Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 77 (28.9.1891)
- Date
- 1891-09-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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thums, die wahren Christen schrecken zurück davor. Jeder christliche Priester müßte sich dagegen verwahren, damit er durch diese Verwahrung und mit der Solidarität der ganzen Christenheit diese unmenschlichen Verfolger zurückweise, die sich wohl Christen nennen, die aber mit unmenschlichem Vorgehen das Hauptgesetz des Chriftenthums verletzen: die Nächstenliebe. Den Segen des gütigen Gottes für Ihren menschenfreundlichen Verein erbittend, verbleibe ich mit ausgezeichneter Achtung Ihr dienstbereiter Gabriel Pap, transdanubischer evang.-rcf. Bischof. Revkomarom, 1. September." England. London, 23. Sept. In der heute veröffentlichten September-Nummer von „Darkest - Russia" findet sich der folgende Brief des Herzogs tim Argyll an ein Mitglied des russisch-jüdischen Comitss. „3. September 1891, Jnverary, Argyllshire. Geehrter Herr! Ich hatte mich der Hoffnung hingegeben, daß die russischen Behörden die wider sie erhobenen furchtbaren Anklagen hinsichtlich der Verfolgung der Inden in Abrede stellen und uns dadurch in die Lage versetzen würden, mit unserem Urtheil zum Mindesten ein wenig znrückzuhalten. Kein solcher Widerspruch ist jedoch bis jetzt erschienen und ich fürchte, wir müssen es als Thatsache annehmen, daß eines der größten Kaiserreiche der Welt, welche sich nicht allein christlich, sondern ausdrücklich „orthodox" nennt, gegen die jüdische Bevölkerung in einem Geiste handelt, welcher der dunkelsten Epochen der dunkelsten Jahrhunderte würdig ist. Ich kenne kein anderes Hilfsmittel als die öffentliche Meinung der christlichen Welt. Schließe sich Niemand davon aus, „Schande!" über solches Verhalten auszurufen. Es ist einfach barbarisch. Argyll." In ähnlicher Weise hat sich bekanntlich vor Kurzem der Herzog vvn Westminster ausgesprochen. Der Herzog von Argyll ist, beiläufig bemerkt, der Vater des Schwiegersohnes der Königin, des Marquis of Lorne. Rußland. Petersburg, 19. Sept. Unlängst wurde beschlossen, die russische Polizei von jüdischen und polnischen Elementen zu säubern. Diese Maßregel ist theilweise durchgeführt worden, hat aber zu einer bedenklichen Desorganisation, ganz besonders der Detektivpolizei geführt, in welcher gerade die tüchtigsten Beamten Israeliten und Polen waren. Wlozlawek, Gouv. Warschau. Die ärmere jüdische Bevölkerung, so wird der „Lodz. Ztg." aus Wlozlawek geschrieben, wandert nach und nach aus und kann man dieselbe täglich auf dem Ringe ihre ärmliche Habe verkaufen sehen. Größtentheils begaben sich die Auswandernden per Dampfboot nach Thorn, Bemitteltere nur reisen per Bahn dorthin. In dem von solchen Israeliten vorwiegend bewohnten Stadttheile machen sich die Lücken schon bemerkbar. Während noch vor wenigen Jahren ein sehr großer Andrang von Schülern zur hiesigen Staats-Realschule sich geltend machte, find gegenwärtig noch 107 Vakanzen, wovon 15 auf die Vorbereitungsklasse entfallen, vorhanden. Bulgarien. Sofia, 17. September. Wie die hiesige halbamtliche „Swoboda" meldet, wurde in Wratza die Leiche des so lange vermißten Christenmädchens Mitza Georgowa endlich gesunden. Die amtliche Untersuchung ergab, daß das Mädchen von einem Wüstling entehrt und nachher getödtet wurde. Geschäftsneid, so schreibt dieses Blatt weiter, veranlaßte dann mehrere christliche Kanfleute, dieses plötzliche Verschwinden des Mädchens mit der Mär vom rituellen Morde in Verbindung zu bringen. A m e r i k a. New-Aork, 14. Sept. Die Verwalter des Hi r s ch'schen Fonds haben eine erste jüdische Kolonie in der Grafschaft Kap May im Staate New-Jersay gegründet. Die Kolonie heißt Woodbine und besteht aus 5100 Acres Landes. Gemüsegärtnerei und Obstzucht werden einstweilen die Hauptbeschäftigung der Kolonisten bilden. Später will man Schuh-, Glas- und Tuchfabriken errichten. Die Kolonie wird 250 Familien zählen- Jeder Ansiedler muß 2000 Doll, baar besitzen. Er bekommt zum Kdstenpreise eine Farm von 15 Acres und außerdem eine kleine Fläche für späteren Gebrauch, sobald er sich als Landwirts) bewährt und es sich gezeigt hat, daß er nicht nur spekuliren will. Ein Haus für 4—6 Zimmern soll für jede Familie gebaut werden und den Ansiedlern soll Geld für den Anbau des Landes vorgeschossen werden. Dafür werden die Grundstücke mit Hypotheken belastet zu einem 5prozentigen Zinsfuß. In Woodbine werden zur Zeit Straßen gebaut und Brunnen gegraben. Zwei Häuser sind schon fertig und bewohnt. Die Schule für die Kinder der Kolonisten ist in Dennisvtlle, drei englische Meilen entfernt. vermischtes. Offeubach, 22. Sept. In einer wegen Erpressung anhängigen Untersuchungssache, die einen antisemitischen Hintergrund hat, war heute der Darmstädter Untersuchungsrichter hier thätig. Der Beschuldigte, der hier wohnende Sohn eines in einer nahen Ortschaft seßhaft gewesenen Oekonomen, verfolgt nämlich schon geraume Zeit in dem Wahn, er sei