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Der Israelit · 1891-09-14 · Heft 73 (14.9.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 73 (14.9.1891)
Date
1891-09-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1388 in Fragen über Verbal- und Nealbeleidigungen, in Diebstahl- und sonstigen unehrlichen Erwerbsfragen und drittens in einfachen Geldprozessen. — Handelt es sich um die erste Rubrik, so hat der Richter festzustellen, is-in rD'tf 2 dk, ob der behaupteten körperlichen Beschädigung Feindschaft zu Grunde liegt oder ob vielleicht, ein nicht zu umgehen gewesener Unglücksfall vorliegt. — Bei der zweiten Rubrik wäre zu untersuchen, ob es sich um Betrug, Diebstahl, Einbruch oder Raub handelt. — In einfachen Geldprozessen, als: tod rrc&n jrwvrnobn;rwiVn nobn jrroB'nra^n u. s. w., bei Anleihen, Vermiethungen, Kauf¬ oder Geschäftsfragen kommt es meist zur Eidesleistung. — Einen Eid herbeizusühren müßte jeder Gottesfürchtige aufs äußerste perhorresciren, und daher alles aufbieten, um ihn zu vermeiden. Ein Eid wäre in der vollsten Bedeutung des Wortes eine KM nyaip, ein uunöthiger Eid, wenn die Gegenpartei dem zu Beeidigenden auf das Wort allein glauben würde. — Gewiß möge es eine große mn sein, als Richter Frieden zu stiften, da, wo Zank und Hader die Menschen zu entzweien drohen; aber nicht minder groß und gar schwer sei die Verantwortung, die der Richter übernimmt. — „Wer ist einem „Rabbi" gleich", möge wohl R. Jsmael gepredigt haben, „der als b'n w'K einzig dasteht, ein ditldip1? yn», wie kein Anderer" — von seinen ausgebreiteten Sprachkenntnissen weiß der Talmud auf verschiedenen Stellen zu erzählen —, „ein r>QK WH, ein Vertrauensmann, dem selbst der römische Kaiser das unbegrenzteste Zutrauen geschenkt, ein ysa toty, der sein großes Vermögen nur im Dienste Gottes verwaltet!" .p-i7i p *my Wer sich unter diesen Umftänden, w o das Recht und seineHandhabung in die bewährten Hände eines solchen Mannes gelegt ist, sich der Urtheilsfällung entzieht, ijdd p"ns, der entlastet sich der Verantwortung, die ihm aus der Untersuchung über über Feindschaftsursache bei ro^an \n erwächst, er befreit sich von Gewissensscrupeln über wenn Fragen des Diebstahls, Raubs oder Betrugs vorliegen und braucht sich keinen Vorwurf zu machen, daß er aus Fahrlässigkeit nicht Alles aufgeboten hätte, um in Geldangelegenheiten u. s. w. eine nyDtP/ eine unnöthige Eidesleistung zu verhüten. — Das Recht wird von „Rabbi" und den von ihm in seiner Weisheit ausgewählten und ernannten Vertretern der Thora gemäß gehandhabt und ein Einschreiten von anderer Seite, die nicht dazu legitimirt, kann der Sache mehr schaden, wie nützen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 10. Sept. Auf Wunsch mehrerer unserer geehrten Leser sei hiermit wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß sich das Hotel zum Römischen Kaiser in Frankfurt a. M. nicht mehr in jüdischen Händen befindet. Es soll in jüngster Zeit mehrere Mal vorgekommen sein, daß Reisende aus Norddeutschland, die auf rituelle Verpflegung reflectirten, daselbst eingekehrt und erst als zum Dessert Butterbrot» und Käse servirt wurde, sie ihren Jrrthum gewahr wurden. Wer übrigens die Befolgung unserer Speisegesetze ernst nimmt, dem wird etwas Derartiges niemals Vorkommen; immerhin mag diese Warnung am Platze sein. Mainz, 10. Sept. Der frühere russische Premierminister Jgnatiew, der sich gegenwärtig in einem Kurorte am Rhein aufhält, scheint, wie uns von verschiedenen Seiten berichtet wird, den Versuch zu machen, die Verantwortlichkeit für die russischen Judenverfolgungen von seinen Schultern abwälzen zu wollen. Nach der einen Version habe er auf Befragen eines Buchhändlers, bei welchem er Einkäufe machte, erklärt, daß ihn irgend welche Schuld an den Judengesetzen nicht träfe. Er sei nur in dieser Beziehung wie eine Maschine gewesen, die von Anderen in Bewegung gesetzt worden sei. Jeder Andere an seiner Stelle hätte genau ebenso handeln müssen. Nach einer anderen Version sei Jgnatiew am Brunnen aus einen russischen Juden zugegangen und habe mit ihm eine Unterhaltung angeknüpft. Als im Laufe des Gesprächs der Jude, der sich schon lange im Ausland aufhalte, sich erkundigte, ob die Verfolgungen seiner Glaubensgenossen in Rußland thatsächlich so große Dimensionen angenommen habe, wie die deutschen Blätter berichten, soll Jgnatiew erwiedert haben, es sei leider Alles wahr und wenn er jemals geahnt hätte, daß die Sache eine solche Ausdehnung gewinnen würde, so hätte er solche nie begonnen. Die jetzigen Berather des Czaren verstünden nicht mit demselben umzugehen und wenn er, Jgnatiew, noch am Ruder wäre, so hätte die Sache schon längst ein Ende. Berlin, 1. September. Einen charakteristischen Beitrag zu der Frage: „Wohin führt der Antisemitismus?" liefert der Mord des Kaufmanns Hirsch seid in Spandau. Hirschfeld erhielt fünf Schüsse aus einem Revolver in den Kopf, worauf sein Schädel mit einem schweren, eisernen Schraubenzieher zertrümmert wurde. 3000 Mark Baargeld und Coupons von Loosen im Werthe von 90,000 Mark wurden gestohlen. Die Polizei schrieb einen Preis I von 600 Mark aus für denjenigen, der ihr sichere

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