Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 73 (14.9.1891)
- Date
- 1891-09-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1391 lange Jahre Vorsteher der deutschen Synagoge in London. Seit sechs Jahren war er Präsident der Harribro-Synagoge, die er selbstverständlich treulich nach den Gesetzen unserer heiligen Religion leitete. Auch als Vertreter dieser Synagoge bei dem Board of Deputies hatte er Gelegenheit, segensreich zu wirken. irasun Türkei. Salonichi. Fast gleichzeitig mit dem Franzosen Raymond und dem Italiener,'Sollini wurden auch zwei Eingeborene aus Salonichi, ein Jude und ein Türke, von Räuberbanden entführt und gefangen gehalten. Das Lösegeld für diese beiden türkischen Unterthauen wurde aber nicht von der Pforte gezahlt, sondern mußte von den Verwandten der beiden Gefangenen aufgebracht werden. Ueber das Schicksal derselben in der Gefangenschaft wird aus Salonichi vom 30. August berichtet: Vor etwa zwei Monaten begab sich ein gewisser Juda Akoem, der Sohn eines Rohseidenhändlers, eines spanischen Juden in Salonichi, in die Bahnstation Gumendschje, um dort in der Umgegend von den Bauern und Ciflikbesitzern, die sich mit Seidenzucht befassen, Cocons zu kaufen. Nachts, als er in Gumendschje schlief, kamen mehrere Räuber ins Dorf und an das Haus, wo er eingekehrt war, klopften an die Thür und verlangten unter Drohungen die Oeffnung derselben. Nachdem dies erfolgt war, zwangen sie Juda, sich anzukleiden und ihnen ins Waldgebirge zu folgen. Der Anführer dieser Räuberbande, der sich Capitän Vasili nannte, verlangte von Juda's Vater ein Lösegeld von 5000 türkischen Goldlire. Als der Vali der Provinz Macedonien diesen frechen Ueberfall in dem stark bevölkerten bulgarischen Dorfe Gumendschje erfuhr, sandte er in die Bahnstationen der Salonichi-Ueskib-Bahn Militär, um die Räuber auszuforschen; die Truppen thaten ihre Pflicht, und bei einem Scharmützel wurden Räuber und Soldaten verwundet, aber um die Räuber zu umzingeln und festzunehmen, waren diese Abtheilungen zu schwach, weil die Ersteren hoch im Gebirge hausten, das im Vardarflußthale operirende Militär stets beobachteten und sich in kein Gefecht einließen. Auch wechselten sie an einem und demselben Tage oft zwei- bis dreimal ihre Verstecke, wozu sie stets > einen mit undurchdringlichem Dickicht umgebenen Platz wählten. Durch Kundschafter waren sie von den Bewegungen des Militärs genau unterrichtet und hatten Zeit, mit den Familien ihres Gefangenen zu verhandeln. Juda's Vater, der auch Häuser in Salonichi besitzt, wollte sich anfangs nicht herbeilassen, 5000 türkische Lire zu zahlen, sondern bot nur 1000 türkische Lire (gleich 10,800 österreichische Gulden.) Darauf ging Capitän Vasili nicht ein, und die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Beständig gingen die Boten ab und zu, um das Geschäft zu Stande zu bringen; beiderseits wurde endlich nachgegeben, bis das Ldsegeld mit 1500 türkische Lire festgesetzt war, welche der Vater zahlte und die in der Gegend der Station Gewgeli abgeliefert wurden, worauf die Räuber den Juden zur Bahnstation Gewgeli begleiteten. Dienstag den 25. August, Abends um 9 Uhr 35 Minuten, kam Juda mit dem Wiener Postzuge hier an. Die spanischen Juden, meistens seine Verwandten und Bekannten, hatten sich vor der Bahnstation Salonichi versammelt, und als Juda aus dem Waggon stieg, wurde er von seinem greisen Vater unter Thränen umarmt, desgleichen von seinen Verwandten begrüßt und von der jüdischen Bevölkerung mit Händeklatschen und Hurrahschreien bewillkommt. — Der zweite Fall betraf einen Unter-Agenten des belgischen Bankhauses Dreyfus, welches auf dem hiesigen Platze den Getreidehandel betreibt. Die Agenten dieses Hauses haben ihre Sitze in den Bahnstationen der Salonichi-Uesküb-Mitrovitza-Bahn und bedienen sich der Unter-Agenten, welche sich in die Dörfer begeben und mit den Bauern die Getreidekäufe abschließen. Vor sieben Wochen hatten sich aus der Bahnstation Demir - Kapu zwei Unter- Agenten — Türken — in ein eine Stunde von Demir-Kapu entferntes Dorf begeben und wurden unweit des Dorfes von Räubern überfallen. Einer der Agenten wollte sich durch die Flucht retten, die Räuber schossen ihm aber nach und tödteten ihn. Der zweite, Namens Osman, wurde gefesselt und ins Gebirg fortgeschleppt. Nachdem die Stellung, die er inne hatte, eine untergeordnete war, so verlangten die Räuber nur 50 türkische Goldlire als Lösegeld, welche das Bankhaus Dreyfus ihnen 'zukommen ließ. Am vergangenen Sonntag wurde Osman nach 45tägiger Gefangenschaft in Freiheit gesetzt und bis zur Station Demir-Kapu begleitet. Wochen - Kalender. Freitag, 18. September, 15. ©Hui. Sabbat-Anfang 5 Uhr 30 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 19. September, 16. Ellul. K12I“) 'D- Sabbat-Ausgang 6 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr.) Briefkasten der Redaetion. B. in Salonichi. Unsere Sammlung für die Abgebrannten daselbst ergab einen Betrag von Mk. 2056.42, die wir zur Zeit an den dortigen Oberrabbiner, Jacob H. Cowo, gelangen ließen. Briefkasten der Expedition. R. Pr. Stgd. Wir empfehlen Ihnen für angefragten Zweck die Firmen I. Kaufs mann und A. I. Hosmann in Frankfurt a. M. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.