Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-09-17 · Heft 74 (17.9.1891) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 74 (17.9.1891)
Date
1891-09-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448192--32822-2480686
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Capttän Wetterich, in der Stärke von 62 und gestern Abend mit dem Dampfer „Zoppot", Eapt. Scharping, mit 29 Personen von Memel hier ein. Im Großen und Ganzen machten diese Leute einen sehr ärmlichen Eindruck. Das Hilfscomitö wird übrigens jetzt umsomehr in Anspruch genommen, als nicht nur die Verpflegung der Durchreisenden, sondern auch die Unterbringung und Behandlung zahlreicher Erkrankter und die Verpflegung und Weiterbeförderung von ihrem Auswanderungsziele wieder zurückkommender Israeliten ihm zur Last fällt. So traf z. B. gestern eine aus Mann, Frau und sechs Kindern bestehende Familie hier an, welche sich im tiefsten Elend befand. Bei der Landung in Boston zurückgewiesen, hatten sie die Reise von Amerika wieder zurück machen müssen, in Hüll war ein Kind gestorben und jetzt führten sie vier ihrer Kinder und einen 10jährigen Knaben, am Rheumatismus schwer erkrankt und der nothwendigsten Kleider entblößt, mit sich. Auch diese Familie wurde hier verpflegt, mit warmer Kleidung versehen und gestern Nachmittag mit einem hiesigen Dampfer nach Memel weiterbefördert, von wo sie ihre Heimathstadt Libau zu erreichen suchen will. „Jüdische Auswanderer. Am Montag Abend traf mit dem Zuge 7 Uhr 54 Minuten eine jüdisch-russische Familie hier ein, welche vor etwa 7 Wochen nach Amerika ausgewandert, in Liverpool aber wegen Mangels an Reisegeld zurückgewiesen worden war. Da die Familie, welche aus Mann, Frau und Kinder bestand, sehr ärmlich gekleidet ging, so wurde von dem auf dem Bahnhof anwesenden Publikum eine Geldsammlung veranstaltet, wofür dieselben dann in der Bahnhofsrestauration verpflegt wurden. Die Familie wurde sodann unter Mithilfe des israelitischen Eomites für die Nacht in der Stadt untergebracht und wurde gestern nach Libau zurückbefördert. Dr. Car leb ach, Rabbiner. Kempen (Provinz Posen). Einem vornehmen Mitgliede unserer Gemeinde ist eine besondere Ehre zu Theil geworden. In öffentlicher Magistrats¬ und Stadtverordneten-Versammlung überreichte am 7. d. M. im Namen Seiner Majestät unseres Allergnädigsten Kaisers der hiesige Landrath v. Scheele dem Herrn Isidor Wieruschowski den Kronenorden 4. Klasse. Herr Wieruschowski, der jetzt wegen Kränklichkeit aus dem öffentlichen Leben sich zurückgezogen, war seit 21 Jahren ununterbrochen als Stadtverordneter, als Stadtrath und als unbesoldeter Beigeordneter Mitglied der hiesigen Stadtbehörden. Er war auch viele Jahre stellvertretendes Mitglied des Kreistages und dauerndes Mitgied der königlichen Einschätzungskommission. Für die Gewissenhaftigkeit, mit der er diese Ehrenämter bekleidete, und für den patriotischen Sinn, den er bei jeder Gelegenheit bethätigte, wurde ihm, wie vom Herrn Landrath besonders hervorgehoben wurde, die ehrende Auszeichnung Sr. Majestät zu Theil. Auch die städtischen Behörden beehrten den Herrn Wieruschowski durch ein Zeichen ihrer Anerkennung. Nach der Ueberreichung des Ordens wurde ihm von Seiten des Magistrats und der Stadtverordneten ein Diplom übermittelt, mit dem er zum „Stadtältesten" ernannt wurde. Herr Wieruschowski führt ein jüdisch religiöses Leben und war mehrere Jahre Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde. München. Herr Kapellmeister Lev y wurde von seiner Majestät dem Kaiser, gelegentlich der Kaiservorstellung im hiesigen Theater sehr anerkennend begrüßt und mit dem rothen Adlerorden dritter Klaffe ausgezeichnet. Oe st err. -Ungar. Monarchie. Biftritz, 13. September Der Kaiser, welcher sich gegenwärtig anläßlich der Manöver in Siebenbürgen befindet, hat heute dahier die Deputationen und Vertreter der verschiedenen Religionsbekenntnisse empfangen, Beim Empfange der Deputation der israelitischen Eultusgemeinde des Bistritz-Nasoder Comitates sprach Rabbiner Dr. Eugen Horovitz folgenden Segentzspruch ungarisch: „Dank Dir, Gott, König der Welten, der Du Se. Majestät, unseren König, Deines Ruhmes theilhaftig gemacht hast! Erhöre die Gebete der israelitischen Geistlichkeit und der Gläubigen, die Se. Majestät, unseren König, von Schritt zu Schritt begleiten. Ueberschütte mit der Fülle Deines Segens unseren geliebten König und a. h. seine Familie. Amen!" Der Monarch war durch den aufrichtig herzlichen Ton des Gebetes sichtlich angenehm berührt, und nachdem er zweimal das Amen wiederholt hatte, dankte er' durch eine gnädige Handbewegung. Auf die uun folgende Rede des Präsidenten der Cultusgemeinde, Blumenfeld, antwortete der Kaiser: „Die Huldigung der israelitischen Eultusgemeinde des Bistritz-Naszoder Comitates nehme Jch^mit Dank entgegen. Ich kenne Ihre traditionelle Treue und Anhänglichkeit und erwiedere sie mit der Versicherung Meiner königlichen Gnade!" Dänemark. Kopenhagen, 4. September. Die Meldung des Blattes „Politiken", daß Albert White, der Vertreter des Baron Hirsch, eine Audienz beim Zaren gehabt habe, wird von dem „Bureau Ritzau" als unwahr bezeichnet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.