Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 76 (24.9.1891)
- Date
- 1891-09-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1446 \ Kaiserreich eine Beleidigung involvirten. Der Vorfall gelangt demnächst zur Aburtheilung vor der hiesigen Strafkammer. Für Zoppot dürfte aber diese Angelegenheit ernstere Folgen haben, da verschiedene russische Familien, welche alljährlich den reizenden Badeort besuchten, beschlossen haben, denselben künftig zu meiden. Mm, 5. Sept. Wir Schwaben sollen mit Gewalt mit einer Judenhetze beglückt werden. Unser Apostel heißt Welcker, und wenn er noch nicht so berühmt ist wie Stöcker, Böckel, Pickenbach, Liebermann v. Sonnenberg, so ist er selbst gewiß nicht schuld daran, denn er gibt sich die redlichste Mühe, diesen erlauchten Geistern, die das in Judenknechtschaft versunkene Deutschland zu erretten bemüht sind, es möglichst gleichzuthun. Glücklichweise hat er auch ein Preßorgan gefunden, das sich ihm zur Verfügung stellt, die einst angesehene und weitverbreitete „Ulmer Schnellpost", die allerdings von dem Sockel ihrer relativen Berühmtheit längst herabgeftiegen ist. Seit Jahr und Tag leidet das Blatt an Abonnentenschwund, und um seinem gesunkenen Ansehen und Einfluß wieder aufzuhelfen, greift es zu den widerspruchsvollsten Mitteln. Es ist noch gar nicht lange her, daß dies edle Blatt, das jetzt Frühmorgens ein paar „Juden und Demokraten" zum Frühstück verzehrt, an eben jene „Juden und Demokraten" um schnödes Geld verschachert werden sollte. Der Handel zerschlug sich, die demokratische „Ulmer Zeitung" wurde gegründet und nahm einen solchen Aufschwung, daß sie heute schon eine der verbreitetsten württembergischen Zeitungen ist. Die „Ulmer Schnellpost" aber beschloß, da aus dem Geschäftchen nichts geworden war, wenigstens das deutsche Volk aus der Verjuduug zu erlösen. Und sie hat es auch richtig in der schamlosen Hetzerei so weit gebracht, daß der Böckel'sche „Reichsherold" mit einiger Besorgniß auf diesen jungen Mitkonkurrenten blicken kann. Seit sie ihr antisemitisches Herz entdeckt hat, vergeht kein Tag, wo sie nicht eine Anzahl judenhetzerischer Artikel bringt. Da werden „Statistik" dem Leser servirt, die ihn über die moralische Verderbtheit der Juden aufklären sollen; da werden Aussprüche großer Männer über die Juden, die aus dem Zusammenhänge herausgerissen sind, mitgetheilt, nach denen schließlich jeder Jude ein Ausbund von Schlechtigkeit sein muß; jüdische Wucherer werden als Prototyp der Israeliten im Allgemeinen hingestellt und für ihr schlimmes Treiben alle Juden, auch die ehrenhaftesten, verantwortlich gemacht. So voll die schwäbischen Antisemiten aber auch den Mund nehmen, so windig steht es um ihre Bedeutung. Die „Ulmer Schnellpost" redet nach Art der Schwindsüchtigen, die mit Kirchhofsrosen auf den Wangen große Reisepläne entwerfen, von den nächsten Reichstags- und Landtagswahlen, wo angeblich die Antisemiten den „verjudeten Demokraten" den Garaus machen werden. Das sind hohle Prahlereien, über die Jeder, der die Verhältnisse kennt, nur lachen kann. Das bloße Radaumachen, wie es die antisemitischen Häuptlinge lieben, thut es noch nicht; man muß auch Leute hinter sich haben. Und mit der Gefolgschaft des Herrn Welcker sieht es recht kläglich aus. Mit Denjenigen, die sich offen zu ihm bekennen, kann er beim besten Willen keinen Staat machen. Diejenigen aber, die er gern zu sich herüberziehen möchte, wollen nichts von ihm wissen. Es verdient bemerkt zu werden, daß Seitens der Antisemiten verschiedentliche Versuche gemacht wurden, sowohl angesehene Mitglieder der konservativen als der nationalliberalen Partei für ihre Bestrebungen zu interessiren, daß sie aber mit diesen Versuchen bisher kläglich abgefahren sind. Die konservativen Blätter — gerade so wie die ultramontanen — pflegen gelegentlich allerdings abfällige Bemerkungen über die Juden zu machen, aber sie sind doch viel zu klug, um nicht zu wissen, daß der Antisemitismus kein Boden ist, auf dem eine positive Partei sich aufbauen kann, und daß bloßer Judenhaß ein vernünftiges Programm nicht abzugeben vermag. Die Deutsche Partei bedankt sich aber erst recht dafür, in der Gesellschaft des Herrn Welcker und seiner fragwürdigen Bundesgenossen sich sehen zu lassen. Wenn es den Letzteren nicht gelingt, eine Armee aus dem Boden zu stampfen, was wir Angesichts der politischen Gereiftheit des schwäbischen Stammes stark zu bezweifeln uns erlauben, wird ihnen eine ganz erhebliche Blamage nicht erspart sein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Temesvar, 16. September. Beim Empfange der Deputationen entgegnete der Kaiser der Deputation der israelitischen Cultusgemeinden: „Mit Dank empfange Ich Ihre guten Wünsche und den Ausdruck Ihrer unverbrüchlichen Treue, indem Ich Sie auch bei dieser Gelegenheit Meiner Gnade und Meines Schutzes versichere." Türkei. Konstantinopel. Dr. Cyrus Adler schreibt von Konstantinopel an den „American Hebrew" über die Art und Weise, wie sich der hiesige Gesandte der Vereinigten Staaten, Mr. Salotnon Hirsch, mit der Sache seiner Glaubensgenossen identificirt. Er sagt u. A.: „Es wäre nicht schicklich von mir, wollte ich das Vertrauen selbst um des Lobes mißbrauchen, deßwegen kann ich hier nur darauf verweisen, daß all die großen, das Juden-