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Der Israelit · 1891-09-24 · Heft 76 (24.9.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 76 (24.9.1891)
Date
1891-09-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1444 ein anderer, frisch und fröhlich strahlten ihre dunkelglühenden Augen in die Welt hinein, die sie ausschließlich von ihrer schönsten, glänzendsten Seite kannte. Als Rabbi Juda sich verheirathet, hatte er den gemeinschaftlichen Haushalt mit seiner Schwester ausgegeben, seine Wohnung war jedoch nur wenige Schritte von der ihren entfernt, tagtäglich kamen beide Familien zusammen. Baruch und Jakob hatten von Jugend auf mit ihrer Cousine Ttrza wie mit einer Schwester verkehrt und sie als solche geliebt, doch je mehr sie heranwuchsen, desto mehr wandelte sich Baruch's ehedem kühle, geschwisterliche Neigung für das kleine, lebhafte Mädchen in tiefe, leidenschaftliche Liebe für die zur holden Jungfrau Herangereifte. Auch Tirza sah den Vetter gern und als sie ihr sechzehntes Jahr vollendet hatte, fand die förmliche Verlobung der Liebenden statt und einige Monate später sollte ihre Vermählung vollzogen werden. Mit glühender Sehnsucht sah Baruch diesem Zeitpunkt entgegen; inzwischen verbrachte er jede freie Minute im Hause seiner Braut, und da er besorgte, daß ihre Eltern seine allzuhäusige Anwesenheit belästigend finden könnten, so bat er ihren Vater, öfters mit ihm zu lernen. Dazu war Rabbi Juda jeder Zeit bereit, und gewährte es ihm eine besondere Wonne, denjenigen zu unterrichten, der demnächst sein Sohn sein werde. Baruch hatte einen Hellen Kopf und ein ausgezeichnetes Gedächtniß, von Jugend aus hatte er den Talmud studtrt, und konnte es in dieser Beziehung mit den meisten seiner Altersgenossen aufnehmen. In allerneuefter Zeit jedoch hatte seine Aufmerksamkeit beim Studium des Talmud sehr gelitten. Kopfschüttelnd hatte Rabbi Juda bereits manche mißbilligende Bemerkung darüber gemacht. „Baruch, mein Sohn, mit getheiltem Kopf kann man nicht lernen, oder wenn Du lieber mit Deiner Braut plaudern willst, weßhalb schlägst Du die Gemoroh auf? — freilich, Tirza hat nicht immer Zeit." Allein der junge Mann, so innig er seine Braut liebte, so war doch seine Liebe zu ihr nicht Schuld an seiner mangelhaften Aufmerksamkeit beim Lernen. Im Gegentheil, seine Liebe zu ihr hatte seinen Eifer zum Lernen stets verdoppelt, denn wenn er oft in ihrer Gegenwart im Eifer des Disputes mit ihrem Vater sein schönes Wissen und seinen Scharfsinn geltend zu machen wußte und ihm der Onkel die verdiente Anerkennung freudig ausgesprochen hatte, dann hatte er Tirza oft erröthen sehen und ihr wärmerer Händedruck beim Abschied hatte ihn jedesmal belohnt. Es war nicht die Liebe zu Tirza, die ihn im Lernen störte, es war ein anderes — ungleich anderes. Seltsame Berichte waren in jüngster Zeit aus dem fernen Osten in die holländische Hauptstadt gedrungen. Briefe aus Smyrna, aus Jerusalem, aus Alexandrien und aus noch mehreren der bedeutendsten Städte des Orients waren an die hervorragendsten Rabbinen Amsterdams gelangt und alle verkündeten in nahezu berückender Einstimmigkeit die nahe bevorstehende Erlösung der Juden, die Nähe des Messiasreiches. Eine furchtbare Aufregung hatte sich der Gesammtjudenheit bemächtigt. Was man seit so vielen Jahrhunderten mit glühender Sehnsucht erhofft und was die Einsichtsvolleren noch als das weit entfernte Ziel ihrer glühendsten Sehnsucht erhofften, — das sollte bereits in nächster Zukunft bevorstehend — Selbst die weniger Klugen fanden es im ersten Moment nicht glaublich. (Fortsetzung folgt.) „SßMctit* und „Jeschurun* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig ober vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel pt bestehen bei Cf. L. Steinackrr, Leipzig, Doßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaktene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland mck Oesterroich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland iS Reichs-Mark, an die Expedition franco «inxustnd«,. Inhalt <Ha«ptblatt) : Leitender Artikel: Sprüche der Väter. (Fortges. von Liepm. PH. Pr ins, Frankfurt a. M.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. Galgocz. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Amerika: Philadelphia. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung.) Inhalt -er ersten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondeuzeu: Deutschland: Bielefeld. Breslau. Danzig. Ulm. — Oester.-Ungar. Monarchie: Temesvar. — Türkei: Konstantinopel. — Amerika: Ottawa. Montreal. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Eibenstock. — Oesterr.- Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Anhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Gratis-Beilage: Israelitischer Wand-Kalender für das Jahr 5652 (1891/92). Verantwortliche Rebaction: OScarLehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit" n. „Jeschurun", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt h'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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