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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1374 mehr als einen rein mechanischen Eindruck gemacht zu haben. Ein Zuhörer und keiner der unaufmerksamsten sagte in treuherziger Leutseligkeit zu mir: „Herr Lehrer, früher haben Sie schöner gelernt; die Psalmen mögen sehr schön sein, aber wir verstehen sie nicht." Diese Aeußerung erinnerte mich lebhaft an das, was uns von Rab Chija und Abuhu erzählt wird. „Die zwei Meister kamen in Pumpeditha an. Hörlustig ist das Volk und strömt herbei, um an der Hand der kundigen Führer durch des Wissens stolzen Bau zu schreiten. Chija war wett und breit bekannt; ein scharfer Geist, ein gründliches Wissen zeichnen ihn vor allen aus. Er soll zuerst den Vortrag halten. Mit Meisterschaft ordnet er den ttefbegründeten Stoff, tiefe Blicke läßt er in den reichen Schacht des Geistes thun, ernst und gemessen paßt dem Gedanken er die Worte an. Man lauscht zuerst, doch man ermüdet bald — man geht von dannen, man kömmt nicht wieder. — Des anderen Tages soll Abuhu sprechen. Ihm ward der Rede hohe Gabe, des Wortes reicher Schatz zu theil. Leicht schürzt er der Gedanken Knoten, leicht und spielend hat er ihn gelöset. Midraschim und Agadahs erzählt er dem Volke, das so vergnüglich lauscht, und immer neu drängt die Menge herbei — ihr Wissensdurst ist unersättlich. — Drob kränkt sich Chija gar sehr, daß ihm so wenig und dem andern so viel des Beifalls war geworden. Doch Abuhu tröstet ihn und spricht: Mein Bruder, Du botest ihnen Perlen und Edelsteine. Die finden selten einen Käufer; denn Deine Kunden müssen reich, müssen sachverständig sein. Ich dagegen bin ein armer Krämer, der Würze und Balsam für den Hausbrauch nur verkauft. Wer ist so arm, um nicht ein wenig Würze kaufen zu können? Wer so unverständig, ihren Duft zu verschmähen? Mein Bruder! laß' die Würze den Armen, deren es so viele gibt und die Perlen — ei nun — die halte für die Reichen." Sind wir über die Nahrungsstoffe, aus denen die Kost, die unseren Zuhörern am zuträglichsten ist, bestehen soll, einig, so darf es dem Geschick und der Erfahrung jedes Einzelnen getrost überlassen werden, in welchen Mengen er dieselben reichen will. Recht warm möchte ich auch den Gebrauch der Mischnah empfehlen, die sich besonders an hohen Festtagen zu Vorträgen eignet. Wir wollen keine generellen Vorschriften geben, welche Bücher sich zum Gebrauche am besten eignen und welche auf den Index zu setzen sind. Ueber die eigentliche Vortragsweise Ausführlicheres zu sagen, halten wir für überflüssig; es darf als selbstredend vorausgesetzt werden, daß der Lehrer seine Uebertragungen nur in gewählter, mit entsprechenden Bildern ausgeschmückter Sprache vornimmt, was ihm bet gewissenhafter Vorbereitung auch gelingt. Wenn der Lehrer diese Gesichtspunkte im Auge behält, kann es nicht fehlen, daß die Schturvorträge auch für die Folge ihre hohe Stellung als integrirender Theil des israelitischen Kultus behaupten. Ein Mahnruf an unsere edelgesinnten Gemeinden! (Von unserem Mitarbeiter &.) I. Die würdige Besoldung der Lehrer. Liebe Leser! So ungern ich Euch einlade, meiner Gedankenwelt einen Besuch abzustatten, weil ich nicht überzeugt bin, daß Euch vieles in ihr interessiren würde, so bitte ich diesesmal recht höflich, auf ein Weilchen mit mir zu kommen und mir geneigtes Gehör zu schenken. Ich versichere Euch, es dürfte sich lohnen. — Also Ihr wollt? O, wie gut Ihr seid! Habt Dank, vielen Dank. — Damit Jhr's nun gleich wißt: ich mache recht viel Jnseratenstudten. Wie geistlos! höre ich Euch sagen. Nicht doch, meine Lieben, Ihr irrt. Machet es nur so wie ich, dann werdet Ihr finden, daß diese Studien interessanter, wenn nicht noch bedeutend werthvoller sind, als Euer Romanelesen. Und — merkt, was ich Euch sage: auch in dem Jnseratentheile einer Zeitung spielt sich gar häufig ein Roman ab, aber — er endet meist nicht zufriedenstellend. Ein kleines Pröbchen: „Die Gemeinde H. sucht zu« baldigen .Antritt einen seminaristisch gebildeten Lehrer, Cantor und Schächter, der eine schöne Stimme besitzt, musikalisch und befähigt ist, einen kleinen Chor zu leiten. Gehalt 750 M. 27 Pf." — Diese Annonce, meine freundlichen Leser, könnt Ihr jahraus, jahrein an derselben Stelle wiederfinden. Jst's ein Wunder? Baare 750 Mark 27 Pfennige in Reichsgeld, denkt Euch! Ist das zum Leben nicht zu viel — zum Sterben zu wenig? Da melden sich nun thatsächlich Etliche, die aus, wer weiß was für Gründen, wechseln wollen. Kommt einer zur Probe, wird er gefragt, ob er religiös oder nicht, verhetrathet oderunbeweibt sei; man sieht, ob er schwarze, oder blonde Haare, Tenor oder Baß hat, ob er auch

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