Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 75 (21.9.1891)
- Date
- 1891-09-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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zu treten, „war so groß, daß eine Anzahl Pastoren von Rheinland und Westfalen zu seiner Besoldung 1 pCt. ihres Gehalts beisteuerten". Herr De le Roi erzählt, daß Kalthoff mit nie ruhendem Eifer unter den Juden gearbeitet habe und es ihm von diesen vielfach gestattet worden sei, „zu ihnen in der Synagoge zu sprechen, einmal sogar am Vorabende des Versöhnungstages". Wir bedauern es sehr, daß Herr De le Roi vergessen hat, die jüdischen Gemeinden namentlich mitzutheilen, welche diese Erlaubniß ertheilt haben. Sein Wort in Ehren, aber es wäre doch gar zu interessant, diese gesinnungstüchtigen Gemeinden zu kennen, insbesondere die herrliche, welche am Jom-Kippur einen Mkssionspredtger mit der Predigt beauftragt. Die Gesellschaft hat eine jährliche Einnahme von 14,000 Mark. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., IO. Sept, Sie veröffentlichten in Nr. 70 die Copte eines an Herrn I. Berlinger in Stuttgart von seinem in Mexiko wohnenden Bruder gerichteten Briefes. Zu der Lösung der brennenden Frage, wohin mit unseren von Haus und Herd vertriebenen russischen Brüdern, die unmöglich alle in Argentinien sc. Unterkunft und gedeihliches Fortkommen finden können, wird darin ein weiterer sehr, bemerkenswerther Vorschlag gemacht. Ein Land, und sei es noch so groß, seine Regierung noch so human, darin begegnen sich alle Stimmen, kann die Masse der zur Auswanderung aus Rußland Gezwungenen unmöglich aufnehmen. Vertheilung auf mehrere Länder ist, wie Herr Hirsch in Hannover in mehreren Artikeln Ihres gesch. Blattes mit Recht meint, das einzige Richtige. — Wenn die Regierung von Mexico in eigenem Interesse und aus Humanität sich bereit erklärt, zum Zwecke der Colonistrung, nicht allein Land zu überlassen, sondern auch noch den Zugewanderten Beihilfe und Erleichterung zu gewähren, so sollten die sich dafür interessirenden Kreise diese dankenswerthe Offerte nicht unbeachtet lassen; es müßten vielmehr die für die Lösung dieser Frage bereits bestehenden Organisationen in Deutschland und anderwärts ungesäumt die Angelegenheit in die Hand nehmen. Vielleicht ist der edle Baron von Hirsch, (oder ein anderer großherziger und leistungsfähiger Phtlantrop) zu bewegen, neben dem Ansiedelungswerk in Argentinien auch noch dem in Mexico seine Aufmerksamkeit und reichen Mittel zu widmen. — Zur Beantwortung der Frage, ob das Land Mexico zu einer derartigen Colonisatton auch recht geeignet sei, möchte ich auf einen Artikel „Ein Wohlfahrtsstaatin Mexico", den die „Frankfurter Zeitung" vom 13. August veröffentlichte, aufmerksam zu machen mir erlauben. Darin ist der Nachweis erbracht, daß die Lage der von einem Herrn A. K. Owen erst vor einigen Jahren, 1877, begründeten genossenschaftlichen Kolonie nach den darüber nicht nur von betheiligter, sondern auch unbetheiligter Seite vorliegenden Berichten ziemlich gesichert und prosperirend erscheint. Aus den in La Logia kultivirten Ländereien wird bereits ein Ertrag erzielt. — Manche Genoffen sprechen sich in ihren Briefen beinahe enthusiastisch über das Unternehmen aus. Die Regierung wünscht nicht nur die Kultivirung der noch brachliegenden Ländereien, sondern auch den Zuzug arbeitssamer, fleißiger, kräftiger Leute. Bis zum Juni d. I. waren 5653 Personen in den Listen der Gesellschaft verzeichnet; wie viele Personen zur Zeit auf den Ländereien bereits beschäftigt sind, läßt sich aus den vorliegenden Berichten nicht genau feststellen; deren Zahl mag immerhin schon eine verhältnismäßig ziemlich beträchtliche sein. Im Januar d. I. traf ein Zuzug von etwa 400 Personen ein, die Pferde und Vieh, Wagen und Geräthschaften mit sich führten; für April war eine neue Karawane organisirt und jetzt sollte wiederum eine solche zusammengesetzt werden. Jeder Genosse hat Anspruch auf eine Ackerparzelle von 2—50 Acres zur eigenen Bebauung und Bewirthschaftung. Vom Vogelsberge, 13. Sept. „Um dem Treiben vieler Gederner Juden zu steuern," wie der „Reichsherold" seit einiger Zeit wiederholt angekündigt hatte, fand heute Nachmittag in Gedern eine antisemitische Versammlung statt, in welcher der deutscheste aller Deutschen, Herr Dr. Böckel, als Redner auftrat. „Gesteuert" wurde denn auch in dieser Versammlung, aber viel weniger dem „Treiben der Gederner Juden" als demjenigen des großen Antisemitenführers Dr. Otto Böckel aus Marburg. Derselbe muß wohl eine leise Ahnung gehabt haben, daß die Geschichte einen anderen als den von ihm gewünschten Kurs nehmen könne, denn nicht nur hatte er sich aus den umliegenden „Böckelorten" zahlreiche Freunde und eine starke Leibgarde verschrieben, sondern zur größten Ueberraschung wenigstens eines großen Theiles der Anwesenden, die ja durch die Eingangs - erwähnte Ankündigung im „Herold" sehr begreiflich ist, erklärte Herr Böckel im Eingänge seiner Rede, er sei heute nicht gekommen, um die „Judenfrage" zu behandeln, sondern nur, um die Zwecke und die Organisation des „mitteldeutschen Bauernvereins" auseinanderzusetzen. Und so geschah es auch; Böckel beschränkte sich aus eine Erläuterung des Statuts des Bauernvereins,