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Der Israelit · 1891-09-17 · Heft 74 (17.9.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 74 (17.9.1891)
Date
1891-09-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1407 vom Himmel geschenkte neue Brüderchen, da es hoffte, dasselbe werde wacker mithelfen, die Juden todt zu schlagen. Zur großen Betrübniß des Herrn Vergani erklärt jetzt das „Grazer jTagblatt", daß es wohl deutschnational sei, aber mit der Judenhetze nichts zu thun haben wolle, da man auch als Jude ein guter Deutscher sein könne. Herr Vergani muß sich daher um einen neuen Gefährten umsehen, der ihm helfen wird, die Juden abzuschlachten. Frankreich. Paris, im September. Herr Baron v. Air sch läßt soeben in Rußland den nachfolgend im Wortlaut wiedergegebenen Aufruf verbreiten. Der Aufruf ist auf dreifache Weise zum Abdruck gebracht: in deutscher Sprache mit deutschen, in deutscher Sprache mit jüdischen Lettern und auf russisch. Es erstaunt uns nur, daß gerade die beiden den russischen Juden geläufigsten Axiome, der jüdisch-polnische Jargon und das reine Hebräisch zur Wiedergabe des Aufrufs nicht benutzt worden sind und bedarf es vielleicht nur dieses Hinweises, um Herrn Baron von Hirsch z» einer Rektification nach dieser Richtung zu veranlassen. Der Aufruf lautet: An meine Glaubensbrüder in Rußland. Ihr wißt, daß ich mich damit beschäftige, Euer Loos zu verbessern. Das legt mir die Pflicht auf, zu Euch offen zu sprechen, um Euch zu sagen, was zu erfahren für Euch nothwendig ist. Ich kenne die Gründe, welche viele unter Euch zur Auswanderung veranlassen und ich will gerne Alles thun, was in meinen Kräften steht, um Euch in Eurer Bedrängniß beizustehen. Allein Ihr müßt mir dies ermöglichen. Eure Auswanderung darf nicht einer überstürzten regellosen Flucht gleichen, bei der man, um einer Gefahr zu entgehen, sich ins Verderben stürzt. Ihr wißt, daß demnächst in Rußland regelmäßige Comitös unter Genehmigung und unter Aufsicht der Kaiserlich Russischen Regierung eingesetzt werden. Diese Comites haben die Aufgabe, die Emigration in geschäftsmäßiger Weise zu organisiren. Alle Auswanderungslustigen haben sich an die Lokal-Comites zu wenden, welche ausschließlich berechtigt sein werden, Euch die nöthigen Aufschlüsse zu liefern. Nur diejenigen Personen, welche von den Comites zur Auswanderung bestimmt werden, können die Vortheile meiner Hilfsaktion und Jener, welche sich mir anschließen, genießen. Jeder aber, der das Land ohne Mitwirkung der Comitss verlasse» sollte, wird dies auf seine eigene Gefahr thun und hat auf keine Unterstützung von unserer Seite zu rechnen. Selbstverständlich kann zum Beginn die Zahl der Auswandernden keine große sein, denn es handelt sich nicht blos darum, für die ersten, welche fortgehen, Zufluchtsstätten zu finden, es handelt sich auch darum, für Diejenigen, welche Nachkommen, die nothwendigen Vorbereitungen für die Ansiedelung zu treffen. Später kann die Emigration eine größere Ausdehnung gewinnen. Bedenket, daß ich nichts für Euch leisten kann, ohne die wohlwollende und gnädige Unterstützung der Kaiserlichen Russischen Regierung. Zum Schluffe rufe ich Euch zu: Ihr seid die Erben Eurer Väter, die seit Jahrhunderten so viel geduldet haben. Traget diese Erbschaft noch eine Weile mit der gleichen Ergebung! Habet also weiter Geduld und lasset denjenigen, die Euch helfen wollen, die Möglichkeit, dies zu thun! Ich richte an Euch diese Worte der Mahnung und der Ermunterung in meinem eigenen Namen und im Namen von Tausenden Eurer Glanbensbrüder. Nehmt sie aus in Euer Herz und in Euren Verstand! Der gütige Gott möge Euch helfen und mir, sowie den Vielen, welche mit so großer Aufopferung Mitwirken, seinen Beistand verleihen, daß Euch geholfen werde! Paris, September 1891. M. v. Hirsch. Rußland. Tiflis im Kaukasus, 6. September. Die wenigen jüdischen Gemeinden, die im Kaukasus und an den russischen Gestaden des Kaspisees vorhanden sind und die zumeist schon seit Jahrhunderten daselbst bestehen — von vielen derselben ist es allgemein bekannt, daß sie noch aus der Zeit der Chazaren (onro) stammen, während einige andere sich rühmen, noch bei Lebzeiten Alexanders des Große» (p-ip^v vuddVn) entstanden zu sein, was sich aber historisch nicht Nachweisen läßt — erfreuen sich noch immer einer leidlichen Ruhe, da bisher nur wenige Mitglieder derselben ausgewiesen wurden und diese waren immer nur eingewanderte polnische oder ukrainische Juden. Aber nichtsdestoweniger werden auch diese von der Furcht geplagt, daß auch sie bald das Verhängniß ereilen werde, und daß man auch sie dann mitt ihren Familien von Haus und Hof verjagen dürfte. Einige derselben haben daher schon freiwillig iw d-iüh ihre Heimath verkästen und wandten sich nach der benachbarten türkischen Provinz Armenien, um sich dort häuslich niedeMlassen. Dadieselben - nur in geringer Anzahl ttttfh dabei immer in einzelnen Familien die Grenze überschritten, so legten ihnen die türkischen Behörden keine Hindernisse in den Weg und ließen sie ruhig

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