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Der Israelit · 1891-10-01 · Heft 78 (1.10.1891) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 78 (1.10.1891)
Date
1891-10-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1485 fast ganz verbraucht ist, soll ein Aufruf zur Erneuerung des Fonds erlassen werden. Es wurde ferner bestimmt, daß die Zeitschrift „Darkest Russia" weiter erscheinen solle. Griechenland. Athen, 24. Sept. Nach neueren Meldungen leistet die griechische Regierung der Nepatriirung der in Folge der bekannten Excesse aus Corfu geflüchteten Juden werktätigen Vorschub. Aus Alexandrien wurden 200 flüchtige Juden auf Kosten der griechischen Regierung zurückbefördert. P a l ä st i n a. lH In Jerusalem ist bereits die elektr. Beleuchtung im Werke. Die zur Herstellung einer Straße zwischen Beyrut und Damaskus bestehende Gesellschaft hat von der türkischen Regierung das Recht erhalten, sich in eine Eiscnbahngeseüschaft umzuwandeln. Dieselbe Gesellschaft hat vor zwei Jahren zwei getrennte Gesellschaften — die eine für den Hafen Beyruts', die andere für die Anlegung einer schmalspurigen Eisenbahn von Beyrut nach Hauran — unter Betheilignng der Ottomanischen Bank errichtet. Die Errichtung einer Eisenbahn zwischen Beyrut und Damaskus wird den Handel Syriens bedeutend fördern. -£» Vermischtes. 4 Berlin. Dem geheimen Sanitätsrath Dr. S. Guttmann ist vom Kaiser von China die erste Stufe der 3. Kl. des doppelten Drachenordens verliehen worden. Berlin. Die deutschen Vegetarianer haben hier einen Congreß abgehalten, zu welcher Pflanzenesser aus allen Orten erschienen waren. In den Berathungen wurde erwogen, wie alle Fleischverächter Deutschlands zu einem Bunde zu vereinigen wären. Dann werden hoffentlich die Nebel der Welt verschwinden; die Pflanzenkost werde die Menschen in den von der Bibel geschilderten paradiesischen Zustand der reinen ungetrübten Freuden zurückführen. Der Blutgenuß erzeuge wilde Leidenschaften, die Pflanzenkost solle sanft machen, so sanft, daß das Lamm neben dem Löwen ungestört sein Futter suchen könne. Sonderbar klingt es, daß auch hier eine antisemitische Fraktion Förster eingedrungen ist, welche wohl der Fleischnahrung abhold ist, aber dennoch jedem ehrlichen braven Arier einen gebratenen Juden im Topf wünscht. Eine funkelnagelneue Sekte will zu den frischen, fröhlichen Zeiten des Waldmenschen zurückkehren. Vom Feuer und Kochen fei alles Uebel in die Welt gekommen. Es müsse wieder hinaus. Wir wünschen der Sekte recht viele Anhänger aus den Reihen derer, welche um der lieben Fleischtöpfe willen religionsgesetzliche Schranken durchbrechen. Berti«. Ende 1890 bestanden in Berlin 352 Lehranstalten, welche von 193.790 evangelischen, 13011 katholischen und 12176 jüdischen Schülern besucht wurden. Der Zuwachs in dem fünfjährigen Zeiträume von 1885 bis 1890, in welchem die beiden Volkszählungen stattfanden, betrug 25899 Evangelische, 3432 Katholische und 1756 Jüdische. Die evangelische Bevölkerung ist um 18 pCt. ihres frühern Bestandes gewachsen, die katholische um 36, die jüdische um 23, von der evangelischen Bevölkerung waren 14 PCt. in den Schulen, von der katholischen 10 und von der jüdischen 15. Herr Graf Pfeil kann nun wieder seine Betrachtungen anstellen, wie dieser Ueberschuß aus der Welt zu schaffen ist. Ratibor. Zum Raubmorde in Bennisch schreibt der O. A.: Zwei Bahnarbeiter, Franz Krupa und Josef SupergüN, wurden als Mörder des Liqueurfabrikanten Isidor Oppenheim ermittelt. Elfterer ist geständig. Von dem geraubten Sachen wurde die Uhr sammt Kette, das Geldtäschchen mit 5 fl., ein werthvolles Messer und ein Kamm bei Krupa gefunden. Die Ermordung Oppenheims geschah durch Erdrosselung. Hierzu wurde eine Spagatschnur verwendet. Tirol. In Erl, unweit der Station Ober-Andorf, jenseits des Inn, geht unter starker Theilnahme der bäuerlichen Bevölkerung und der Sommergäste aus den nahen bairischen Villegiaturen ein großes biblisches Schauspiel, das „Moses, der Befreier und Gesetzgeber des Volkes Israel" benannt ist, in Scene. Unstreitig ist die Bühne in Erl die interessanteste unter den Tiroler Bauernbühnen. Alles in Allem mögen an 100 Personen, Männer Weiber und Kinder auf der Bühne thätig sein. Das Theatergebäude, außerhalb des Dorfes an der Straße nach Kufstein liegend, sieht wie ein riesiger „Heustadel" aus, enthält aber eine breite und tiefe, gut eingerichtete Bühne und einen mit amphitheatralisch aufsteigenden Bänken versehenen Zuschauerraum, der mehr als 1000 Personen zu fassen vermag. Die Vorstellungen beginnen stets um die Mittagsstunde und enden um 5 Uhr Nachmittags. In einem Vorspiele, das die Auffindung des kleinen Moses im Nit behandelt, und in sechs Acten wird der Auszug aus Aegypten und der Zug durch die Wüste bis zur Einnahme Jericho's dramatisch vorgeführt. Wenn man bedenkt, daß vom Darsteller des Moses an bis zum letzten Bühnenarbeiter, die Chorsänger und Musikanten, die Kostümschneider und der Decorationsmaler nur Bauern, einfache Bauern find, welche die ganze Woche hindurch Jahr aus Jahr ein die schwere Arbeit des Landmannes verrichten, so muß man gerechter Weise staunen, wie trefflich auf diesem Volkstheater Alles klappt. In Paris ist am 20. v. M. 41 Jahre alt Gustav Ollendorf gestorben, Director der persönlichen Angelegenheiten im französischen Handelsministerium. Der Verstorbene, ein Bruder des bekannten Verlagsbuchhändlers Paul Ollendorf, war während der letzten Weltausstellung die rechte Hand des Ministers Lockroy. Paris, 9. September. Die gewohnte Rücksichtnahme, welche die französischen Behörden unterschiedslos allen Konfessionen angedcihen lassen, zeigt sich auch in dem nachfolgenden Erlaß des Kriegsministers Freycinet: „Der Konseilpräsident und Minister des Krieges an die Herren Militärgouverneure von Paris und Lyon, die kommandirenden Generäle der Armeekorps und den kommandirenden General der Besatzungsbrigade von Tunis. Mein lieber General, die Herbstfeiertage des israelitischen Kultus werden in diesem Jahre stattfinden l. vom 2. Oktober früh bis 5. Oktober früh; 2. vom 11. Oktober früh bis 13. Oktober früh. Ich bitte Sie, bei dieser Gelegenheit dafür Sorge zu tragen, daß in Bezug auf die Soldaten, welche der jüdischen Religion angehören, die Vorschriften meines Cirkulars vom 10. Dezember 1888 zur Ausführung kommen, welches sich auf den Urlaub an Feiertagen bezieht." In gleicher Weise hat auch der Marineminkster verfugt, daß den jüdischen Soldaten an den hohen Feiertagen der Urlaub gewährt werde. London, 20. September, lieber den Stand der jüdischen Auswanderung aus Rußland läßt sich die „Jewish World" in folgenden Worten aus: „Die Aussichten der russischen Juden werden von Tag zu Tag düsterer und trüber.

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