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Der Israelit · 1891-09-28 · Heft 77 (28.9.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 77 (28.9.1891)
Date
1891-09-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1475 verwandten Presse Umschau gehalten hätte. Denn die „Staatsbürger-Zeitung" und der „Leipziger Tages-Anzeiger" nehmen gegenüber dem Trunksuchtsgesetze einen mehr oder weniger ablehnenden Standpunkt ein. Berlin. Dieser Tage starb Herr Julius Jacob, ein durch seine Wohlthätigkeit weithin bekanntes Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde; der Verstorbene, der mit größter Aufopferung für Pflege und Weiterbeförderung der russischen Juden auf dem Bahnhof in Charlottenburg thätig war, hatte sich bei Ausübung seines Berufes eine starke Erkältung zugezogen, welche den Tod zur Folge hatte. Das hiesige antisemitische Hauptorgan, dessen Haß selbst dem tobten Juden keine Ruhe gönnt, läßt den allgemein betrauerten, wackeren Mann in Folge eines gräulichen Fluches eines jüdischen Schnorrers sterben. Der Dahingeschiedene gehörte auch der Armen-Commission der jüdischen Gemeinde an, war Vorsteher des Brüdervereins und der Malbisch-Arumim-Chewra. Oesterr.-Ungar. Monarchie. W r Wien. Das „Neue Wiener Tagblatt" schreibt: Derjenige, der zuerst klar und mit vollem Bewußtsein die Idee der elektrischen Kraftübertragung bereits im Jahre 1862 ausgesprochen hat, ist ein Oesterreicher (Israelit), der Elektrotechniker und Sozialphilosoph Josef Popper in Wien. Vor neun Jahren entsiegelte die hiesige Akademie der Wissenschaften ein 1862 in ihren Schoß zur Wahrung der Priorität niedergelegtes Dokument, in welchem Josef Popper in prophetischer Weise „über die Benützung der Naturkräfte" schreibt: . . . „Dies alles ist aber zu bewerkstelligen, wenn der Motor, zum Beispiel der Wasserfall, eine paffend ausgestellte magnetelektrische Maschine bewegt; der hiedurch entstehende galvanische Ström in einer Art Telegraphenleitung über Berg und Thal geleitet und am gewünschten Orte mittels einer elektromagnetischen Maschine zu mechanischer und unmittelbar zu chemischer Arbeit — also zur Elektrolyse im Großen — verwendet wird." Dieser Satz zeigt, wie deutlich der Autor desselben das Problem der elektrischen Kraftübertragung bereits vor einem Menschenalter erfaßt hatte, und wir wollen uns der Thatsache freuen, daß diese große, dem Jahrhundert eine ehrfurchterweckende Physiognomie aufdrückende Idee zuerst in unserem Hetmathslande im Geiste eines Juden aufgekeimt ist. Prag, 20. September. Am vergangenen Mittwoch ist in dem nahen Kurorte Teplitz der emeritirte Rabbiner Pinkas Hauser im Alter von 83 Jahren gestorben. Freitag fand fein Vegräbniß unter großer Theilnahme der Bevölkerung jüdischer und christlicher Consession statt. rraixn Rußland. Petersburg, 24. Sept. Die „Nowoje Wremja" meldet, dem Reichrath werde demnächst eine Vorlage des Ministers des Innern über die Judenfrage zugehen. Sie basirt auf dem durch die Konferenz der Generalgouverneure von Wilna, Warschau und Kiew unter dem Vorsitze des Adjunkten des Ministers des Innern, Plehwe, zusammengestellten Material. Nach einer „Standard"-Meldung aus Petersburg, 22. September, die der „Voss. Ztg." durch eigenen Drahtbertcht aus London übermittelt wurde, hat der russische Minister des Innern einen Gesetzentwurf ansgearbeitet, demzufolge die Fremden, welche ausgewiesen worden find, ohne Prozeß nach Tobolsk deportirt werden, wenn ihr eigenes Land sie nicht aufnehmen will. Diese Maßregel werde, wenn sie in Kraft trete, hauptsächlich die Juden und Polen berühren. Amerika. Nerv-Dork, 19. September. In der Glasfabrik in M ill v i l l e im Staat New Jersey legten die dort neben den Erwachsenen thätigen Knaben die Arbeit nieder, um gegen die Beschäftigung von 14 Juden zu protestiren. Die Fabrik zwurde in Folge dessen geschlossen und über etwa 3000 Personen die Arbeitssperre verhängt. New-Aork. Die „New-Aorker Staatszeitung", das größte und angesehenste deutsche Blatt in den Vereinigten Staaten, veröffentlicht nachstehenden Artikel über die überaus segensreiche Wirksamkeit der hiesigen „United Hebrew Charities“: „Es ist eine unbestrittene, weil unbestreitbare Thatsache, daß, wo immer Israeliten in einem Gemeinwesen sich in größerer Anzahl zusammenfinden, die Wohlthätigkeit in vollem Sinne des Wortes mit einzieht. In den großen Mittelpunkten der Bevölkerung jener Länder der alten Welt, wo freiheitliche politische und religiöse Satzungen frühzeitig Platz fanden, bildeten sich vor langen Jahren schon Centralstellen, an denen sich die in aller Herren Länder verstreuten israelitischen Wohlthätigkeits-Institute begegneten, von wo aus sie sich Rath erholten, und wo sie nicht nur praktische Anweisungen, sondern direkte Hilfe erhielten. . . Was die „Alliance Jsraelite" und die von Sir Moses Montefiore gegründeten Institute seit Jahren für Europa waren, das sind in größerem Maße, wenn man den Wirkungskreis in Betracht zieht, die „Vereinigten jüdischen Wohlthätigkeits - Gesellschaften" — „United Hebrew Charities“ — für New-Aork und theilweise für die Vereinigten Staaten geworden. Mit bescheidenen Anfängen wurde das heute großartige Werk gegründet und nach I6jährigem Bestehen sah sich die Organisation im Stande, im verflossenen Jahre

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