Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 73 (14.9.1891)
- Date
- 1891-09-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1385 Breuer augenblicklich abwesend ist, ein Bruder des Heimgegangenen, Herr Rabbiner Dr. Carleba ch ''j, Lübeck, dem tiefen Schmerz treffenden Ausdruck , indem er in geistvoller Ausführung der Worte 'jn “jorm o’öm pui ein Bild seines edlen Bruders entwarf, das uns den Verlust erst recht schmerzlich nahe legte. — Gebe den Hinterbliebenen Trost nrsm m’i pnm t£om wn *a. Möchte ihnen das ma? des theueren Heimgegangenen beistehen und der Gedanke an ihren Vater, seine Kinder aneifern, ihm ähnlich zu werden, daß er in ihnen fortlebe und wirke. Jn Werßenbrrrg im Elsaß wollen einige Mitglieder der jüdischen Gemeinde partout eine Orgel in die Synagoge praktiziren, obschon einem großen Theil der Synagogenbesucher, die noch treu an dem Alten hangen, dies im höchsten Grade unangenehm wäre. Sogar ein Mitglied des Consistoriums, Herr Cers, ein geborener Weißerrburger, hat sich gegen Einführung der Orgel in Weißenburg ausgesprochen; trotzdem kann mau seine Sehnsucht nach dem Gebrumme der Baßpfeifen beim Ein- und Ausheben der Thora nicht bezwingen und das Kirchengeräth wird wahrscheinlich demnächst seinem Einzug in die Weißenburger Synagoge halten. Schade, daß Meyerbeer nicht mehr lebt, er hätte vielleicht bei seiner in voriger Nummer geschilderten Sympathie für dieses Instrument den Weißenburgern zur Einweihung einen „Choral" componirt. Frankreich. Paris, 2. Sept. Jn der Medizinischen Akademie sprach heute Professor Germain S e e in Beantwortung der Mittheilungen Lagenaus und Javals bezüglich der Krankheiten der Juden und über die Gesundheitspflege dieses Volkes. Er rühmte die Sorge der jüdischen Mütter um ihre Kinder, die starke Vermehrung der Juden, die geringe Zahl unehelicher Geburten und die Mäßigkeit derselben im Genüsse geistiger Getränke. Er schreibt diese und andere Vorzüge des jüdischen Volkes den Vorschriften über hie Gesundheitspflege zu, welche die israelitische Peligion enthält, und widerlegte Javals Behauptung, daß sich bei den Juden häufig Fälle von Fallsucht, Kurzsichtigkeit und andere Augenkrankhetten fänden. Worms, der seit 11 Jahren das hiesige israelitische Krankenhaus leitet, erklärt, daß er keine besondere Anlage zur Empfänglichkeit für diese Krankheiten bei den Juden gefunden habe. Lagenau ist der Ansicht, daß die Juden eine besondere Empfänglichkeit für Fallsucht und Harnfluß hätten. Leblanc glaubt, daß das Verbot, Schweinefleisch zu essen, namentlich gegen den Aussatz als Vorbeugungsmittel dienen solle.- -, England. London, 8. September. Nachdem hier vor einigen Tagen eine Massenversammlung abgehalten worden war, um gegen die Einwanderung russischer Juden zu protestiren, hat eine solche nun auch in New-Uork stattgefunden. Auf der letzteren wurde behauptet, daß die Verwalter des Fonds von Baron Hirsch Amerika mit billigen Arbeitern aus Rußland überschwemmen, um so dem Kapital gegen die Arbeiterorganisationen zu helfen. Um sich über diesen Punkt Klarheit zu verschaffen, hat ein Mitarbeiter des „New-Iork Herald" gestern Lord Rothschild besucht und ihn über die Angelegenheit befragt. „Nicht ein Dollar von dem Gelde des Baron Hirsch", sagte Lord Rothschild, „ist dazu benutzt worden, um Jemanden nach Amerika zu senden und keines wird dazu verwendet werden. Es liegt nicht die Absicht vor, Leute in solcher Weise nach Amerika zu senden. Wenn Auswanderer mit ihrem eigenen Gelde nach Amerika gehen, können wir dies nicht hindern. Jn der vorigen Woche kamen hierher 20 oder 30 Auswanderer aus Rußland, welche ihre Passage selbst bezahlten. Wir sind für deren Bewegungen nicht verantwortlich. Das ist Alles, was ich zu sagen habe." A u st r a l i e n. Melbourne. Jn der Vertretung der Provinz North Iarra (Victoria) war ein Mandat frei und als dasselbe neu besetzt werden sollte, weigerte sich der Präsident der gesetzgebenden Körperschaft, Sir James Max Bain, den Wahltag auf einen Samstag festzusetzen. Er sagte, er wolle, obwohl durchaus nicht die Anschauungen der Juden in Allem billigend, doch die religiösen Ueberzeugungen der jüdischen Mitbürger schonen. Sir James ausdrücklicher Wunsch ging dahin, cs sollte die Abhaltung einer Wahl an einem Samstag in Hinkunft nicht auf einen bereits stattgehabten Präcedenzfall Hinweisen können. vermischtes. AuS Hessen. Der „Israelit," der seit Jahrzehnten bestrebt ist, unter unseren Glaubensbrüdern den Sinn für echt religiöses Leben, verbunden mit gediegener, zeitgemäßer Bildung zu wecken und zu fördern, hat wohl ein Interesse daran, seinem zahlreichen Leserkreis Mittheilung zu machen von dem Gedeihen einer Anstalt, die ein gleiches Ziel zu erreichen strebt, seinen Zöglingen neben einer streng religiösen Erziehung eine gediegene, wissenschaftliche Ausbildung gewährt und sie hierdurch befähigt, als tüchtige, gebildete und glaubensfeste junge Männer ihrem Lebensberuf zu folgen. Wir meinen das seit 1857 bestehende Lehr- und Erziehungs-Institut zu Pfungstadt, Realuud Handelsschule nebst Pensionat, das auch im laufenden Semester wieder einen bedeutenden Zufluß von Schülern aus den verschiedensten Gegenden erfahren. Möge die wackere Anstalt auch ferner gedeihen.