Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 76 (24.9.1891)
- Date
- 1891-09-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1447 thum bewegenden Fragen — und wir machen eben jetzt sehr schnell Geschichte — das Interesse und die Sympathie Mr. Hirsch's besitzen, sowie, daß er zu wiederholten Malen schon mit seinen Collegen in diplomatischen Kreisen, als auch mit den höchsten Staatswürdenträgern das Wohl und Wehe des Judenthums betreffende Angelegenheiten besprach. Ein Vorfall, von dem ich sofort hörte, ist in dieser Beziehung sehr bezeichnend. Während der Unruhen auf Corfu äußerte sich ein bekannter griechischer Bankier in Gegenwart mehrerer Personen, er glaube, daß die Juden Christenblut verwenden u. s. w. Der Bankier ist eine der einflußreichsten Persönlichkeiten in dieser Stadt und in der besten Gesellschaft gern gesehen. Als Mr. Hirsch von dieser Aeußerung hörte, unterrichtete er seine Freunde und Collegen über den wahren Sachverhalt der corfiotischen Begebenheiten zugleich mit der Bekanntgabe, daß er in Hinkunft es vermeiden wolle, mit dem Manne zu sprechen, geschweige überhaupt mit ihm zusammenzutreffen oder an einem Tische zu sitzen. Dieser Entschluß wurde, wie ich mit Vergnügen bemerke, von einigen Amtsgenossen Mr. Hirsch's, natürlich Christen, mit großem Beifall ausgenommen.". Amerika. Ottawa, 17. Sept. Eine Anzahl mittelloser russischer Juden ist in St. John, Neu Braunschweig, in trostlosem Zustande angelangt, aber die Regierung habe sich geweigert, dieselben unterzubringen. Nachdem die Unglücklichen aus Rußland vertrieben worden waren, hätten sie sich nach Buenos Aires begeben, von wo sie dem „Standard" zufolge angeblich zu Fuß unter fürchterlichen Leiden „durch die Wälder" nach British Guinea gezogen seien. Man habe ihnen aber auch dort nicht gestattet zu bleiben und so seien sie zuerst nach Barbadoos nnd von dort nach Canada geschickt worden. Wenn die armen Leute wirklich eine solche Reise gemacht haben, so wäre sie wohl eine der abenteuerlichsten dieser Art. Montreal. Gegen die Einwanderung mittelloser russischer Juden hat die Regierung von Kanada zu Zwangsmitteln gegriffen. Sie hat den Dampfschifffahrts-Gesellschaften angezeigt, sie werde sie für den Unterhalt hilflos russischer Juden, welche durch ihre Fahrzeuge in Canada gelandet würden, verantwortlich machen; eine Anzahl der in dieser Woche angekommenen Juden sei absolut ohne alle Geldmittel. Vermischtes. Köln, im September. Der Lehrer an der israelitischen Schule, Abraham Herrmanns, feierte am Freitag, den 14. August unter großer Theilnahme der Schule und der Lehrerschaft sein goldenes Jubiläum. Der Jubilar, welcher trotz seiner 71 Jahre noch rüstig an Körper und Geist ist, wirkt seit 34 Jahren an der Schule, welche vor etwa einem Jahrzent von der Stadt übernommen wurde, und erfreut sich der allgemeinsten Achtung und Werthschätzung der weitesten Kreise. Die Schule und besonders der Schulsaal des Jubilars waren prächtig geschmückt. Nachdem die Kinderschar den Gefeierten mit Gesang begrüßt hatte, hielt Rabbiner vr. Frank eine schwungvolle Rede religiösen Inhalts. Bürgermeister Jeste übermittelte die Glückwünsche der Stadt und überbrachte die von der Stadtverordneten-Versammlung bewilligte Ehrengabe. Schulinspektor vr. Brandenberg feierte den Jubilar als geschickten Lehrer und glücklichen Familienvater. Die Schüler, welche den Lehrer in zahlreichen Gedichten und Liedern feierten, überreichten demselben als Andenken einen prächtigen Ruheseffel. Auch die Lehrerschaft der Stadt Köln bezw. des ersten Schulaufsichtsbezirkes gaben ein schönes Bild wahrer Amtsgenossenschaft, ^indem sie durch Rektor Brünagel unter den besten Glückwünschen ein silbernes Tafelbesteck für 12 Personen überreichen ließen. Die Synagogen-Gemeinde, welche durch ihre Verwaltung vertreten war, ließ durch den Vorsitzenden des Vorstandes, I. De. Jonge, unter herzlichen Worten eine Ehrengabe überreichen. Lehrer Löb beglückwünschte den Jubilar im Namen der Lehrpersonen der Schule und gedachte dabei der mannigfachen Aenderungen, welche sich in den 34 Jahren im Vaterland in den Schulverhältnissen vollzogen halten, und sprach den jetzigen und früheren Vorgesetzten seinen Dank aus für die Umwandlung der Schule in eine städtische Anstalt. Als Andenken überreichten die Lehrer einen Blumentisch. Mit Gesang unter Leitung des Kantors Blumenthal fand das Fest seinen Abschluß. Hamburg, 15 Sept. Die Speisung der ausgewiesenen mittellosen russischen Juden findet nun in den Räumen der früheren Volksküche Schopenstehl 21 statt. Dort sieht man zur Mittagszeit Hunderte der hier anwesenden russischen Juden hinpilgern, um der Wohlthat theilhaftig zu werden, ein warmes, rituell zubereitetes Mittagessen verzehren zu können, da die knappen Mittel, über welche die meisten der unglücklichen Leute verfügen, ihnen nicht erlauben, die hier bestehenden israelitischen Speiseanstalten zu benutzen. Breslau, 16. September. Gegen den antisemitischen Amtsrichter Wie de mann, der von hiesigen Blättern u. A. auch beschuldigt wurde, pseudonyme Briefe rc. antisemitischen Inhalts an Redactionen und Privatleute zu schreiben, ist das Disziplinarverfahren nunmehr eingeleitet worden, die ersten Zeugenvernehmungen haben bereits stattgefunden. Schncidemrihl, 9. September. Auffallend groß ist jetzt aus dem Bahnhöfe die Zahl der russisch-jüdischen Vertriebenen. Durchschnittlich kommen 6—7, zuweilen sogar bis 12 mit vielen Gestalten des Elends dichtgefüllte Waggons hier durch. — In unserer Stadt hat sich ein Comitö gebildet, welches diese Auswanderer mit Brod und Thee versorgt; mit wahrer Gier stürzten sich die Aermsten auf das Brot, welches sie in gleichen Portionen empfangen. Briefkasten der Redaction. Auf mehrfache Anfragen: Der jüngste an uns gerichtete Brief des SecretärS des Herrn Baron v. Hirsch war Schloß Eichhorn bei Brünn in Mähren datirt. Ob sich Herr v. Hirsch heute noch daselbst aufhält, ist uns nicht bekannt. Herrn L. G. E. in Höchberg. Wir sind selbstredend mit Vergnügen bereit, zum Zweck der Enthebung von Gratulationen yyiT) n"“! ty eine Rubrik zu eröffnen und den Abdruck der Namen kostenfrei zu bewerkstelligen, wenn dafür für die Armen des hl. Landes ein Minimalbetrag von 3 Mk. gespendet wird. Diese Idee wurde ja auch bereits im Vorjahre in diesen Blättern angeregt und auch damals schon vielfach zur Ausführung gebracht. D. M. in N. Zur Aufnahme nicht geeignet. Briefkasten der Expedition. Ungenannt in Eich. Erhalten. Besten Dank. L. v. G. in Holland. Erhalten 24 Mk.