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Der Israelit · 1891-09-21 · Heft 75 (21.9.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 75 (21.9.1891)
Date
1891-09-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1431 „Antlsemrtenspiegel" betgebrachten Gründe gegen die Agitation der Antisemiten zum Frieden im Reiche beitragen möchten. Daß der gesunde Sinn der deutschen Bevölkerung auch einer mit den stärksten Mitteln und einem beispiellosen Kraftaufwand betriebenen Agitation gegenüber Stand hält und das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigt, wenn die Gegner der Antisemiten auch nur einigermaßen ihre Schuldigkeit thun, das hat die Nachwahl in Kassel übergenug bewiesen. Sie ist nach allen Richtungen hin lehrreich, und man sollte nicht versäumen, die praktischen Konsequenzen daraus zu ziehen. ‘ Leipzig, 9. Sept. Einige hiesige Antisenliten hatten sich kürzlich bemüßigt gesehen, auf Grund der Ahlwardt'schen Broschüre: „Der Verzwetflungskampf der arischen Völker mit dem Judenthum" bei der Berliner Staatsanwaltschaft eine Denunziation gegen den Geh. Kommerzienrath v. Bleichröder einzureichen, weil dieser sich nach Ahlwardt in einer Ehebruchssache eines wissentlichen Meineides schuldig gemacht haben soll. Darauf ist neuerdings von der Berliner Staatsanwaltschaft die Antwort eingegangen, daß man sich bereits früher mit der erwähnten Angelegenheit befaßt, aber keinen Anlaß gefunden habe, gegen Herrn v. Bleichröder einzuschreiten. Auch die neuerdings von Leipzig aus erstattete Anzeige könne an diesem Entschlüsse nichts ändern. Im Königreich Sachsen hat das Ministerium des Innern dem Landeskulturrath den Entwurf folgender Verordnung über das Betäuben der Schlachtthiere zur gutachtlichen Aussprache zugehen lassen: „Vom 1. Januar 1892 an muß beim Schlachten alles Schlachtviehes der Blutentziehung die Betäubung vorausgehen. Ausgenommen bleiben Schlachtungen, welche nach jüdischem Ritus durch Schächten vorgenommen werden, sowie die wegen Unglücksfälle und plötzlicher Erkrankung nothwendig gewordenen Notschlachtungen." In den weiteren Paragraphen werden alsdann die Arten der Betäubungen bei den verschiedenen Thiergattungen angegeben, sowie empfohlen, daß die Ortsbehörden den Schlächtern ihrer Gemeinden Gelegenheit geben, die verschiedenen Betäubungsarten und Instrumente kennen zu lernen. Der Ausschuß des Landeskulturrathes hat sich völlig zustimmend zu dieser Verordnung ausgesprochen. Aus Württemberg, 5. Sept. Der „Ulmer Schnellpost" hat sich ein weiteres „Amtsblatt" angeschlossen, das den Antisemitismus kultivirt, die „Gerstetter Alb-Zeitung". Man wird erstaunt fragen, woher diese Blätter, die sonst ängstlich nach oben sehen, den Muth zu ihrem „selbstständigen" Auftreten nehmen. Sie können doch nicht der Meinung sein, daß die Regierung ein solches Gebühren billige. Wenn freilich das kgl. evang. Konsistorium den Antisemitismus dadurch indirekt fördert, daß es die Schrift eines Lehrers prämiirt, die von gehässigen Ausfällen gegen die Juden wimmelt, könnte sich allerdings die Anschauung verbreiten, daß man oben ein Bischen Antisemitismus gerne sehe. Die genannte kirchliche Behörde hat einen Aufsatz des Schullehrers Kölze-Heilbronn „über die allgemeine Volksschule oder Einheitsschule" mit dem ersten Preise bedacht; der „Beobachter" theilt eine Anzahl Stellen aus dem Schriftstück mit, die sich in Nichts von den Tiraden der antisemitischen Hetzpresfe unterscheiden. Wir kennen den Werth des Schriftchens nicht, gönnen auch von Herzen Herrn Közle seinen Preis, meinen aber doch, das Konsistorium hätte Anlaß gehabt, festzustellen, daß es den Antisemitismus des Heilbronner Lehrers nicht mitprämiirt. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 11. Sept. Jn Wolo czysk verwehrten die österreichischen Grenzbehörden vierzig jüdischen Emigranten aus Rußland den Uebertritt auf österreichisches Gebiet. Nach längeren Unterhandlungen wurden die russischen Gendarmen, welche die Rückkehr der Auswanderer auch nicht mehr gestatten wollten, zur Nachgiebigkeit gezwungen, drohten jedoch, mit dem nächsten Personenzuge die Auswanderer wieder nach Oesterreich expediren zu wollen. Wien, 17. Sept. Gestern hier angekommene 60 russische Juden wurden durch die „Alliance Jsraelite", welche ihnen Verpflegung gewährte und Reisemittel vorstreckte, aus dem Gemeindearrest befreit. Sie zogen heute Abend in Begleitung zweier Wachmänner zum Nordbahnhofe und fuhren zunächst nach Oswieczim ab. Aus Kuttenberg in Böhmen wird der „Laubhütte" geschrieben: Auf eine etwas eigentümliche Art hat es der hiesige Cultusvorstand für gut befunden, feinen Loyalitätsgefühlen anläßlich des Geburtsfestes unseres allergnädigsten Monarchen Ausdruck zu geben. Obzwar der Verein seinen Tempel, Religionsweiser und Cantor besitzt, wurde doch ohne Grund von der Veranstaltung eines Festgottesdienstes abgesehen; dafür betheiligte sich aber der gesamnite Cultusvorstand an dem Hochamte in der kathol. Kirche. Auf welche Art derselbe dort seine Andacht verrichtete und mit welchen Blicken er von den kathol. Andächtigen betrachtet wurde, das zu beurtheilen, sei jedem Einzelnen überlassen. Wie kommen aber die jüdischen Gcmeindemitglteder, deren Herzen auch von Patriotismus erglühen, dazu, daß ihnen die Gelegenheit entzogen wird, ihren heiligen Pflichten gegen den Monarchen nachzukommen? Sollen sie vielleicht auch der Messe beiwohnen? Dann entsteht wohl die Frage, wozu denn alle Opfer

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