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Der Israelit · 1891-09-21 · Heft 75 (21.9.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 75 (21.9.1891)
Date
1891-09-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1425 die Auswanderungsziele sind überfüllt von Ausgewanderten, welche von allen Punkten der Russisch- Preußischen und Russisch - Oesterreichtschen Grenze denselben zugeströmt sind und kein Unterkommen mehr finden können. Von allen Seiten sucht man jetzt den Strom zurückzudämmcn, was freilich viel leichter angeordnet als vollsührt, viel leichter gesagt als gethan ist. Die Delegirten des Deutschen Central- Comitäs bereisen die Grenze, um den Unterstützungs¬ und StchtungscomitL's in dem überaus schwierigen Werke der Zurückbeförderung beizustehen. Der Herr Rentier Simmel aus Berlin, welcher zu diesem Zwecke hierhergekommen war, hatte kaum unseren Ort verlassen, da war auch schon ein anderer Mann, von Eydtkuhnen kommend, hier angelangt, um sich an dem Werke zu betheiligen und dem hiesigen Comite die Richtung und Ordnung anzugeben, wonach gegenwärtig Verfahren werden müsse. Herr Rabbiner Dr. Bloch aus Jarotschin, so ist der Name des Mannes, weilt nun schon seit Dienstag Abend an unserem Orte und hat in Gemeinschaft mit dem hiesigen Comittz sein Möglichstes gethan, um die hülfesuchenden Auswanderer mit Gewährung angemessener Unterstützungen zur Rückkehr zu bewegen. Das Verfahren des genannten Mannes verdient alle Beachtung und Hochachtung. Mit größter Geduld. Milde und Beredsamkeit sucht er einen Jeden zu überzeugen, daß die Rückkehr zur Russischen Heimath vorläufig für ihn das beste sei, daß, wie die Dinge gegenwärtig liegen, der Auswanderer nur In's Verderben renne, da er nirgends Beschäftigung, Unterstützung und dauernden Aufenthalt finden werde; in den allermeisten Fällen gelingt es auch, den Auswanderer zu bestimmen, die Vorschläge des Comites anzunehmen. Herr Dr. Bloch hat während seines Hierseins durch freundliches, rücksichtsvolles Wesen, durch Mildherzigkeit und Unermüdlichkeit in der Behandlung und Berathnng seiner hülfesuchenden Glaubensgenossen sich die Achtung und Zuneigung der hiesigen Comit«- mitglieder in hohem Grade zu erwerben gewußt. Weißenburg (Elsaß), 17.Sept. Die Ihnen von hier berichtete Mittheilung bezüglich Aufstellung einer Orgel in der hiesigen Synagoge beruht aus Unwahrheit. Es war noch nie die Rede davon, eine Orgel in unser Gotteshaus einzusühren. Henry Cers, Vorstand der isr. Gemeinde. Eine andere an uns ergangene Zuschrift lautet: Die Orgelfrage ist bis heute in unserer Gemeinde nicht zur Sprache gekommen, und weder Herr Eerf noch sonst Jemand fand sich daher veranlaßt, für oder gegen Einführung einer Orgel sich auszusprechen. M. Levy, Rabbiner. (Die betr. Mittheilung ging uns von sonst zuverlässiger, hochachtbarer Seite zu. Red.) Oester r. - Ungar. Mo n a r ch i e. Wien, 12. Sept. Gegen den bekannten antisemitischen Agitator Abg. Mechaniker Schn eide r wird abermals eine schwere Beschuldigung erhoben. Bekanntlich stand dieser Mann an der Spitze des nunmehr behördlich aufgelösten reaktionären Wiener Gewerbegenossenschaftstages. Eine große Anzahl von Kleingewerbetreibenden hat nun an die Statthalterei eine Eingabe gerichtet, worin die Behauptung aufgestellt wird, daß die Genossenfchaftsgelder vielfach für mehr oder minder abseits liegende agitatorische Zwecke verausgabt wurden und eine detaillirte Berechnung niemals stattgefunden habe. Mit einer deutlichen Spitze gegen Schneider wird in der betreffenden Eingabe hervorgehoben, daß es unzulässig sei, daß Personen, welche scheinbar ein Gewerbe betreiben und sich ausschließlich mit politischen Agitationen, angeblich im Interesse der gewerblichen Genossenschaften, befassen, ihren Lebensunterhalt aus den Mitteln der Genossenschaften suchen und finden. Trotz mehrmaliger Aufforderung habe sich Schneider bisher noch nicht veranlaßt gesehen, über die Art der Verwendung der ihm aus dem Genossenschaftsvermögen zur Verfügung gestellten Geldmittel (22,000 Gulden) Rechenschaft abzulegen und dränge sich überhaupt bei eingehender Beobachtung der Lebensweise Schneidens die Frage auf, woher dieser Mann seinen Lebensunterhalt nehme. Rußland. Petersburg. Arnold White, der Vertrauensmann des Baron Hirsch, hat dem Pariser Correspondenten des Bureau Reuter mitgetheilt, daß immer schärfer gegen die Juden in Rußland vorgegangen werde. Leute der ärmsten Klasse werden vertrieben, Eltern von ihren Kindern getrennt, wobei viele zu Grunde gingen. Zahlreiche Christen hätten beigesteuert , um die Ausgewiesenen zu unterstützen. Baron Hirsch habe bereits der russischen Regierung vorgeschlagen, die Ausführung der von ihr beschlossenen Zwangsausweisungen auf eine Reihe von Jahren, etwa 25, auszudehnen und dieser Vorschlag sei im Princip angenommen worden. Aehnliches habe er, White in Kopenhagen beim Zaren erreichen wollen, aber er habe keine Audienz bei demselben erhalten. Es scheine, als ob die Maßregeln gegen die Juden noch verschärft werden sollen — trotz des bevorstehenden Winters. Berichtigung. Die Corresp. Antwerpen wurde irrthüml. unter Holland, statt unter Belgien gestellt._ > Vermischtes. Dresden. iJm August feierte Deutschland den 70. Geburtstag eines seiner besten und edelsten Geister der Gegenwart, des Dichter-Philosophen Hieronymus Lorm. Mit Stolz konnten die Juden Theil an dieser Festesstimmung nehmen, denn der Jubilar ist einer der Ihrigen.

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