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Der Israelit · 1891-09-14 · Heft 73 (14.9.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 73 (14.9.1891)
Date
1891-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1390 und den beiden Gemeinde-Vorständen Rab inowitz und Oettinger das folgende Telegramm: „Unmittelbar naheliegende Stadt Paritschi vollständig niedergebrannt, tausende Glaubensbrüder brod- und obdachlos, unbeschreibliches Elend, schleunigste Geldhilfe unumgänglich notwendig." Ein ferneres Telegramm geht uns von dem Hosbankier Eh. B. R ab in o Witz, dem Begründer und Unterhalter zahlreicher bedeutender Wohlthätigkeitsanstalten und Schulen, zu, das wie folgt lautet: „Augenzeuge Paritschi's unbeschreiblichen Elendes, auch meinerseits um allerschleunigste Geldhilfe ersuche." Wir brauchen wohl nicht hinzuzufügen, daß auch wir unsere Bitten mit denen der vorgenannten Herren auf das dringendste vereinigen und werden freundliche Gaben nach der Stätte des großen Unglücks schleunigst befördern. Berlin. Der Mangel an Stoff bringt ein hiesiges in der Lindenstraße blühendes Antisemitenblättchen zur hellen Verzweiflung. Es fehlt absolut an Material, mit dem man die Leserwelt über Wasser halten könnte. In dieser unglückseligen Lage werden eigene alte Artikel citirt, alte Prozesse wiedergekaut, alte Hiebe, welche der Unparteilichkeit des deutschen Richterstandes versetzt wurden, werden noch einmal geführt, und so geht es im Kreise herum, bis die Verzweiflung an einer Grenze anlangt, die mit der Unzurechnungsfähigkeit eine verzweifelte Aehnlichkeit hat. Ein Weltbund des Arierthums, bestehend aus Slaven, Deutschen, Galliern, Wallonen und andern Stämmen wird in Aussicht gestellt, um sich gegen das Judenthum zum Zweikampf auf Tod und Leben zu verbinden. Der Grund zu diesem epochemachenden Ereigniß wurde in Prag bei der Verbrüderung der Wiener Schneider-Antisemiten mit den Jungczechen gelegt. Doch auch dieser schöne Zukunftstraum verfliegt, denn die Böhmen verwahren sich in allen Tonarten gegen eine Gemeinsamkeit mit dieser Menschensorte, und als dieselben am Wiener Bahnhofe sich einfanden, um die Brüder aus Böhmen zu begrüßen, wurden sie ziemlich energisch zurückgewiesen. Es wurde ihnen bedeutet, daß eine Partei, welche die Menschenrechte verleugne, als keine politische Partei angesehen werde. Breslau, 11. September. Wie Sie bereits berichteten, ist am Montag früh 5 Uhr (nicht 9 Uhr) Prof. Dr. H. Graetz in München gestorben. Seine Leiche wurde, trotzdem die Münchener Gemeinde die kostenfreie Bestattung auf ihrem Friedhof anbot. nach Breslau gebracht, wo sie Mittwoch früh von den Vorstehern der isr. Beerdigungsgesellschast, den Curatoren der Fränkel'schen Stiftung, den Dozenten und Hörern des jüdisch-tbeologischen Seminars empfangen und nach der Leichenhalle überführt wurde. Sogleich nach der Ueberführung übernahmen die in Breslau anwesenden Seminaristen, sowie einige frühere Schüler des Verewigten die Tobten - wacht. Schon am frühen Morgen des Donnerstag strömten viele Freunde und Bekannte aus den Friedhof, um den Verwandten des Tobten ihr Beileid zu bezeugen, welches diese um 10 Uhr in der Vorhalle entgegennahmen. Da sah man die tiefbetrübte Gattin an dem Arme ihres Sohnes, des Prof. Dr. Leo Graetz-München, sodann die einzige Tochter mit ihrem Gatten und vielbegabten Sohne, Schwager und Schwägerinnen, Neffen und Nichten. Unter den Leidtragenden bemerkte man ferner, außer den Curatoren und dem Lehrkörper des Seminars, die Vorsteher der Gemeinde und viele Vereine, deren Ehrenmitglied Grätz war, sowie Se. Magnificenz, den Rektor der Universität Prof. Dr. Brie und mehrere Professoren (Dr. Hermann Cohn, Dr. Hertz, Dr. Meyer u. 91.), während viele Rabbiner aus Nah und Fern, sowie die letzten Schüler des Tobten zu beiden Seiten des schmucklosen Sarges Aufstellung genommen hatten. Um 101/2 Uhr eröffnete Herr Oberkantor Deutsch mit seinem Chore die ernste Feier. Hierauf ergriff der Rabbiner der Gemeinde, Herr Dr. Rosenthal das Wort, um in längerer Rede die Wirksamkeit des Verklärten zu feiern. Dieser Predigt schlossen sich die Reden des Herrn Dr. Rosin für das Lehrerkollegium, des Herrn Rabb. Dr. Maybaum für die „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums" in Berlin und des Herrn Rabb. Pros. Dr. W. Bacher für das Profefforenkollegium der ungarischen Landesschule in Budapest an. Sodann wurde der Sarg von den Rabbinen und Seminaristen zu Grabe getragen, wo Herr Dr. Walter, z. Z. stellvertretender Rabbiner zu Bromberg, im Namen der letzten Schüler des Verewigten, diesem in beredten, alle Anwesenden tief ergreifenden Worten den Dank zurief. Mit einem Gesänge schloß die erhebende Feier nach 12 Uhr. England. London. Am 25. Tamus starb in London Herr Sigmund Jacobs nach langem Leiden. In dem Dahiugeschiedenen verlor die gesetzestreue Judenschaft Londons einen ihrer ersten und wackersten Vorkämpfer. . Einer der edelsten und wohltätigsten Männer ist mit ihm dayingegangen. Herr Sigmund Jacobs wurde in Kettwig an der Ruhr im Jahre 1828 geboren, kam im Jahre 1858 nach London und gelang es ihm hier durch rastlosen Fleiß sich bald ein blühendes Geschäft zu gründen. Vielfach wurde er zu Ehrenstellen berufen. So war er

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