Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 79-80 (7.10.1891)
- Date
- 1891-10-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1507 sein und sollen drei Tage und drei Nächte hindurch die Einwohner nicdcrgemetzelt haben. Sämmtliche feste Plätze, die die Inden inne gehabt, waren wieder in den Händen der Römer, bis auf die Festung Betar. Diese war der letzte Vertheidignngspunkt dieses unheilvollen Krieges. Die Belagerung von Betar hatte bereits ein Jahr gewährt, Mangel an Nahrungsmittel und an Trinkwasser hatte die Besatzung ungemein geschwächt, dennoch kämpfte sie todesmuthig weiter und nur durch eine List soll Betar gefallen sein. Man erzählt, Rabbi Eleasar aus Modia habe in Sack und Asche gefastet und gebetet, daß Betan nicht eingenommen werden möge. Der römische Feldherr, von dem hartnäckigen Widerstand ermüdet, sei im Begriffe gewesen, die Belagerung aufzuhcbcn. Da habe sich ein Samaritaner erboten, ihm zur Einnahme behilflich zu sein, indem er den Schutzgeift der Festung, Rabbi Eleasar, verdächtigen wolle: „denn," habe er hinzugefügt, „so lange dieses Huhn in der Asche gackert, ist Betar unbesiegbar." Darauf habe sich der Samaritaner durch einen unterirdischen Gang in die Stadt eingcschlichen, und sei au Rabbi Eleaser während seines Gebetes herangetreten, ihm geheimnißvoll etwas ins Ohr flüsternd. Die Anwesenden, aus diesem geheimnißvollen Vorgehen Verdacht schöpfend, hätten ihn vor Bar-Cochba geführt. Von diesem in's Verhör genommen, habe der hinterlistige Samaritaner eine elende Rolle gespielt. „Wenn ich Dir die Wahrheit sage," hätte er gesagt, „so tödtet mich mein Herr, wenn ich sic Dir jedoch verheimliche, so tödtest Du mich. Indessen, ich will lieber durch Deine Hand sterben, als daß ich die Geheimnisse meines Herrn verrathe." Bar- Cochba, ein verrätherischcs Einvernehmen zwischen Rabbi Eleasar und dem Feinde argwöhnend, habe Rabbi Eleasar vor sich geladen und ihn über den Gegenstand seiner Unterredung mit dem Samaritaner befragt. Der fromme Mann jedoch, der in seiner Andacht die Anwesenheit des Fremden kaum gewahrt hatte, vermochte diese Frage nicht zu beantworten. Bar-Cochba, hinter diesem Allem eine um so größere Verstellung vermuthend, sei in heftigen Zorn gerathen und habe Rabbi Eleasar mit dem Fuße gestoßen, wodurch der von vielem Fasten Geschwächte tobt niedcrgefallen sei. Eine Stimme habe sich dann vernehmen lassen, „Du hast den Arm Israels gelähmt und sein Auge geblendet, darum soll Dein Arm gelähmt und Dein Auge geblendet werden." Darauf wäre Bar-Cochba gefallen und die Römer wären, von einem Verräther geführt, durch unterirdische Gänge in Betar cingedrungen und hätten ein furchtbares Blutbad angerichtet : Das Blut habe sich in Gestalt eines Flusses in das tausend Schritte entfernte Meer ergossen und habe schwere Felsen mit fortgewälzt. Dreihundert Kindergehirne habe man an einem Felsen zerschmettert gefunden. Ein römischer Schriftsteller berichtet, es seien außer den durch Hunger und Brand Umgckommenen, über eine halbe Million Juden gefallen. Eine jüdische Quelle überliefert, der Feind habe den Gefallenen nicht einmal die Ruhe des Begräbnisses gegönnt, aus den in aufrechter Stellung aneinandcrgereihten Leichnamen sei ein Zaun gezogen worden. — L-o endete die Erhebung der Juden unter dem ersten und bedeutendsten derjenigen, die sich für ihren Messias ausgegeben haben. — Erst nach langer, langer Zeit wurde ihnen gestattet, die Ueberreste der längst verwesten Leichen der Erde zu übergeben. — In jenen Tagen haben unsere Weisen den zweiten Theil des Tischgebetes angeordnet, zur beständigen Erinnerung und Warnung, daß wir uns nie wieder unterfangen sollen, in eigener unbefugter Machtvollkommenheit das Land erobern zu wollen, das Gott unfern Vätern zugeschworen. Er wird das Joch brechen, das unfern Hals belastet, Er wird uns erhobenen Hauptes znrückführen in unser Land. Er wird den Propheten Elijahu uns senden, die Heilesbotschaft uns zu verkünden. — Doch bis dahin müssen wir in Geduld ertragen, was Gott über uns verhängt. — Trotz dieser Warnung, die wir bei jedem Tischgebet uns in Erinnerung rufen, haben sich auch in den späteren Jahrhunderten wiederholt mehr oder minder hervorragende Männer erhoben, die sich für den Messias, für den uns von Gott verheißenen Erlöser ansgegcben haben. Einer dieser Pseudo-Messiasse wurde, als der von ihm angezettelte Aufstand niedergeschlagen war, von dem damaligen Machthaber Judäas gefangen genommen. Einen martervollen Tod befürchtend, fiel er auch im Angesichte seines Siegers nicht aus seiner Rolle. Er hielt seine Behauptung, der Messias der Juden zu sein, aufrecht, und um dieselbe zu beweisen, verlangte er, enthauptet zu werden; er werde dann nach Ablauf von vierzehn Tagen wieder auferstehen und das begonnene Erlösungswerk fortsetzen. — Seinem Verlangen wurde entsprochen, man trennte sein Haupt vom Rumpfe und wartete vierzehn Tage — dann aber traf seine Anhänger die schwerste Strafe. — Und wie es den Anhängern jenes Sabbatai Zewi ergehen wird — ich fürchte sehr, fürchte sehr —" „Du üb ersieh est, lieber Onkel," fiel Baruch ein, „daß der heilige Mann, der jetzt im Orient erstanden ist, sein Volk nicht zu den Waffen ruft, daß er vielmehr ohne Schwertstreich das Erlösungswerk vollbringen wird." „Er wird es vollbringend" höhnte Rabbi Juda, „er?"