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Der Israelit · 1891-09-14 · Heft 73 (14.9.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 73 (14.9.1891)
Date
1891-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1387 bete vereint, durch Thränenströme die Lüge ihres Daseins zu sühnen vermeinten — dann traf sie das Geschick, dann überfielen sie die Schergen des „heiligen Jnquisitionsgerichtes" und rissen sie hinweg von der Stätte, die sie heilig gewähnt. — Männer, Frauen und Kinder wurden dahingeschleppt zu den flammenden Haufen, die die „heilige Inquisition" entzündet hatte zu Ehren ihres Gottes, den sie den Gott der Liebe nannte, dem sie durch zuckende Menschenleiber ein liebliches Opfer darzubringen vermeinte. Doch oft, im Anblicke des martervollsten Feuertodes fanden die Unglücklichen den langentbehrten Muth, von Flammen umzingelt, verkündeten sie laut den Namen des Alleinen, und mit dem Bekenntnisse des Alleinen auf den Lippen, schwang ihre Seele sich zu Ihm empor. Oft auch war es jenen nur mit dem Munde abgefallenen Judenchristen rechtzeitig verrathen worden, daß die Inquisition ihrem nächtlichen Treiben auf der Spur, und sie waren dadurch zur Flucht gedrängt worden. Viele hatten sich nach der zunächst liegenden Küste Afrikas gewandt, hatten dort Schutz gesucht und zuweilen auch gefunden, Viele hatten in Italien Unterkunft gesucht, doch in späterer Zeit hatten sich die Flüchtigen mit Vorliebe nach Norden gewandt, hatten namentlich in den Niederlanden größere Gemeinden gegründet. Die Amsterdamer Gemeinde jener Zeit bestand zum größten Theil aus spanischen und portugiesischen Flüchtlingen. Auch Rabbi Juda Toledo, in dessen Familienkreis wir den freundlichen Leser einzuführen gedenken, entstammte einer angesehenen spanischen Familie; auch seine Eltern waren Judenchristen gewesen. Ob sie als solche bereits geboren oder ob sie einst frei und offen den Glauben bekannt hatten, den sie im Herzen getragen, das hatte Rabbi Juda nie erfahren, denn er hatte seine Eltern früh, sehr früh verloren. Sein Vater, Don Alfonso, war ein reicher, hochangesehener Mann gewesen; in seinem prächtigen, im maurischen Styl erbauten Hause versammelten sich oft die angesehensten Männer Spaniens zu heiterem Gelage, unter ihnen Männer des höchsten Adels und hochgestellte Geistliche. Doch in jeglicher Sabbatnacht und in den Nächten der hohen Feste versammelten sich in einem zur Synagoge eingerichteten unterirdischen Gelasse dieses Hauses die ihm befreundeten Glaubensgenossen, um im Vereine mit ihm und seiner Familie ihre Andacht zu verrichten. Auch Rabbi Juda, damals Juanito genannt, und seine Schwester Jsabella waren einst gegenwärtig gewesen, und oft hatten sie sich gewundert, weßhalb alle die Männer und die Frauen so oft und so heftig geweint, und weßhalb sie so oft mit der geballten Hand gegen die Brust sich geschlagen, daß es manchesmal dröhnte. Aber sie wußten, daß sie es keiner menschlichen Seele verrathen durften, was sie da unten gesehen, denn die Eltern hatten keine Ahnung, daß die Kinder sie belauschten, nur die alte Dienerin, die die Küche besorgte, hatte es auf sich genommen, die kleinen, noch unverständigen Kinder das sehen zu lassen, was, wenn sie es verrathen, die Eltern und sämmtliche Betheiligte auf den Scheiterhaufen hätte bringen können. Aber die Kinder hatten geschwiegen. Zu den fleißigsten Besuchern des Hauses Don Alfonso's gehörte ein hochgestellter Geistlicher, der wohl der holden Donna Bianca zu tief in die wunderbar schönen, nur allzu schwermüthig blickenden Augen geschaut haben mochte. Er wußte sich ihrem Gatten bei jeder Gelgenheit gefällig zu zeigen, tändelte gern mit ihren schönen Kindern, und sprach stets in den achtungsvollsten Worten zu der Dame seines Herzens, nur seine Augen wußte er nicht immer im Zügel zu halten. Die Dienstboten, die hin und wieder im Zimmer verkehrten, hatten es längst errathen, was ihrer Herrin wohl immer Geheimniß geblieben ist. Donna Bianca hatte eine prachtvolle Altstimme, die sie zuweilen mit der Mandoline zu begleiten pflegte; der erwähnte Geistliche hatte sie einst getroffen, als sie ihren Kindern ein Lied gesungen hatte. Wenige Tage darauf hatte er wiederum ihrem Gatten eine bedeutende Gefälligkeit erwiesen, und als dieser sich in den wärmsten Ausdrücken seines Dankes erging, hatte der Geistliche ihn unterbrochen. „Lassen wir die Geschäfte jetzt ruhen, Don Alfouso, vielleicht erfreut uns Eure edle Gattin durch den Vortrag eines ihrer Lieder, die sie so meisterhaft auf der Mandoline zu begleiten pflegt." Er hatte sich bei diesen Worten der Dame des Hauses genähert und bot ihr nun das erwähnte Instrument. „Darf ich bitten, Sennora?" Donna Bianca war erblaßt, wie Hilfe suchend, hatte sie das Auge dem Gatten zugewandt, doch dessen Blick hatte sie kalt und streng getroffen. — Es war Sabbat — sie hatte den Sabbat noch nie durch eine verbotene Werkthätigkeit entweiht — und obwohl der Blick des Gatten ihr befahl, zu thun, um was der Geistliche sie gebeten, und obwohl sie sich vollkommen klar war, daß ihr Zögern, wenn der Grund desselben errathen würde, ihr Leben und das der Ihren gefährden könne — dennoch zögerte sie. „Verzeiht, hochwürdiger Herr, aber ich zweifle, daß ich heute im Stande sein werde, Eurem

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