Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 74 (17.9.1891)
- Date
- 1891-09-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448192--32823-2480687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
•fc* Äermischtes. < Nödelheim, 9. September. Das katholische „Frankfurter Volksblatt" schreibt in seiner Nr. 35, über die in den russischen Ostseeprovinzen wohnenden Juden, das Folgende: Die in den Ostseeprovinzen wohnenden wenigen Juden theilen sich^ in Stadtjuden, die den gleichen Erwerb treiben, wie ihre städtische Glaubensgenossen bei uns, und in Landjuden. Letztere sind ein Unikum, und hätte ich sie nicht persönlich gesehen, und beobachtet, ich könnte es von ihnen nicht glauben. Ich kam einmal auf das Schloß eines Adeligen, als der Thurm und der Blitzableiter ausgebessert wurden. ES waren jüdische Arbeiter, welche die halsbrecherische Arbeit ausführten. Ein Jude nahm sich immer meiner zerrissenen Stiesel an, und ein Jude besorgte als ganz geschickter Buchbinder mir recht hübsche Büchereinbände. Die russischen Juden darf man eben nicht, wie durchweg geschieht, in einen Topf werfen. Würden alle christlichconfessionellen Blatter immer über Juden und Judenthum so verurtheilssrei berichten und urtheilen, wie es oben genanntes Blatt thut, so wäre damit der Hetz- Epidemie des Rassenhasses ein fester Damm entgegenaestellt. Hch. Hb. Königsberg, 7. September. Bis jetzt hatte die russische Regierung nur den ausländischen Juden den Eintritt nach Rußland unmöglich gemacht, nunmehr aber sollen auch den christlichen Ausländern die Grenzen Rußlands theilweise gesperrt werden. Wie nämlich das „Journal Denj" mittherlt, hat das russische Ministerium des Innern ein Projekt ausgearbeitet, wonach der Eintritt von Ausländern ohne Unterschied der Konsession und Nationalität nach Rußland namhaft beschränkt werden soll. Man beabsichtige, solche Maßregeln zu ergreifen, welche den Ausländern die Reiselust nach Rußland vertreiben dürften. Durch die Genehmigung dieses Projektes würde eine einzige Nation übrig bleiben, welcher die russische Regierung die Grenzen ihres Reiches nicht verwehrt, nämlich — die chinesische. Gleiwitz., O. S. Mit dem 31. August endete die Badesaison der Israelitischen Kinderheilstatte im Soolbade Konigsdorff- Jastrzemb. Die Herren der Verwaltung, an deren Spitze Herr Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz steht, batten sich am Montag zur Schlußrevision, Uebernahme des Inventars und Entlassung der Zöglinge an die „Quelle des Heils" begeben. Mit freudiger Genugthuung kann die Verwaltung auf eine ersprießliche Thätigkeit zurückschauen. Vom Mai an wurden allmonatlich an 20 kränkliche, in der Entwickelung zurückgebliebene, zumal skrophulöse Kinder behufs Kräftigung und Wiederherstellung ihrer Gesundheit zu einem fleeigneten Kurgebrauch ausgenommen. Die Pfleglinge beanden sich im Alter von fünf bis vierzehn Jahren und rekrutirten sich aus fast sämmtlichen Provinzen Deutschlands. Sie hatten theils ermäßigte Sätze, theils Freistellen, andere waren in der Lage das ganze Pflegegeld zu entrichten. Letzere haben für einen vierwöchentlichen Kurgebrauch, welcher Wohnung, vollständige Verpflegung, Bade- und Trinkkur, ärztliche Behandlung und erziehliche Aufsicht in. sich schließt, nur die Selbstkosten von 60 Mk. zu zahlen. Die in der Anstalt unentgeltlich oder zu ermäßigten Preisen aufgenommenen Kinder und deren Begleiter werden auf den preußischen Staatseisenbahnen auf der Hin- und Rückreise in der dritten Wagenklasse aller Züge zum Militarfahrpreis befördert. Zwei Kinder unter 10 Jahren finden hierbei Beförderung auf eine Militärfahrkarte. Dem Begleiter wird die Vergünstigung nach Ankunft am Bestimmungsorte auch zur Rückfahrt nach dem Orte der Abreise, sowie für die Reise zur Wiederabholung seines Schützlings gewährt. — Die Verwaltung hat bislang das Menschenmöglichste geleistet. Durch freiwillige Beträge allein war sie in den Stand gesetzt, ein eigenes, in gesundester Lage befindliches Grundstück zu erwerben. Das stattliche Gebäude mitten daraus, umgeben herrliche Spiel- und Tummelplätze. In diesem Jahre sind auf die innere, comfortable, in gesundheitlicher Hinsicht musterhafte Einrichtung 4000 Mk. verwendet worden. Edelgesinnten Menschen kann die Unterstützung dieses hochherzigen Unternehmens, sei es durch einmalige Sendungen, sei es durch jährliche Beiträge in welcher Hohe auch immer, nicht warm genug ans Herz gelegt werden. Hier gilt es eine schöne, wahre zu erfüllen. Dabbatai Herrn. historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung.) Die beiden Kinder, der sechsjährige Knabe und das siebenjährige Mädchen, waren elternlose Waisen, hatten keine Verwandten in der Stadt, Glaubensgenossen waren zwar herbeigeeilt, sich der Verlassenen anzunehmen, doch der mehrfach erwähnte Geistliche hatte es ihnen gewehrt, er betrachte die Sorge für die Waisen als heiliges Vermächtniß seines dahingeschiedenen Freundes, und von seinem Standpunkt aus, hat er treu für sie gesorgt. Keine menschliche Seele hat von ihm erfahren, was er den verzweiflungsvollen Selbstanklagen seines Freundes entnommen, sonst hätte der Staat sich des Erbes der Verwaisten bemächtigt, ihr Gönner hat es ihnen erhalten und hat für ihre Erziehung gesorgt, indem er sie in Klöster unterbrachte. Der Schmerz der Kinder war im Anfang wild und laut, doch dauernd konnte er nicht sein, allmählich mußten sie den freundlichen Worten Gehör schenken und freundlich wurden sie behandelt, denn das Wort des Gönners, der sich ihrer angenommen, hatte Geltung. Juanito's liebliche Züge glichen denen seiner Heimgegangenen Mutter und gewährte es demjenigen, der Bianca geliebt hatte, eine wehmüthige Wonne, die Kinder der Heimgegangenen Geliebten mit Beweisen feiner liebevollen Zärtlichkeit zu überhäufen. Die Zuneigung des hochgestellten Geistlichen zu dem schönen Knaben blieb sich immer gleich, Juanito fand an ihm stets den treuesten Berather. Unter seiner Leitung begann er seine Studien und nachdem er sie vollendet, sorgte sein hoher Gönner, daß die Universität in Sevilla ihm den erledigten Lehrsessel für Mathematik übertrug. Juanito's Verhältnisse waren die behaglichsten, sein väterliches Erbe allein hätte ihn vor Nahrungssorgen geschützt, und nun noch die Professur, die einem Manne seines Alters nur selten verliehen wird. Aber er füllte seinen Posten aus nach jeder Rtch-