Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 76 (24.9.1891)
- Date
- 1891-09-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1439 Augen jener, welche eindringen wollen in die göttliche Lehre — in dieser Mtschna-Ordnung werden sie erleuchtet, werden sie unterrichtet über hdn und IN'.I. — nyV moiy nnnis 'i rwi' „Die Gottesfurcht ist rein, ist bleibend für die Ewigkeit" nnr» vjd m. Das ist die Ordnung Thaaroth mnta^nNDiö 72 «cnsöff. Die Reinheit des Körpers führt zur Reinheit der Seele. Reinheit der Seele leitet zur Gottesfurcht. — Alle Vorschriften über die Reinhaltung des Hauses, der Gefäße, Speise und Trank, die Reinhaltung des Körpers werden in nun» tjd uns gelehrt. inn' ipiy nDN 'i ’ödpd „Die Rechtsordnungen Gottes sind Wahrheit, sind allseitig gerecht" hd m VpM. Das ist die Ordnung Nesikin pann bj 12 vrw. — Aus dieser Mischna-Abtheilung lernen wir, daß die Rechtsordnungen Gottes Wahrheit sind. Nur die Entscheidungen über Fälle der letztgenannten Art sind dem Richter überlassen. — Der riKTin m« ist die Autorität, welche Fragen bezüglich der ersten fünsvniv zu beurtheilen hat. Ein schönes Bild der rutPD und des damit verbundenen Talmuds finden wir in derselben Midrasch-Sammlung Psalm CIV. — Der Talmud gleiche dem großen und weiten Meere, in dem jeder Tropfen von dem immer lebenden Worte Gottes zeuge. pVir nva« vv Dort ziehen Schiffe hin, welche sich nach den verschiedenen Weltgegenden bewegen. — Während das eine Schiff nach Norden segelt, fährt das andere nach Süden. So spricht im Talmudmeere ein Gelehrter seine Meinung aus ganz in der entgegengesetzten Richtung der Meinung des Anderen. Beide wollen das Ufer der Wahrheit erreichen und ringen mit den Wogen der Tradition und den Prinzipien, mit denen das Gotteswort erklärt und überliefert wird und erst nach vielen Kämpfen mit den Elementen, nach scharfen Discussionen, gelangt man zum gewünschten Ziele. — Nicht Steuermann, wie man doch vermuthen sollte, nennt der Talmud den Führer dieser Schiffe, sondern NDli^v tys Meister, Ritter des Streites. Nicht berechtigt ist der Führer, das Schiff nach einem ihm beliebenden Hafen zu führen; er hat vorschriftsgemäß den Streit auf dem Meere auszufechten. ruyon VT3 'D3 7ND bw nnon^o «ir.D nn« (.42a pnnJD) mrw bw „Nur jener kann über diesen Streit urtheilen, mitstreiten, welcher ganze Bündel der Tradition in sich ausgenommen", wozu Raschi commeuttrt: ni2v bvy\ iiinvi Dito ab keine eigene Meinung darf er geltend machen; keine Sophismen, keine Klügeleien Vorbringen. Ja, wenn R. Jsmael in unserer Zeit leben würde, würde er vielleicht sagen, daß die Waffen, womit der Thora Streit zu führen sei, aus den Arsenalen und Zeughäusern seiner (R. Jsmaels) Zeit geholt werden müssen, und daß die leichteren Waffen unserer Zeit — die abgekürzten Halachabücher — in diesem Streite nicht benützt werden dürfen. b d hu 'v'2.12 unziN vb in „Dann werde ich nicht beschämt werden, wenn ich in alle Deine Gebote schaue", sage sich jeder nniin .11« (Siehe nyi mv zu cid« 1* (XLVIII), bevor er ein Urtheil über eine Halacha ausspricht. Aber mancher glaubt, da es eine Schule Schamai's und eine Schule Hillel's gibt, — die eine erschwerend, die andere erleichternd — man sei berechtigt nach beiden Richtungen zu laviren, nach Belieben sich den Namen eines i'vnv oder eines bvo eines erschwerenden oder eines erleichternden anzueignen — von dem spricht der Talmud 'ww rva Hipv (6 b i»awy) Wn rra ’^poi. Wer die erleichternden Entscheidungen von beiden predigt Mi, ist ein Gesetzloser. &.i rva 'imnm KD» m noino. Wer die erschwerenden Entscheidungen von beiden predigt 1^.1 Mni idin airon vty er ist ein Unbesonnener, und zu jenen nicht genügenden Gelehrten spricht der Meister unseres Spruches: .NN d:h Ml n»w ntoinn ub ojn Wer die Entscheidung als beliebige Gewohnheitssache betrachtet, ist ein Unbesonnener oder ein Bösewicht, jedenfalls ein Hochmüthiger. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresporrderrze«. Deutschland. Mainz, 22. September. Wir erhalten unter dem 9. Ellul nachstehendes Schreiben vom Central- Comitö der vereinigten Israel. Aschkenastm-Gemeinden in Jerusalem: „Das unsere russischen Glaubensgenossen so hart getroffene Schicksal zwingt uns, die Lage derselben in der h. Stadt und in Palästina überhaupt in Ihrem geschätzten Blatte des Näheren auseinanderzusetzen. „Zahlreiche aus dem Czarenreiche vertriebene Söhne Israels, Männer und Frauen mit Kindern jeglichen Alters'-nahmen ihre Zuflucht zum heiligen Lande, wo sie ihren dauernden Wohnsitz zu nehmen gedachten. Entblößt von Allem, betraten sie den Boden Palästinas.Die Pflicht gebot uns, den so schwer heimgesuchten Glaubensbrüdern in ihrer schrecklichen Nothlage einigermaßen dadurch Linderung zu verschaffen, daß wir für Unterkunft gesorgt, den Handwerkern unter ihnen Werkzeuge angeschafft und überhaupt alles zu ihrer vorläufigen Existenz Erforderliche gethan