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Der Israelit · 1891-09-14 · Heft 73 (14.9.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 73 (14.9.1891)
Date
1891-09-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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13§4 Spuren namhaft madjt, die zu der Erutrung des Mörders führen. Das dortige Lokalblatt sieht sich nun veranlaßt, gegen die Gemüthsrohheit, die sich auch selbst bet diesem entsetzlichen Anlaß kundgegeben, mit folgender Abfertigung aufzutreten: „Das schreckliche Ereigniß von Sonntag Abend hat natürlich die Gemüther in unserer Stadt aufs Heftigste erregt. Wohl überall hört man tiefen Abscheu über die That aussprechen, mitunter geschieht dies aber in einer so leichtfertigen, fast frivolen Weise, daß jeder anständige Mensch dadurch verletzt werden muß. Man begegnet, mit Bedauern muß es hier gesagt werden, Scherzen, die an die Konfession des so jäh und auf so entsetzliche Art Dahtngerafften geknüpft sind, angeblichen Scherzen, die eine große Rohheit des Herzens bekunden. Gewiß in letzter Linie, wenn überhaupt, hat der Mordbube an die Konfession seines Opfers gedacht, er würde den offenbar allmählich in ihm herangereiften Plan auch ausgeführt haben, wenn der zu Beraubende Christ oder Heide gewesen wäre. Die Hauptsache war ihm das Geld, mit welchem er einer schiffbrüchigen Existenz aufhelfen wollte oder ein Faulenzerdasein sorrzusetzen beabsichtigte. Wohl noch nie hat ein Verbrecher von derartig erworbenem Gute Segen gehabt, und auch den Verüber des scheußlichen Mordes in der Breitenstraße wird der Arm der Gerechtigkeit früh oder spät erreichen. Es ist aber zu beklagen, daß ein so trauriges Ereigniß, an welchem menschlich die ganze Einwohnerschaft betheiligt ist, zum Ausgangspunkt der Verhetzung eines Theiles derselben genommen wird. Niemand wird sagen dürfen, daß er gegen die Zufälle menschlichen Geschickes gefeit sei, und Niemand weiß, wie seine Tage einst enden werden. Es kann nur Jeder wünschen, daß ihn der Himmel vor einem solchen Schicksale bewahre, wie es den Kaufmann Siegfried Hirschfeld, der zufällig Jude war, betroffen hat." — Die Beerdigung des in so entsetzlicher Weise ermordeten Hirschfeld hat am 26. vor. Monats unter außerordentlich großer Betheiligung der gesammten Bevölkerung Spandaus auf dem israelitischen Kirchhof in der Schönwalderftraße stattgesunden. Der imposante Trauerzug, der etwa 800 Personen und eine fast unübersehbare Reihe von Equipagen aufwies, setzte sich von der Leichenhalle aus in Bewegung nach der Potsdamerstraße, wo vor dem Hause Nr. 8 derselben, der Wohnung des Ermordeten, kurzer Halt gemacht wurde. Alsdann begab sich der Zug durch die von Tausenden von Zuschauern besetzten Straßen nach obigem Friedhof hinaus, wo der eine Prediger Herr Dr. Julius Landsberger aus Berlin ergreifende Trauerrede hielt; nach den üblichen Ceremonien wurde der einfache Sarg der Erde übergeben. Berlin, 6. September. Das Grab des großen Componisten, unseres Glaubensgenossen Meyerbeer, war gestern, als am 100. Geburtstage des Meisters, zahlreich besucht worden. Die Töchter, welche nicht dem Beispiele des großen Vaters folgten, vielmehr klingende Titulaturen der unerschütterlichen Glaubensliebe vorzogen, gaben ihrer Verehrung für den jüdischen Vater durch Niederlegung von Kränzen Ausdruck. Dagegen war die hervorragende Künstlerwelt persönlich erschienen, um dem unsterblichen Helden der Tonkunst den Zoll der Verehrung darzubringen. Das Grab befindet sich bekanntlich auf dem alten Friedhofe in der großen Hamburgerstraße. Frankfurt a. M., 8.Sept. Unser jüdischer Kreis hat abermals den Verlust eines seiner treuesten Mitglieder zu beklagen. Am tr> endete Max Carlebach im Alter von 52 Jahren nach langem mit so unendlicher Geduld ertragenen Leiden sein reiches, gottgefälliges Leben. Jeder, der das Glück gehabt, sich zu den Freunden dieses Mannes zählen zu dürfen, wird von schmerzlichem Weh durchzuckt sich fühlen, in dem Gedanken, daß er nun diesen Freund so früh verloren hat. Ruft ja die Erinnerung an ihn ein Bild wach, das nur von Liebe strahlt, von seiner Mildthätigkeit, seiner immerwährenden Hilfsbereitschaft Zeugniß ablegt und zugleich den Mann mit dem Willensstärken Charakter kennzeichnet. Was ein solcher Mann seinen näheren Angehörigen war und wie tiefschmerzlich er gerade von seiner Familie vermißt wird, das vermögen Freunde an der Größe ihres Schmerzes zu ermessen. Max Carlebach war ein Helfer der Armen, der keine Noth und Dürftigkeit ungelindert sehen konnte. Obwohl selbst mannichfachen Prüflingen des Lebens ausgesetzt, dachte er nie an sich, sondern wandte sein Mitgefühl dem leidenden Mitbruder zu, sein eigenes Leid hierdurch vergessend. — In Stuttgart, seinem früheren Wohnsitz, gründete er mit Wenigen eine Religionsgesellschaft, die an ihm die wesentlichste Stütze besaß. Und als seinem von der Wahrheit der min durchdrungenen Herzen der in Stuttgart gepflegte jüdische Sinn nicht genügte, siedelte er nach hier mit Weib und Kind über, unbeirrt um Spötteleien und die Meinung derer, die nicht ahnten, welch' tief jüdischer Ernst seine Brust erfüllte. Hier stillte er nach Erledigung seiner Geschäfteseinen Drang zur min und noch aus dem Krankenlager lernte er, so oft es seine Schmerzen erlaubten, mit einem Rabbi. Der Religionsgesellschaft in Stuttgart blieb sein Interesse hilfreich zugewandt und inmitten seiner Leiden vergaß er nicht seinen Beitrag zu senden. — Am Grabe gab, da unser verehrter Herr Rabbiner Dr.

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