Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 74 (17.9.1891)
- Date
- 1891-09-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. Zweite BeilageM 74„Israelit Iesthilmn- Literarische Umschau. (Fortsetzung aus Nr. 71.) 8. Das Religionsbuch des Rectors Emanuel Mandus „Israelitische Glaubens- und Pflichten lehre" (Franks, a. M. 1891. I. Kauffmann) liegt jetzt in vierter verbesserter Auflage vor. Die Anordnung des Stoffes ist gut und übersichtlich, Fragestellung und Antworten entsprechen der pädagogischen Anforderung, der Standpunkt ist der streng religiöse. Das Buch ist zu empfehlen. Einige kleine Unrichtigkeiten wären bei einer etwaigen neuen Auflage zu verbessern. Die Tage zwischen Neujahr und Versöhnungstag die 10 Bußetage zu nennen, ist ungenau (S. 52). — Die Kinder Israel wohnten in der Wüste nicht in Laubhütten (S. 53). S. 54. ist die Pflicht des nuö vergessen. Im citirten Textwort aus Esther muß es statt „Geschenke" „Speisen" heißen. Die Erinnerung „an das Holzfällen" (S. 56.) ist ungenau. — ->02 p’ns (S. 58) ist wohl als Druckfehler übersehen. — Das Wort „Ceremonien" für die iwyc maa läßt Mißdeutungen zu, die der Vers, gewiß am allerersten vermieden sehen möchte, selbst wenn es in Parenthese steht. Hillel begnügt sich auch ohne den Titel Rabbi (S. 61.) Da für 'Kinder das Beste eben gut genug ist, so habe ich keinen Anstand genommen, auf diese kleinen Verstöße aufmerksam zu machen und zwar gerade im Interesse des Buches selbst, über dessen Vorzüge ich mich ja oben ausgesprochen habe. — Für die jüdischen Volksschulen in Ungarn ist unter den Auspicien dortiger hervorragender orthodoxer Rabbiner ein „Deutsches Lesebuch" verf. von Jakob Gabel und Beruh. Spitzer erschienen (Budapest 1892 Mehner.) Nach dem beigegebenen Prospekt besteht das Lesebuch aus vier Theilen, mir liegt das für die 2. Klaffe vor. Daß für konfessionelle Volksschulen ein konfessionelles Lesebuch erwünscht ist, wird niemand bestreiten; ebenso ist es wohl angebracht und ganz selbstverständlich, daß für ein jüdisch konfessionelles Lesebuch der Schatz unserer herrlichen Midraschliteratur tüchtig ausgebeutet werde. Das haben nun die Verf. gethan, und es ist ihnen als großes Verdienst anzurechnen, daß sie es gethan haben. Allein auch hier ist weise Beschränkung nothwendig, diese aber wird hier vermißt. Inwiefern es nöthig ist, mit dem Lesestoff Religionsgesetzliches zu verquicken, wie z. B. anzugeben, welche nzro man bet dieser oder jener Gelegenheit mache, das vermag ich nicht zu entscheiden, da vielleicht die ungarischen Verhältnisse dies gestatten oder gar fordern; bei uns in Deuschland wäre ein solches Verfahren nicht angängig; aber es ist etwas anderes, worüber uns in Deutschland auch ein Urtheil zusteht, die Wahl des Lesestoffs. Die Verf. haben schöne und herrliche Früchte für die Kinder aus dem Garten des Midrasch gepflückt, prächtige Parabeln und Gleichnisse, die das Gemüth erheben nnd das Herz bilden, aber alles das hätten sie weglassen sollen, was die Helden der Bibel zu sagenhaften Gestalten macht und die biblischen Erzählungen in Legenden verwandelt. Wir zählen dazu den Midrasch über die Begebenheit von Sodom, welche an die Prok rustessage erinnert, die sagenhaft ausgeschmückten Heldenthaten der Söhne Jakobs. Das Gemüth heben sie nicht, das Wissen bereichern sie nicht, aber sie bringen das Kind in die Gefahr, die biblischen Helden als Sagengestalten zu betrachten. Es ist gewiß jedem Lehrer schon vorgekommen, daß ein Kind bei den Wundererzählungen der Bibel fragte, ob denn das auch alles wahr sei. Der Lehrer konnte dann ruhig die Frage bejahen. Wie nun, wenn das Kind auch bei diesen Sagen diese Frage stellt, oder es sich erinnert, daß die gttechische Sagengeschichte auch etwas von einem Bösewicht mit den zweierlei Bettstellen erzählt? Hier muß doch der Lehrer nicht mit Ja antworten; die Folge ist, daß Zweifel im Geiste des Kindes erregt werden. Von der biblischen Geschichte halte man irgendwie sagenhafte Ausschmückungen ganz fern, sie verliert durch diese in den Augen des kleinen Kindes ihren Ernst und ihre Unantastbarkeit. Die Parabeln hingegen geben zu solchen Befürchtungen keinen Anlaß. Im übrigen ist noch zu bemerken, daß das Buch an manchen Druckfehlern und stilistischen Ungenauigkeiten leidet. Warum die Mutter bei dem Dank für das Brot (S. 100) die Hände faltet, verstehe ich in diesem Lesebuche nicht, rwo (S. 71) sind nicht Geschenke, sondern Speisen. Der Vater segnet am Freitag Abend nicht nur die Söhne, sondern auch die Töchter (S. 60). — (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Margonin, 8. September. Der heutige Tag war ein Tag der höchsten Freude für unsere jüdische Gemeinde, denn sie hat, früher reich an Seelenzahl und Gelehrsamkeit, jetzt nur klein und unbemittelt, es dennoch durch Opfer, Gottvertrauen und Spenden von auswärtigen Gönnern möglich gemacht, anstatt