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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1358 ten Winter gab es Fälle von Typhus, welche aber hier nichts Ungewöhnliches sind. Auch einige Scharlachfälle sind vorgekommen, aber von einer Epidemie kann man nicht sprechen. Vermischtes. Breslau. Seit Monaten treffen in Breslau jeden Montag Sonderzüge mit jüdischen Auswanderern aus Rußland ein. Vor acht Tagen hatte aber der »Post" zufolge der Sonderzug auSfallen müssen, weil unsere Seehäfen sich zeitweilig außer Stande erklärt hatten, den Zufluß dieser Auswanderer mit der erforderlichen Sicherheit und Schnelligkeit weiter zu befördern. So lange die Möglichkeit einer derartigen Weiterbeförderung fehlt, werden die jüdischen Auswanderer, wie die „Schles. Ztg." aus diesem Falle schließt, nicht über die Grenze gelassen. Königsberg, 29. Aug. Um die Noth der hier noch immer sehr zahlreich durchkommenden ausgewiesenen russischen Juden, welche aller Mittel entblößt sind, zu lindern, hat sich noch ein zweites Hilsscomitö gebildet, welches nach dem Muster des „Charlottenburger Hilfscomites", eine sogenannte „Schneeballen-Colecte" ins Werk setzt. Müncheberg, 6. September. Am 28. v. M. feierte in unserer Stadt der frühere Prediger und Lehrer der jüdischen Gemeinde, Herr W. H. Alexander mit seiner Ehefrau das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubelbräutigam steht im 80., die Jubelbraut im 71. Lebensjahre; beide erfreuen sich einer seltenen körperlichen wie geistigen Frische. Bei der großen Beliebtheit und Achtung, welche sowohl Herr Alexander, der 35 Jahre lang in treuer Pflichterfüllung an der Spitze der kleinen Gemeinde stand, wie auch deffen Gattin hier allgemein genießen, begingen mit den zahlreichen Angehörigen der Alexander'schen Eheleute die jüdische Gemeinde und das gesammte Städtchen das Fest des Jubelpaares in würdiger Weise. StraßVurg, i. E. Ende August. Von großer Wichtigkeit dürfte eine dieser Tage erlassene Ministerial-Verordnung sein, wonach vom 1- April 1892 ab die deutsche Sprache nun auch für die Kultusbehörden Elsaß-Lothringens die obligatorische sein wird. Von dem genannten Tage ab haben sämmtliche Kirchenräthe, Presbyterialräthe und Synagozen-Verwaltungen, sowie die Verwaltungskommisionen der kirchlichen Unterrichtsanstaltrn ihre amtlichen Schriftstücke insbesondere die Protokolle, Beschlüsse, Verfügungen, Etats, Rechnungen und Register in deutscher Sprache abzufassen, sofern nicht einzelnen derselben aus ihren Antrag der Gebrauch der französischen Sprache zeitweise durch das Ministerium gestattet wird. Von demselben Tage ab haben auch alle Verwaltungen und Behörden der anerkannten Kulte und alle ein Kultusamt bekleidenden Geistlichen und Religionsdiener im schriftlichen amtlichen Verkehr mit den Staatsbehörden und mit den Gemeindebehörden, soweit diese nicht von der Vorschrift des § 4 des Gesetzes vom 31. März 1872 entbunden sind, sich ebenfalls der deutschen Sprache zu bedienen. Von dieser letzteren Vorschrift jedoch können einzelne vor Erlaß dieser Verordnung angestellte Geistliche und Religionsdiener aus ihren Antrag durch das Ministerium entbunden werden. Stein a. d. Donau, 27. August. Herr Joseph Weißmann wurde heute zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt. Budapest, 12. August. Unter großer Betheiligung fand gestern in Neupest die Bestattung des allgemein beliebten Kaufmannes Gustav Nadl statt. Der Verblichene hatte noch in seinen letzten Lebenslagen eine Stiftung von fl. 5000 zu Gunsten der israelitischen Gemeinde gemacht. Papa, 24. August. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde hat den refomirten Bischof Gabriel Pap, dessen Schreiben zu Gunsten der auswandernden russischen Juden jüngst allgemeines Aufsehen eregte, zum Ehrenmitglied gewählt. Eine Deputation der Gemeinde hat dem ausgezeichneten Manne am Dienstag in Komorn das Diplom überreicht. Frau Wittwe Veneziani-Paris hat dem dortigen Rothschild'schen Hospitale eine prachtvolle Sefer Thora zum Geschenk gemacht. Die Academie der moralischen und politischen Wissenschaften in Paris hat Herrn Rechtsanwalt Ferdinand Dreysus einen Preis von 1500 Frcs. für ein wiffenschaftliches Werk zuerkannt. In Wilna sind dieser Tage 16 jüdische Bethäuser auf polizeilichen Befehl geschlossen worden. New Jork, 7. August. Der Bericht der »^.uxiliar^ Lraned ot the United Hebrew Charities“ für den Monat Juli, zeigt, daß durch den Ausschuß des Baron von Hirsch Fond von 600 Applicanten 104 unterstützt wurden und zwar 34 mit Handwerkzeug, 9 durch Unterricht in Handwerken, 5 in geschäftlichen Unternehmungen, 56 durch Weiterbeförderung. Kesr fl U ton. Dclbbcrtai ||en>t. H i st o r i s ch e Erzählung Urnsl Srhwavf. (Fortsetzung.) Beim Nachmittaggottesdienft war die größte Synagoge gedrückt voll, denn Samuel Primo hatte dafür gesorgt, daß es bekannt wurde, daß „der Messias" dort erscheinen und sprechen werde. Und er sprach. — Mit zündenden Worten donnerte er gegen den greisen, ehrwürdigen Mann, der es gewagt hatte, dem entsittlichenden Schwindel, dem der weitaus größte Theil der Gemeinde verfallen war, mannhaft entgegenzutreten. Wer nicht an ihn glaube, eiferte Sabbatai, der verdiene nicht zu leben, und würde er nicht der grauen Haare jenes Elenden schonen wollen, so würde er das Todesurtheil über ihn verhängen. Aber dulden dürfe die gläubige Gemeinde ihn nicht in ihrer Mitte, sie müsse ihn entfernen wie ein brandiges Geschwür, aus daß er nicht die gesunden Säfte der Gesammtheit vergifte — und Alle, die ihm anhangen, Alle, die gleich ihm an dem Messias zu zweifeln wagen sollten, die müßten gleich ihm hinausgestoßen werden aus der Gesammtheit, an deren Heil sie nimmer Theil haben würden. Länger als eine Stunde wüthete er in dieser Weise gegen diejenigen, die er als Ungläubige bezeichnete, als Pestbäulen, als giftige Reptilien, die zu vernichten, der Menschheit Wohl erheische. Die bis zum Blutdurst fanatisirte Menge drängte sofort schreiend und johlend gegen das Haus des Aaron de la Papa und ruhte nicht, als

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