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Der Israelit · 1891-10-07 · Heft 79-80 (7.10.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 79-80 (7.10.1891)
Date
1891-10-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1502 Ausstrahlungen des Gemeindelebens, in der Wissenschaft, in allen Angelegenheiten, welche die Gesammtüeit betreffen. Nicht umsonst mahnt uns das große Vermächtniß unseres Lehrers Moscheh, stets eingedenk zu bleiben des ersten nationalen Abfalls und Jrrthums: rotwi 2) „Bleibe eingedenk, vergiß es nimmer." ruft er uns zu, „wie Du Gott, Deinen Gott in der Wüste erzürnt Haft", gedenke stets, zu allen Zeiten, wie weit ab von der Höhe ihrer Aufgabe die Väter noch standen, als sie, kaum der Offenbarung am Sinai gewürdigt, sich ein Idol errichten konnten, auf daß wir des Abstandes inne werden, der uns, die Epigonen, noch trennt von der Jdealhöhe, zu welcher wir uns emporzuschwingen haben, um der Aufgabe gerecht zu werden, die Gott uns, als dem Priestervolk unter den Nationen, ertheilt, auf daß wir begreifen, wie sehr wir der Verzeihung Gottes bedürfen für unfern Fehl und unsere Leichtfertigkeit, der wir nur würdig werden können durch aufrichtige nawn, durch ernste unausgesetzte Arbeit an uns selbst,3) „bis das Erziehungswunder an Israel vollendet und dieses härteste Volk für immer Gottes Eigenthum geworden sein werde", wie Moscheh es ausgesprochen: unfrroi unKönto nn^Di. Sollen wir in diesen Tagen — -nr^ ddd p — nicht auch unser Gemeindkleben einer ernsten Prüfung unterziehen, um zu erkennen, ob dasselbe sich nicht entsernt hat von den Normen des Gottesgefetzes? Sollen wir nicht prüfen die Werke unserer Gelehrten, um zu erkennen, ob hier der Wahrheit oder der Lüge gehuldigt worden? Sollen wir nicht prüfen die Thaten der von der Gesammtheit zu pflegenden Wohlthättgkeit, um zu erkennen, ob in Wirklichkeit echte n,rw geübt wird, die Liebe, welche dem bedürftigen Bruder wahrhaft helfen will? Können wir bestehen mit unserer Vergangenheit vor dem ernst prüfenden Blick? Sind unsere Gemeindeinstitutionen das Spiegelbild der gewissenhaften Sorge für die treue Verwirklichung des göttlichen Willens? Sind unsere Rabbiner und Lehrer, unsere Beamten und Gemeindevertreter erfüllt von dem echt jüdischen Geiste, daß in Gemeinde, Synagoge und Schule diesem Geiste allein gehuldigt wird und nicht dem Geiste der Thorheit, des Leichtsinns, des Abfalls und der Untreue? Wirken unsere Gelehrten für die Erkenntniß der jüdischen Wahrheit, oder wird diese verleugnet zu Gunsten eines eitlen Gelehrtendünkels, so daß Täuschung und Lüge als Wissenschaft des Judenthums gepflegt und verbreitet wird? Hegen wir wirkliches brüderliches Mitgefühl 2) Deuteron. 9, 7. 3) Hirsch's Commentar zu Exodus 34, 9. mit unseren unglücklichen Brüdern im großen östlichen Kaiserreiche, das ihnen zum Kerker geworden, daß wir in opferfreudiger Theilnahme ernstlichst bestrebt sind, ihnen neue Heimstätten zu bereiten, in welchen sie, ein Jeglicher in der ihm geläufigen Hantirung, den Unterhalt durch redlichen Fleiß finden können, oder leitet uns an erster Stelle der Gedanke, diese Unglücklichen uns fern zu halten und sie zum Spielball gewagter Kolonisations Versuche zu machen? So hätten wir uns zu prüfen, zu prüfen, um nawn zu thmi, wo wir gefehlt, wo wir abgewichen von dem rechten Pfade, wahrhafte m^n, um durch die Bessergestaltung der Vergangenheit Fehl und Jrrthum zu sühnen und moa zu finden und mno wieder zu erlangen, auf daß Gott auch über uns in Seiner Gnade und Barmherzigkeit ’nn^D spricht! Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn. Deutschland. Mainz. Das Kön iglich Sächsische Ministe rinm hat eine Verfügung erlassen, wonach die zu schlachtenden Thiere vor ihrer Tödtung betäubt werden müssen, nimmt aber die zu schächtendeu Thiere von diesem Verbote ausdrücklich aus. Die Thierschützer suchen diesen Umstand als ein Unrecht darzustellen, wie wir vcrschtedcucn uns vorliegenden Zeitungen entnehmen. Zum Theil haben diese Ausführungen auch bereits die verdiente Abweisung erfahren, wie uns z. B. eine solche im „Frankfurter Journal" vom 12. September vorliegt. Wir halten es für dringend gebotene Pflicht, dieser Darstellung überall, wo sie sich in Zeitschriften oder Versammlungen geltend macht, entschieden entgegen zu treten, damit die öffentliche Meinung nicht irre geführt werde, und lassen hier einige Notizen für diejenigen folgen, die mit dem einschlägigen Material nicht genügend vertrant sein sollten, wie es für eine derartige Entgegnung erforderlich ist. Was zunächst das Sächsische Ministerium des Innern betrifft, so bedarf dasselbe unserer Verteidigung nicht. Dasselbe hat sich mit der Angelegenheit nicht jetzt zum erstenmale befaßt. Schon am 25. November 1882 hat dasselbe in Folge Gesuchs des Dresdener Thierschutz-Vereins um Einführung der Betäubung vor der Schlachtung, zu der Sache Stellung genommen. Auf Grund eines damals vom Ministerium eingeforderten Gutachtens der Commission für d a s V etertnärwesen, nach vorgängiger Vernehmung mit dem Obermeister der Dresdner Fleischerinnung, kommt dasselbe zu folgendem Resultat: -Anlangend noch in Sonderheit dieses rituelle Schächten bei den Israeliten, das bekanntlich in

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