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Der Israelit · 1891-09-14 · Heft 73 (14.9.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 73 (14.9.1891)
Date
1891-09-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXU. Jahrgang. Skilagr m M 73 drs „Israelit Jeschurun" »I >1 T—M Leitender Artikel Der Kslskisalisnsplau des Kam Kirflh. London, 11. September. Die Blätter veröffentlichen das Memorandum der „Jewish Colonisation Association", welches in Wirklichkeit den Plan zur Ausführung der Absichten des Baron Hirsch in Betreff der Auswanderung russischer Juden enthält. Das Handelsamt hat, nachdem es sich lediglich um einen wohlthätigen Zweck handelt, der Gesellschaft die größtmöglichsten Erleichterungen gewährt. Die Gesellschaft hat ein Capital von 2 Mill. Lstr. (40 Mill. Mark), welches in 20,000 Antheile a 100 Lstr. getheilt ist, von denen Baron Hirsch 19,990 Lstr. und Lord Rothschild, Julian Goldsmid, Ernest Joseph Cassel, F. D. Mocatta, S. H. Goldschmidt, Salomon Reinach und Louis Cohen je einen Antheil übernommen haben. Der Sitz der Gesellschaft ist England. Als Zweck derselben wird bezeichnet: Die Auswanderung von Juden aus irgend einem Theile Europas oder Asiens zu unterstützen und zu befördern, hauptsächlich aber aus Ländern, in welchen sie zur Zeit besonderen Steuern oder politischen oder anderen Beschränkungen unterworfen sind, nach irgend einem anderen Theile der Welt; Kolonien zu gründen in verschiedenen Theilen von Nord- und Süd-Amerika und anderen Ländern für ackerbauliche, kommerzielle und andere Zwecke; von Regierungen, Staaten, Gemeinden, Korporationen oder Personen Land oder sonstiges Eigenthum oder Rechte über Ländereien zu erwerben und alle diese zum Zwecke der Kolonisation zu verwerthen; ackerbauliche, kommerzielle und andere Niederlassungen in den so erworbenen Territorien, außer in Europa zu gründen und zu entwickeln; Wege, Eisenbahnen, Brücken, Häfen, Telegraphen, Fabriken, Synagogen, Bäder u. s. w. zu bauen oder deren Bau zu unterstützen; alle Arten Maaren zu kaufen, zu verkaufen, zu exportiren und Geschäfte jeder Art zu machen, welche der Auswanderung oder Kolonisation dienlich sein können; in verschiedenen Theilen Europas, Asiens und anderer Theile der Welt Auswanderungs- Agenturen zu errichten, Dampfschiffe und andere Fahrzeuge zu bauen, zu chartern und auszurüsten, um Kolonisten zu befördern. Landbewilligungen für Minenzwecke und andere Rechte der Kolonisten zu verschaffen, je nach den von der Gesellschaft von Zeit zu Zeit vorgeschriebenen Bedingungen, und die Kolonisten zu unterstützen, indem man ihnen Werkzeuge, Material, Vieh und andere Dinge gibt, welche für ackerüauliche oder andere Operationen nöthig sind; das nicht unmittelbar nothwendige Geld der Gesellschaft in sicheren Staatspapieren Englands, Frankreichs, Belgiens, Hollands, Deutschlands, der Vereinigten Staaten von Amerika, einiger oder eines derselben anzulegen. Die Einnahmen und das Eigenthum der Gesellschaft sollen nur zur Förderung des angegebenen Zweckes, kein Theil als Dividende oder Vortheil für die Mitglieder der Gesellschaft verwendet werden, doch dürfen Direktoren, Beamte, Mitglieder der Gesellschaft oder andere Personen für geleistete Dienste entschädigt werden. Wenn die Gesellschaft sich aufiöst und Vermögen nachbleibt, soll dasselbe nicht unter die Mitglieder der Gesellschaft vertheilt, sondern auf eine andere jüdische Institution übertragen werden, welche ahn-- liche Zwecke verfolgt. Mindestens einmal im Jahr sollen die Rechnungen der Gesellschaft revidirt werden. Während der ersten fünf Jahre nach Bildung der Gesellschaft darf die Mehrheit der Aktionäre die Bestimmungen des Statuts ändern und neue hinzufügen, nach Ablauf dieser Zeit aber nicht mehr, außer wenn auf der letzten allgemeinen Mitgliederversammlung vor Ablauf dieser Zeit die Inhaber von nicht weniger drei Viertel der Aktien anders beschließen oder nachher alle Aktionäre schriftlich ihre Zustimmung geben. — Zu dem Plane bemerkt die „Times", daß es sich um ein in jeder Beziehung riesenhaftes Unternehmen handele und wenn auch einige eminent praktische Geschäftsleute ihre Billigung desselben ausgesprochen hätten, könne man doch nicht einige Besorgniß unterdrücken. Es müsse sich erst zeigen, ob die russischen Juden sich zu Auswanderern und besonders nach einem neuen und unentwickelten Lande eignen. Auch könnten sich leicht Schwierigkeiten mit den Regierungen und den Völkern, wohin die kompakten Massen der Einwanderer gebracht werden sollen, erheben. Ebenso scheint es nichts unmöglich zu sein, daß die Regierung des Zaren sich weigern werde, die Leute ziehen zu lassen. Möge Rußland auch die Juden noch so sehr verabscheuen, so könnte es doch kaum gleichgiltig zuschauen, wenn zahlreiche seiner Unterthanen sich seiner Flagge entziehen. Selbst die Juden seien gutes Kanonenfutter in Kriegszeiten und Steuerzahler in Friedenszeiten. Es sei ferner zweifelhaft, inwieweit eine in solchem Maßstabe unternommene Auswanderung wirklich das Loos der Mehrheit der Juden bessern würde. Vielen möge^ es besser gehen, die große Masse der Bevölkerung aber würde verarmen durch den Verlust der Blüthe ihrer Rasse. Endlich lägen die Gefahren vor, welche alle in großem Maßstabe unternommenen Operationen in sich bergen: gerade ihre Größe setze sie unendlich vielem Risiko aus und es sei daher jedenfalls die äußerste Vorsicht nöthig. Die „St. James Gazette" meint, 2 Millionen Pfund Sterling fei eine große Summe, aber kaum ausreichend, um eine Million jüdischer Familien aus dem Innern Rußlands nach dem Innern Südamerika's zu befördern, und selbst wenn es gelänge, 2 bis 3 Millionen Juden nach dem Rio Plato zu schaffen, so sei es immerhin noch zweifelhaft, ob sie dort eine Existenz finden werden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 3. September, Eine vierte Sendung - von fünfhundert Mark (zusammen nunmehr M. 2000.) ließen wir heute an Herrn Oberrabbiner Rabbi Jizchak Elchanan Spector in Kowno zu Gunsten unserer abgebrannten Glaubensgenossen abgehen. Wie uns der Sohn des Herrn Oberrabbiners, der zu seiner Genesung in einem deutschen Bade weilte und uns die Ehre seines Besuches schenkte, berichtet, ist das Elend in den vom Brandunglück heimgesuchten Städten noch immer ein sehr großes, und sind uns daher weitere Gaben hochwillkommen. Mainz, 11. September. Aus Bobruisk im russischen Gouvernement Minsk, empfangen wir soeben von dem dortigen Rabbiner Schneiersohn

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