Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 78 (1.10.1891)
- Date
- 1891-10-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1483 gnädiger Fürsorge vollziehen, das wagen viele kaum zu hoffen, ja nicht einmal zu denken. Daß aber selbst unser Geschäftsleben, unser Erwerben und Besitzen, unser materieller Gewinn und Verlust auch unter Gottes Fürsorge sich vollzieht, wird uns durch kaum eine Anordnung des göttlichen Gesetzes so nahe gelegt, als durch das Verbot des Tragens am Sabbat. nwnm noon. Das Hinein- und Hinaustragen am Sabbat ist ein treuer symbolischer Ausdruck der nwrro r©»n, unserer „Einkünfte" und „Ausgaben" an den Werktagen. Wie Jemand sich darauf versteht, von den Gütern der Gesammtheit sich einen Theil für sich und sein Haus zu sichern, sie von der Straße in seinen Einzelbesitz zu bringen, das ist das Kriterium jedes Geschäftes. Umgekehrt spricht sich jeder Verlust als einHtnausbringen aus unserem eigenen, heimischen Kreis in die große Gesammtheit. Indem nun Gott an Sabbat nnsnöi wn nwfr D’inn man» nwam nxain own nutrfc ti-ph diese Uebertragung vom Einzelbesitz in den öffentlichen Vesitzkreis und umgekehrt unter das Diktat seines Willens gestellt hat, ist uns damit zum Bewußtsein gebracht, wie diese angelegentlichste Sorge menschlichen Lebens und Strebend von unserem himmlischen Vater wohl gewürdigt und getragen wird. Der Schofar am Rosch-Haschono ruft uns die Gedanken von Gottes Größe und Erhabenheit ins Bewußtsein, die alles menschliche Denken und Begreifen um Aeonen überragen. Aber der Schofar, der am Rösch-Haschono-Sabbat nicht zu uns spricht, um die Schranken und Grenzen nicht zu verletzen, mit welchen Gott unseren Besitz von dem der Gesammtheit geschieden hat, zeigt uns,, wie es dieses Rufes nicht erst bedarf, um uns Gottes liebende Nähe und seine fürsorgliche Wallung für diese Sette unseres Lebens immer frisch und lebendig zu erhalten. Das ist das Gedächtniß der Teruah nyim jroi, welches uns eindringlicher als der lauteste Posaunenschall mahnt, durch Mißachtung dieser von Gott gezogenen Grenzen und ihres symbolischen Ausdrucks nicht an der Schwelle des Jahres schon den Segen zu verscheuchen, den Gott an die Heilighaltung des Sabbat geknüpft, und auf den wir gerade in unserer Zeit mehr als je angewiesen sind. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Deutschland. Bom Niederrhein. Der sechste Rechenschaftsbericht des israelitischen Waisenhauses zu Dinslaken, welcher soeben zur Versendung gelangt, zeigt auch diesesmal wieder ein recht erfreuliches, kräftiges Fortschreiten der so segensreich wirkenden Anstalt. Aus ganz kleinen Anfängen entstanden, zählt dieselbe jetzt bereits 23 Pfleglinge. Im abgelaufenen Jahre hat das Institut eine besonders kräftige Förderung dadurch erhalten, daß die Herren Leopold Sinsheimer und Ludwig Joseph Pfungst aus Worms Freistellen für arme Waisen errichtet haben. Hoffentlich findet dieses schöne Beispiel recht bald Nachahmung, denn es gibt gewiß nichts Edleres, als in solcher Weise für arme Waisen eine Heimstätte zu gründen. Auch an Kaddisch-Stiftungen sind dem Hause wieder eine recht stattliche Zahl überwiesen worden. Der Bericht spricht besonders die Hoffnung aus, daß sich auch sernerhin jederzeit Edeldenkende finden mögen, die in solcher Weise ihr und ihrer Lieben Namen auf ewige Zeiten erhalten und gleichzeitig ein gutes Werk damit stiften. Auch die Einrichtung der Almosenbüchsen hat sich im Laufe der Jahre recht gut bewährt und es werden die Herren Hoteliers, Synagogenvorstände, Chevrohs und Geschäftsinhaber, welche bereit sind, solche Büchsen aufzunehmen, gebeten, ihre Adressen der Waisenhausverwaltung mittheilen zu wollen. Auch wir schließen, wie der Bericht mit dem Wunsche, daß der liebe Gott, der bisher geholfen hat, auch ferner dem segenswirkenden Werk beistehen möge, und mit der Hoffnung, daß es der Anstalt immer mehr gelingen möge, die Herzen aller edlen und guten Menschen zu gewinnen. Außer den Freiplätzen balanciren die Einnahmen und Ausgaben mit M. 20,245. Eschweiler, im September. Bedeutungsvolle Tage waren für die hiesige Gemeinde der 18., 19. und 20. Sept., trat doch dieselbe an ihnen in eine neue Epoche ein. Schon lange war unser seitheriges Betlokal den Verhältnissen der Gemeinde nicht mehr entsprechend und mußten wir deßhalb zum Neubau schreiten, dessen Einweihung an obenbezeichneten Tagen stattfand. Die eigentliche Einweihungsfeier war am 18. des Nachmittags; um 3 Uhr versammelte sich die Gemeinde und ihre Ehrengäste sowie die von Nah und Fern herbeigekommenen Fremden in Her alten Synagoge zum Abschiedsgottesdienste, den der Kultusbeamte der Gemeinde, Herr Höchster, leitete und mit einer ergreifenden Ansprache, die auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte, beendete. Der Festzug gestaltete sich zu einem imposanten Triumphzuge. Außer den Gemeindemitgliedern und den zur Einweihung hierhergekommenen Herren Rabbiner Dr.Frank und CantorBlumenthal- Köln waren die Stadtvertretung mit dem Herrn Bürgermeister an der Spitze, die Baukommission, Vertreter der Geistlichkeit und viele angesehene hie-