Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 79-80 (7.10.1891)
- Date
- 1891-10-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448197--32932-2480801- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1506 sandtschaft und Ehren-Präsident der jüdischen Gemeinde. Wohlthätig im höchsten Grade, stand er mit Rath und That seinen bedrängten Mitmenschen zur Sette. Amerika. Nerv-Aork, 23. Sept. Gestern fand die hier bereits angekündigte Versammlung statt, welche über Maßregeln zur Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Juden berathen sollte. Es waren 75 hervorragende Israeliten aus allen Theilen des Landes anwesend. Zunächst wurden gewählt zum Präsidenten Lewis Seasougood von Cincinnati, Ohio; zu Vicepräsidenten L. Silverman von Chicago und Joseph Fox von New-York; zum Schatzmeister Jacob H. Schiff von New-Aork; zu Sekreretären A. S. Salomon von Washington und Bernhard Harris von Philadelphia. Dann entschied man sich für Ernennung eines Geueral-Exekutiv- Ausschuffes, der den Operationsplan der Organisation, deren Gesetze u. s. w. entwerfen und darüber der Versammlung berichten sollte. Während die letztere eine Pause machte, trat das Executiv-Comitö in Sitzung und berichtete später eine Reihe von Beschlüssen, welche einstimmig angenommen wurden. Die Organisation heißt: „Comitv behufs Verbesserung der Verhältnisse der russischen Flüchtlinge." Dasselbe besteht aus den Präsidenten der verschiedenen israelitischen Organisationen, welche bei dieser Konferenz vertreten sind. Der Zweck des Comitös ist. den russischen Flüchtlingen Heimstätten und Beschäftigung zu verschaffen, ihnen Unterricht in der englischen Sprache ertheilen zu lassen und sie zum Ackerbau und zu industriellen Beschäftigungen zu ermuntern. Um diesen Zweck zu erreichen, soll das Comitv mit allen schon bestehenden jüdischen Vereinigungen Hand in Hand gehen und weitere Gesellschaften in allen Städten und Ortschaften der Vereinigten Staaten gründen. Wie mitgetheilt wurde, sind seit September vor. Jahres bis August d. I. 56,727 Flüchtlinge hier angckommen. > vermischtes, «s- Berlin, 23. September. Am Schluffe des Jahres 1890 bestanden in Berlin 352 Lehranstalten gegen 349 Ende 1889, und zwar 270 öffentlich und 82 Privatschulen inkl. 2 jüdische Schulen. In Bezug auf die konfessionellen Verhältniffe sind in Berlin Ende 1890 eingeschult gewesen 195,790 evangelische, 13,011 katholische, 12,176 jüdische, 739 dissidentische Kinder. Der Zuwachs in dem fünfjährigen Zeitraum von 1885 bis 1690, in welchem die beiden Volkszählungen stattfanden, betrug 25,894 Evangelische, 3732 Katholische, 1756 Jüdische, 160 Dissidenten. Die evangelische Bevölkerung ist um 18 Proz. ihres früheren Bestandes gewachsen, die katholische um 36, die jüdische um 23; von der evangelischen Bevölkerung waren 14 Prozt in den Schulen, von der katholischen 10 und von der jüdischen 15. Bei den nach der neuen Städteordnung des Regierungsbezirks Wiesbaden vorgenommenen Wahlen sind in Homburg v. d. H. unter 24 Stadtverordneten auch die beiden Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde, Here W. Ackermann und Ed. Emmerich, gewählt worden. cibbntai Hewi. H i st o r i s ch e Erzählung Trust Schmor?. (Fortsetzung.) „Der Erfolg schien in der That an den Waffeil des angeblichen Messias geknüpft," fuhr Rabbi Juda Toledo fort, „die römischen Truppen mußten sich von Festung zu Festung zurückziehen, binnen Jahresfrist waren an fünfzig feste Plätze und nennhundertfünfundvierzlg offene Städte den Aufständigen in die Hände gefallen. — Der römische Kaiser Hadrian schickte wiederholt Truppenverstärkung und seine besten Feldherren — Bar- Cochba besiegte sie alle. — Um einen Akt souverainer Machtvollkommenheit zu bethätigen, ließ er sogar jüdische Münzen prägen. — Das neugegrüudete jüdische Reich Bar-Chochba's hatte bereits länger als zwei Jahre bestanden, alle Truppenverstärkungeu und alle Feldherrn, zur Bekämpfung des Aufstandes geschickt, waren unterlegen. Da berief der römische Kaiser aus dem fernen Britanten den größten Feldherrn seiner Zeit, Julius Severus. Dieser fand jedoch die militärische Stellung der Juden so günstig und so unangreifbar, daß er es nicht sofort wagte, ihnen eine Schlacht zu liefern, er zog daher absichtlich den Krieg durch Kreuz- und Querzüge in die Länge, sich darauf beschränkend, den Feinden die Zufuhr der Lebensmitteln abzuschneiden, die jüdischen Truppenkörper vereinzelt anzugreifen, und sie durch die Reiterei, welche den Juden fehlte und den Römern einen bedeutenden Vorsprung gewährte, nach und nach aufznreiben. Die Natur einer derartigen Kriegsführung erforderte viel Zeit, führte jedoch zum Ziele. Es wurden mörderische Schlachten geliefert, und wie ehedem die Juden, so waren jetzt die Römer beständig Sieger. In der sogenannten Tiefebene der Hände soll es zu einem furchtbaren Zusammentreffen gekommen sein. Zwei Flüsse, die in dieser Ebene stießen, sollen, wie die Sage berichtet, von dem Blute der gefallenen Juden derart angeschwollen sein, daß sie gegen zwei Theile Wasser und einen Theil Blut enthalten haben. In die Hauptscstung Tur-Simon sollen 100,000 Römer mit gezückten Schwertern eingerückt