Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 76 (24.9.1891)
- Date
- 1891-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1440 haben. Die Mittel dazu mußten aus der fast leeren Gemeindekasse bestritten werden. Das Elend hat sich aber verschlimmert, indem ein Erlaß seitens der hohen Pforte den russischen Israeliten die Einwanderung in Palästina und Syrien verbietet. Die Ausschiffung in Jaffa wurde denselben nur mit der Weisung gestattet, daß sie sofort unter polizeilicher Eskorte nach Jerusalem reisten, wo sie unter unserer Garantie, Palästina — bet Vermeidung der Extermination seitens der Behörde — freiwillig wieder zu verlassen, einige Wochen bleiben durften. „Späterhin wurde noch grausamer vorgegangen, indem die nach Jaffa angelangten Israeliten russischer Nationalität weder das Schiff verlassen noch landen dursten. Der Schiffskapitän ließ sie gewaltsamer Weise in die kleinen Boote bringen, so daß sie den ganzen Tag auf offener See in der glühenden Sonnenhitze herumsahren mußten; erst, nachdem wir für sie Karten für die Rückreise gekauft batten, wurden sie von dem Kapitän wieder am Bord des Dampfers ausgenommen. „In der ersten Zeit haben die hies. Vertreter der „Alliance Jsraölite" und des Vereins „Lemaan Zion" mit uns gemeinschaftlich die nöthigen Geldmittel hergegeben, jetzt haben diese sich zurückgezogen, so daß Hunderten zur Extermination verurteilten hier und in Jaffa vorhandenen russisch-jüdische Familien uns alleinig zur Last gefallen sind. „Was sollen wir beginnen? Woher die Mittel zur Rückreise nehmen? Die Localbehörde drängt tagtäglich, daß wir unsere Pflicht erfüllen und die unglücklichen russischen Emigranten aus Palästina fortschaffen sollen. Unsere Kaffe ist nicht nur geleert, sondern völlig verschuldet; wir mußten eine Summe von circa 20,000 Francs leihweise aufnehmen. „In Thränen vergehen unsere Augen, daß wir in der letzten Woche die berechtigten Ansprüche der Emigranten, als auch der vielen hiesigen von Hunger gepeinigten Armen, Wittwen und Waisen nicht erfüllen konnten. Wir bitten wiederholt, alles Mögliche zur Veranstaltung einer für diesen Zweck speziell zu bestimmenden außerordentlichen Sammlung zu thun. .'i ihöVo» njn ov:j bi bx Das Local-Comitö der vereinigten israelitischen Aschkenasim-Gememden: Samuel S-alant, Oberrabbiner. Joseph Riw lin Melech Perlmann." Berlin. Der Regierungsbaumeister Siegfried Neumann ist zum städtischen Baumeister ernannt worden, nachdem derselbe seine praktische Tüchtigkeit durch einige öffentliche Schulbauten bewiesen hatte. Der erste Director, der die Einnahmen der Festvorstellung am Körner-Tage — 23. d. M. dem für die Dichter Arndt, Körner 2c. geplanten Denkmale bestimmt hat, ist Herr Barnay, der Director des Berliner Theaters. Ein antisemitisches Blatt fordert zur Nacheiferung auf. Oefterr. - Ungar. Mo n a r ch i e. Pefth. Im Hotel „Erzherzog Stefan" hat eine Conferenz ung. Schriftsteller und Künstler stattgefunden, in welcher der Beschluß gefaßt wurde zu Gunsten der russischen Juden ein Album mit Beiträgen der hervorragendsten Schriftsteller und Künstler herauszugeben. In das Redactionscomitv wurden gewählt: Bela Miljath, Alex Benedek, Carl Gero, Johann Hock, Joseph Hevesi, Ernst Mezei, Viktor Rakosi, Anton Varondy, Joseph Veßi, Wilhelm Vazsonyi, Moritz Gellert (letzterer als Präses der Verlagskommission). Das Comite repräsentirt in seiner Zusammensetzung die Elite der ungarischen Schriftstellerwelt in allen Parteien und Schattirungen. Galgoez (Freistadl) an der Waag, 15. Sept. Anläßlich der Herbstmanöver, die in der vergangenen Woche hier stattfanden, weilte auch unser geliebter König m» in unserer Stadt. Während einer Gefechtsübung kam nun Se. Majestät auch nach dem Dorfe Gellenfalu, wo der in unserer Gegend allgemein bekannte jüdische Pächter, Herr Jelinek, wohnt. Der König stattete demselben einen Besuch ab, fand aber dort schon die erlauchten Herren Erzherzoge Albr echt Friedrich und Josef August, (Letzterer ist der Sohn des Erzherzogs Josef) vor. Se Majestät und die Herren Erzherzoge unterhielten sich in der leutseligsten Weise mit dem Hausherrn, den sie seines leidenden Aussehens wegen auch um seine Krankheit befragten. Erzherzog Josef August, der unterdessen Hunger bekam, ließ sich in diesem jüdischen Hause ein Butterbrod streichen. Rußland. Petersburg, 12. Sept. Die „Pet. Ztg." entnimmt der „Ruff. Sh.", daß der dirtgende Senat kürzlich die prinzipiell wichtige Entscheidung getroffen hat, daß die Kinder und Frauen von jüdischen Kaufleutcn 1. Gilde, wenn letztere 10 Jahre an einem Orte die Gildensteuer entrichtet haben, auch wenn derselbe außerhalb des Rayons des jüdischen Ansiedelungsrechts liegt, desgleichen das Wohnsitzrecht, sowie das Recht auf Jnmobilienbesitz in diesen Städten erwerben. Die am 16. dieses Monats in Wien angekommenen ausgewiesenen Juden stammen, dem „Fremden-Blatt" zufolge, aus dem Gouvernement Podolsk, woselbst sie als Landwirthe, Pächter, Krämer ansässig waren und sich zumeist eines gewissen Wohlstandes erfreuten. Bor fünf Wochen