Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 74 (17.9.1891)
- Date
- 1891-09-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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- Minsk 1× ep/1000754
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1414 des alten, baufälligen, ein neus, schönes Gotteshaus zu bauen, dessen Einweihung heute programmgemäß stattgefunden hat. Um 2 Uhr Nachmittags versammelten sich die Gemeindemitglieder, Herr Rabbiner Braun aus Schneidemühl,HerrDr. Rosenthal ausRogasen und viele Ehrengäste im Hause des Herrn Kirschbaum, um von dort die Thorarollen nach der Synagoge zu tragen. Nachdem Herr Rabbiner Braun eine Ansprache an die Gemeinde gehalten, in welcher er sie in rührenden Worten zum Festhalten an unserer nanpn min ermahnte, wurden die Thorarollen unter den üblichen vom Kantor Herrn Eohn aus Rogasen und Herrn Lehrer S e n g e r aus Samotschin meisterlich vorgetragenen Gebeten ausgehoben und in geordnetem Zuge durch die geschmückten Straßen bis vor die Synagoge gebracht, wo Fräulein Hirschberg einen Prolog gesprochen und alsdann der Gemeindevorsteher Herr H i r s ch b e r g dem Bürgermeister mit einigen passenden Worten den Schlüssel überreichte. Der Herr Bürgermeister öffnete nun die Pforten mit dem Wunsche, das Gotteshaus möge eine Stätte des Segens für die hiesige Gemeinde sein und von Gott unter seinen besonderen Schutz genommen werde, Unter Vorantritt der beiden Rabbinen, der Vorstandsmitglieder und einiger Ehrengäste, welche die Thorarollen trugen, war die Synagoge in kurzer Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt, indem außer den Stadtverordneten, Amtsrichtern, Lehrern (der Herr Landrath hat sein Wegbleiben brieflich entschuldigt) und andern distingnnten Personen auch noch viele Gäste aus den benachbarten «Städten zu dieser Feier herbeigeeilt waren, während unter Musikbegleitung und Chor das *b inns und njwn nr, sowie ton -pm und ons na von Herrn C. und Herrn S. gesungen wurde. Nachdem dasPtow' ym und beim Umzug um die Bimah das 'n w« abwechselnd vom Cantor und Chor, das Gebet für den Landesvater vom Kantor C. allein gesungen ward, wurden die Thorarollen unter den üblichen Gesängen in das geschmackvoll gearbeitete npn idn hineingestellt, Herr Rabbiner Brann betrat nun die Kanzel. An seine länger als eine Stunde dauernde Betrachtung über die Bedeutung des Gotteshauses knüpfte er das sinnige Wort der Alten aira» nmatt no tnpttf apjr ,rrw o ainattf pn2' ,“in n Abraham nannte das Gotteshaus Berg, Jsak nannte es Feld und Jakob nannte es Haus. Hierauf sprach er das Weihegebet, in welchem der allgütige Vater, um den Segen für das Gotteshaus, für den Landesvater u. s. w. angefleht wurde. Beim Anzünden des man u verglich er das Licht mit der Thora unter Hinzufügung 'n -nto Laß uns im Lichte Gottes wandeln. Nachdem Miucha-Gebet rezitirte Herr Kantor C. Ps. 84 und Herr Lehrer S. mit Chor und Musik Hallelujah. Jetzt betrat Herr Dr. Rosenthal die Kanzel und sprach in gewandter Rede über den Ausspruch der dieswöchentlichen rnvsn „Erweitere den Raum deines Zeltes und die Teppiche, mögen sie herunterfallcn, ouTin webre e s ihnen nicht", d. h. nicht mit dem Gebete im Gotteshause ist's genug, sondern auch außerhalb desselben, ja überall sollst Du Dich Deines Gottes und seiner Gebvte erinnern und darnach — handeln. — Mit dem Absingen des opiy jvw wurde diese erhebende Feier nach dreistündiger Dauer geschlossen. Eine Fortsetzung der Festlichkeit bildete ein Festessen, das durch ernste und heitere Toaste gewürzt wurde. Das Fest wird noch lange fortleben in der Erinnerung aller derer, die daran Theil genommen haben. Rußland. Minsk. Die Zahl der in diesem Jahre nach Amerika answandernden Juden übertrifft in hiesiger Stadt, wie das „Rig. Tagbl." meldet, diejenige aller früheren Jahre. Jeden Sonnabend-Abend, dem von den „Amerikanern" besonders bevorzugten Termin der Abreise, wiederholen sich auf dem hiesigen Wilnaer Bahnhof dieselben Abschiedsscenen; diese zeigten jedoch gegen früher ein ganz anderes Bild. Während es in früheren Jahren einen Abschied auf Nimmerwiedersehen galt und sich herzbrechende Scenen hierbei abspielten, geht jetzt ein fröhliches „Auf Wiedersehen" von Mund zu Mund, ein Zeichen, daß die Zurückbleibenden früher oder später folgen werden. Wenn's nun zum Einsteigen geht, so erschallt vom Conducteur: „Alle Amerikaner hierher", um dieselben der besseren Controle wegen in besonderen Waggons möglichst von dem anderen reisenden Publikum zu isoltren. Dies aber gelingt sehr oft nur zum Theil. In Folge dieser Massenauswanderung hat sich denn auch bereits ein fühlbarer Mangel an Handwerkern geltend gemacht. Die Tischler klagen schon längst, daß selbst gegen theures Geld keine tüchtigen Arbeitskräfte zu beschaffen sind und selbst das so stark vertretene Schneiderhandwerk beginnt seine Söhne zu zählen. Bulgarien. Sofia. Am vorigen Sonnabend wurde unweit Wratza am Bolkangebirge das seit zwei Monaten vermißte Mädchen*) todt aufgefunden; die Aerzte stellten fest, daß dasselbe erst vor einigen Tagen gestorben sein konnte und daß die an dem Halse befindlichen Schnitte erst nach dem Tode dem *) Siehe Correspondenz Sofia in Nr. 71.