. Zufolge ihrer Satzungen muß Jeder von ihnen lesen können; durch ihr Streben nach