Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 72 (10.9.1891)
- Date
- 1891-09-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Orthodoxe KuderrthunW l-CWVA O S ES'.'l- [IO. Sept. 1891. Nr. 6.] mm || III II. mm. Inhalt: Aphorismen über Schiurvorträge. Von Lehrer S. Pfeifer, Neckendorf. (Schluß.) — Ein Mahnruf an unsere edelgesinnten Gemeinden. — Aus Stadt und Land: Ratibor. Aus Bayern. — Briefkasten. Aphorismen über Schiur-Borträge. Von Lehrer 8. Recken darf (Schluß). Der Vortragende lasse sich aber durch den erzielten Erfolg nicht verleiten, seinen eingeschlagenen Weg, der einem Pfade gleich durch einen anmuthigen Wiesenteppich geradlinig hinzieht und der für ihn den Reiz verliert, weil ihn zu durchschreiten, keine Hindernisse zu nehmen kostet, zu verlassen und einen romantischeren, der durch duftige Tannenwälder den steilen Hügel hinaufführt, wohin ihm nur wenige zu folgen vermögen, einzuschlagen. Auch lasse er sich nicht durch den herrlicheren Fernblick, den ihm jetzt ein erhöhter Standpunkt gestattet, täuschen und muthe seinen Zuhörern nicht zu, ihm durch die enggewundenen Pfade der Logik in das zwar herrliche Gebäude der Wissenschaftlichkeit und Gelehrsamkeit zu folgen und sich darin heimisch zu fühlen. Sobald er den Boden des gemeinhin Verständlichen verläßt, schwindet das lautere Interesse der Zuhörer und an Stelle des freudigen Eingehens auf das Dargebotene tritt Befangenheit oder aber scheue Bewunderung der Gelehrsamkeit. Damit sei nicht gesagt, daß sich der Vortragende über alle Regeln der Logik hinwegsetzen und die Fortschritte über dem heutigen Stand der Wissenschaft unberücksichtigt lassen dürfe oder gar müsse, es sei nur ein beherzigenswerthes Mahnwort an alle Lehrer gerichtet, für gewöhnlich alle jene Vorträge zu vermeiden, die ein tiefes Erfassen und mühevolles Verständniß erfordern *). Um die manchem Leser vielleicht etwas paradox *) Anm. der Red. Doch darf der Vortragende nicht glauben, durch Oberflächlichkeit und Phrasen sein Ziel zu erreichen. Der Mittelweg scheint, wie überall, auch hier das Beste. scheinende Behauptung durch ein augenfälliges Beispiel zu motiviren, sei es gestattet, eine persönliche Reminiscenz hier einzuflechten. Ich trug schon mehrere Jahre aus den bekannten Schiurbüchern von Schwarz und Seligsberg vor. Um Abwechslung zu schaffen und um dem ewigen Einerlei des gestern das reizende Neue von heute an die Seite zu setzen, entschloß ich mich, die Psalmencommentare von Hirsch vorzutragen. Wer von uns Lehrern hat sich nicht schon ergötzt und mitunter berauscht an dem herrlichen Werke dieses tiefen Denkers! Wer ist nicht gerne, wenn auch mühevoll, seiner wissenschaftlichen Methode, das Verständniß dieser köstlichsten aller Geistesprodukte zu erschließen, gefolgt, wenn sie auch recht wackere Anforderungen an den grammatisch und talmudisch nicht immer genügend vorgebildeten Lehrer stellt! Wer hat' ihm nicht schon herzlich Dank gewußt dafür, daß er bemüht war, diese nie ganz zu hebenden Schätze von tiefer Belehrung und Unterweisung auch einem größeren Publikum zugänglich zu machen, diesen herrlichen Trostspender in allen Nöthen und Gefahren dem Herzen des Volkes recht nahe zu bringen! Wer fühlt sich nicht durch die alles verklärende, feurigglühende Begeisterung des Interpreten für die Heilswahrheiten, die den ganzen inneren Menschen mächtig packt und gewaltig aufregt, herrlich angemuthet! Trotz dieser und noch mancher ungerühmten Vorzüge eignet sich dieses Buch und alle andern verwandten Inhalts nach unserer unmaßgeblichen Ansicht nur in seltenen Fällen zu Schiurvorträgen. Die herrlichen Gedanken gehen wegen ihres lehrhaft dogmatischen Gepräges wirkungslos verloren, ohne Nr. 72, S. 1369 — 1372 sind erst zwischen S. 1374/1375 eingebunden.