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Der Israelit · 1891-09-24 · Heft 76 (24.9.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 76 (24.9.1891)
Date
1891-09-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1442 ) mit absoluter Stimmenmehrheit gewählt worden ist- Hch. Hl. Cöthen i. Anh, 10. Sept. Vor einigen Tagen, als der Kaufmann Julius Frank in dem nahen Städtchen Radegast Abends vor seinem Hause saß, wurde er plötzlich vom Schlage gerührt. Seine Frau, selbst halb todt vor Schreck, rief um Hilfe; wohl hörten die braven Nachbarn die Hilferufe; aber denselben Folge zu leisten, fiel den Leuten gar nicht ein. Der zitternden Frau blieb nichts Anderes übrig, als allein, mit Hilfe ihrer Kinder, den schweren Mann in das Haus zu tragen. Julius Frank war der einzige Jude in Radegast; daher diese echt christliche Hilfsbereitwilligkeit seiner Mitbürger. Auch als der Leichnam des Mannes nach Cöthen tranSportirt werden sollte, fand sich unter den Radegastern Niemand, der ihm den letzten Dienst und die letzte Ehre zu erzeigen bereit gewesen wäre. Der Führer des Leichenwagens mußte mit Hand anlegen, um den Sarg auf den Leichenwagen zu heben, und von all den christlichen Radegastern, mit denen der Verstorbene zu seinen Lebzeiten für das Wohl der Stadt gemeinsam, oft bis in die späte Nacht, gearbeitet hatte, fand eS Keiner für paffend, ihm auf seinem letzten Wege auch nur eine Strecke weit das Geleite zu geben. Wenn es aber Sammlungen für wohlthätige Zwecke galt oder Arbeiten für das Gemeinwohl, da wußte man den Juden Frank zu finden, und dieser hat nie gezautert, seinen Beitrag zu zahlen, seine Zeit und Mühe zu opfern, und als es nach den bekannten Betrügereien des Bürgermeisters Conrad in Radegast, einer Säule der antifreisinnigen Parteien, sich darum handelte, in die Bücher des Vorschußvereins wieder Ordnung zu bringen, nachdem Conrad durch eigene Hand geendet und seine Frau und seinen Schwiegervater ebenfalls in den Tod getrieben hatte, da war es der Jude Julius Frank, der, in den Vorstand des Vorschußvereins gewählt, mit der schwierigen Aufgabe betraut wurde. — Erwähnt fei noch, daß Julius Frank ein durchaus ehrenwerther Mann war, der niemals Jemanden zu nahe getreten ist, seine zahlreiche Familie, acht Kinder, mit Ehren durchgebracht hat und keine Schulden hinterläßt. Seine Kinder hatten in der Schule gleichwohl von ihren christlichen Mitschülern durch Verhöhnungen und Schimpfreden viel zu leiden; die Lehrer haben aber, so scheint es, nie davon etwas erfahren. Ein Einwohner von Radegast, der sicherlich verlangt, zu den anständigen Leuten gezählt zu werden, hat zum Dr. Friedrich geäußert: „Den Juden Frank habe ich liegen sehen; er war schon halbtodt; aber ihn anzufafsen, habe ich mich gehütet." — Ist das nicht echt christlich? — Wenn die vorstehend mitgetheilten Ereignisse nicht von den Mitgliedern der Familie Frank, die alsbald nach Berlin überzusiedeln gedenkt, verbürgt worden wären, würden wir diese Vorkommnisse kaum für glaublich gehalten haben, obgleich Radegast und Umgebung den Beinamen „die schwarze Ecke in Anhalt" sich schon längst erworben hat. Aus Baden. Aus der Statistik der badischen Mittelschulen ist zu entnehmen, daß die Gymnasien und Progymnasien des Großherzogthums im abgelaufenen Schuljahre 2174 kathol. (2214 im Vorjahre) 2188 evangelische (2168 im Vorjahre) 403 israelitische (441 im Vorjahre, als Abnahme um 38) Schüler hatten. In der Gesammtzahl der Gymnasialschüler sind45,5 kath. 45,8 evangelisch 8,5 israelitisch und 0,2 Proz. sonstige. Es kommt je ein Schüler der betreffenden Confession auf 482 Katholiken, 272 Evangelische und 66 Israeliten. Von den Abiturienten, welche sich der Theologie widmeten, kommen auf die kath. Confession 70, auf die evangelische 25 uud auf die israelitische 1. Die Realgymnasien und Realprogymnasien hatten im verflossenen Schuljahre inSgesammt 404 kathol. 632 evangelische und 142 israelitische (141 im Vorjahre). Der Bestand ist hier im Wesentlichen gleich geblieben. Nach Prozenten sind es 34,2°/0 kath. 53,5% evangel. und 12% israelitisch 0,3% sonstige. Die lateinlosen siebenklassigen Realschulen von Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim und Pforzheim zählten 1005 kath. 1417 evang. und 333 israel. (315 im Vorjahre). Wie im Allgemeinen zeigt sich auch bei den Israeliten, in den Gymnasien eine Abnahme, in den Realschulen eine Zunahme. München. Zu Handelsrichtern wurden ernannt die Herren: Moritz Guggenheimer, Joh. Klöpfer, Benjamin Lismann, Karl Maison, Gustav Himmer, Rom. Oberhummer, Karl Schöpping, Louis Weinmann, Karl Floßmann, August Würzburger, Louis Reichenberger, sammttiche von hier. historische Erzählung abbatat von Akvnsk Schmsvx. (Fortsetzung.) „Sennora!" Sie hatte sich hoch aufgerichtet und sah den Mann in ihrer stolzen Weise finster an. „Was gtbt's? — was willst Du?" „Verzeiht, Sennora!" stammelte er, „es ist ein Bote angekommen — er verlangt den Sennor Juantto zu sprechen." Er sah bei diesen Worten bittend auf den Bruder seiner Herrin. „Ich komme," sagte dieser und schien im Begriffe das Zimmer zu verlassen. Aber Jsabella, von plötzlicher Sinnenverwirrung erfaßt, hielt ihn mit Gewalt zurück. „Nicht! — nicht! — gehe nicht hinaus," stammelte sie, „man wird Dich verhaften! — man wird —" „Aber Jsabella, ich bitte Dich — was könnte man mir anhaben? — Es ist nur Einer draußen, der mich sprechen will?" „Es sind mehrere," erwiederte der Diener in peinlichster Verlegenheit, „Sennor — ich bittesehr—" „Lasse mich, Jsabella," sagte Juantto, sich sanft von ihr losmachend, „ich bin sofort wieder hier." Er hatte rasch das Zimmer verlassen, mit lautem Angstschrei stürzte sie ihm nach, aber der Diener vertrat ihr den Weg. „Sennora!" sagte er flehend, „ich schwöre Euch, Eurem Bruder droht keinerlei Gefahr." Aber sie ließ sich nicht zurückhalten, mit Gewalt stieß sie den Diener zur Seite und eilte hinaus

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