Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 75 (21.9.1891)
- Date
- 1891-09-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448193--32844-2480709- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1422 Vorsichtigkeit schuldig gemacht, in diesem entarteten Juden einen Ideal-Inden zu erblicken. Zum Glücke für den jüdischen Stamm und die Menschheit gibt es solcher Ehrenmänner wie Briman nur wenige. Daß aber ein Schreiben vorhanden ist, welches, an einen Israeliten in Haag unterm 8. September 1881 im jüdisch-deutschen Jargon gerichtet, die Namenszeichnung des Predigers De le Roi mit dem famosen Beisatz o"& imna trägt und Auskunft über Briman erbittet, ist gewiß für die „Mission unter Israel" recht bezeichnend. Diese Mission wurde in der Gegenwart zuerst von Engländern, resp. im englischen Solde stehenden Deutschen, wieder ausgenommen und durch eine Reihe deutscher Missionsunternehmungen betrieben. Die Berliner Gesellschaft zur Beförderung des Christenthums unter den Juden nimmt auf diesem Gebiete eine hervorragende Stelle ein, welche in Folge der von London ausgegebenen Anregung im Jahre 1822 sich constttutrte. Sie zählt unter ihren Gründern sehr klangvolle Namen: Graf Anton Stolberg, Geh. Oberregierungsrath Nicolovius, Geh. Justizrath Schmalz, Hofprediger Theremie, Samuel Elsner und last not least Professor Tholuck. Die Londoner Gesellschaft steuerte hierzu 6500 Mark. König Friedrich Wilhelm III. bewilligte einen persönlichen jährlichen Beitrag von 900 Mark und die Potofreiheit. Es bildeten sich recht bald Filialen in Posen, Münden, Königsberg, Oletzko und Dresden. Im Jahre 1827 ward höchsten Orts der Mission eine sonntägliche Predigt für die Juden genehmigt, wofür der Berliner Magistrat zuerst die Hospitalspäter die Gertraudenktrche einräumte. Friedrich Wilhelm III. nahm vielfach Pathenstelle bei Täuflingen an, womit für diese ein königliches Geschenk verbunden war. 1833 wurde den Missionären gestattet, überall in Preußen kirchliche Gottesdienste abzuhalten, und 1834 wurde der regelmäßige Gottesdienst für die Juden in Berlin eröffnet. 1851 genehmigte der Ober-Kirchenrath, daß „die Fürbitte für das Volk Israel und seine Bekehrung" in das sonntägliche Kirchengebet ausgenommen wurde, und 1853, daß der 10. Sonntag nach Trinitatus zu einer Predigt über die Judenmission in der ganzen Preußischen Kirche festgesetzt worden ist. Professor Hengsteuberg, Generalsuperintendeut Büchsel u. A. beschäftigten sich eifrig mit der Judenmission, welche auf Pastoralconferenzen, Kirchentagen und Versammlungen der Evangelischen Allianz oft besprochen wurde. Der greifbare Erfolg an Judentaufen soll anfangs sehr groß gewesen sein, nahm aber gegen Mitte der Vierziger Jahre ab, hob sich jedoch später wieder. Im Jahre 1866 betrug die Zahl der Taufen 12. Das gesammte Resultat der Berliner Gesellschaft — also während eines Zeitraums von etwa 70 Jahren — beläuft sich auf 600 Judentaufen. Der hervorragendste Missionär ist H ä n d e s gewesen. Wie derselbe auftrat, schildert De le Roi sehr packend: „Im Herzen ein lebendiger Christ, der Sprache und zum Theil der Kleidung nach, ein Jude." Die Berliner Missionäre waren ferner: Ball, Ehlers, Wodomann, Börling (als Jude Berlin), Tcichler, Jacobsohn, Caro, Stoll, Krafft, Krüger, Kuller, Hesse, Moldenhauer, Witte, Scharf, Daab, Th. De le Roi, Schwabeaffon, Joseph Simsa, Bieling, Gottlieb, Loewen. Von dem Bekehrungswerke nur Einiges. Caro rühmt sich, die Wittwe des „Oberrabbiners in Kempen", eine 84jährige Frau, getauft zu haben. Diese Greisin habe eines Tages ihn zu sich rufen lassen und ihm gesagt, „daß sie den Unterricht und die Taufe durch ihn wünschte." Schon ihr Mann hätte einige Erkenntnitz von dem Stifter des Christenthums gehabt „und bei seiner Wittwe kam es zum Durchbruch." Der Missionär Jacobsohn war „schüchtern und linkisch in seinem Auftreten", aber selbst jüdischer Seits habe man zugestanden, daß er „aus Ueberzeugung" Christ geworden. Er habe sich von den Juden bei seinen Bekehrungsarbeiten „schmähen und schlagen, bespeien und mit Steinen werfen lassen, ohne je im Eifer für sie zu erlahmen." Die Berliner Missionsgesellschaft hat jetzt eine jährliche Einnahme von mehr als 20,000 Mark. Der Rheinisch-Westfälische Verein für Israel ist aus einer Vereinigung von zwölf Männern in Elberfeld hervorgegangen, welche sich zu einem „Gebetsbunde für Israel" vereinigten. Das war im Jahre 1818. „Eine unmittelbare Frucht der Bemühungen dieser Jsraelsfreuude", schreibt De le Roi, „war die Bekehrung eines jüdischen Lehrers" in Solingen. In Folge von zahlreichen Meldungen von Juden, „welche die Taufe begehrten", wurde im Jahre 1823 eine Anstalt zur Aufnahme derselben in Stockamp bei Düsseldorf errichtet, welche aber wegen vieler schmerzlicher Erfahrungen schon 1825 wieder geschloffen wurde. Die eigentlichen Stifter der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft sind sodann 1842 der Missionar Stockfeld, der Missionsinspector Dr. Richter und der Pastor Küpper geworden. Ihr Sitz ist Cöln. 1843 erhielt sie die königliche Bestätigung. Von 4 Thalern im Jahre der Gründung stieg die Einnahme bis 1846 auf 2786 Thlr. Die Freude darüber, daß Pastor Kalthoff aus Otzenroth im Jülichschen sich bereit finden ließ, in den Dienst der Judenbekehrung