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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1357 „Seht", sagte er, das kleinste der anwesenden Kinder bezeichnend, „was ich in seinem Sack gefunden habe." Alsbald wird der Unglückliche zur Erde geworfen, getreten und mit Stockschlägen überschüttet. Trotz des Dazwischentretens einiger vernünftiger Leute, wird er nach dem Polizeibureau geschleppt, und von dort unter Bedeckung zweier Gendarmen nach dem Serail. Mehrere Leute traten in roher Weise auf, um gegen den jungen Mann Zeugniß abzulegen. Der General-Gouverneur, um die Geister zu beruhigen, ordnet die Festnahme der beiden jungen Leute an. Der Ober-Rabbiner, sobald er den Vorgang erfahren, begibt sich zu dem Vali, um die Freisetzung der beiden Gefangenen zu fordern, da dem Befehl des Sultans gemäß nicht einmal eine Untersuchung bei einer solchen Anklage erhoben werden darf. Der General-Gouverneur antwortete, daß er von der Unschuld der beiden jungen Israeliten vollständig überzeugt ist, daß er jedoch richtig zu handeln glaubt, wenn er sie in Gewahrsam behält, bis die erregten Gemüther beruhigt sind. Dennoch legte sich die Erregung nicht so bald; mehrere Juden wurden gemißhandelt, Frauen, Kinder, Greise wurden geschlagen; man versuchte es, einen armen Grubenausleerer zu erwürgen und ihn in die Grube zu werfen. Er verdankte sein Leben nur der Dazwischenkunft mehrerer Leute, die sein Geschrei herbeilockte. Die traurige Angelegenheit fand ihren Abschluß durch die Freisprechung der Angeklagten, deren Unschuld vom Gericht laut verkündet wurde. Smyrna. Der Herausgeber des hiesigen jüdisch-spaniolischen Blattes „Esperanza" (Hoffnung), Herr Aaron di Giuseppe H a z a n tritt mit dem Vorschläge vor die Oeffentlichkeit, daß seine nationalen Glaubensgenossen, d. h. die spaniolischen Juden, im kommenden Jahre die vierte Centenarseier ihrer Austreibung aus Spanien (t©d tmn) und ihrer Einwanderung in das türkische Reich festlich begehen sollen, um dabei zugleich dem osmanischen Volke und seinen glorreichen Beherrschern, den Sultanen, ihre Dankbarkeit für die Gastfreundschaft, die sie ihren von Ferdinand und Isabellen den Katholischen aus blindem Fanatismus vertriebenen Vorfahren bewiesen haben, bezeugen zu können. Zugleich soll auch eine große Gedächtnißfeier für Sultan Bayazid, beigenannt „El-Jdrini (der Blitz)", des damaligen Beherrschers des osmanischen Reiches, der diesen spanischen Flüchtlingen die Pforten seines Reiches geöffnet hat, abgehalten werden, der dann ein heißes Dankgebet für dessen Nachfolger auf dem Throne, den eben regierenden Sultan Abdul Hamid II. n-v, der gleichfalls seine schützende Hand über seine jüdischen Unterthanen hält und ihnen ein wahrer Vater ist, zu folgen hätte. Zweifelsohne werden die Spaniolen im osmanischen Reiche diesen Vorschlag des Herrn Hazan, der sogar schon die Zustimmung der türkischen und arabischen Blätter Konstantinopels und Smyrnas gefunden hat, bereitwilligst annehmen und auch patriotisch und würdig dann ausführen. .nvv' 'rbnn to u cy Arabien. Aden, 10. August. Die Cholera, die vor wenigen Wochen in Mekka ausgebrochen ist und daselbst in den ersten Tagen ihres Auftretens manchen Tag 400 Opfer gefordert, hat uns bisher verschont, da in Jemen noch nicht ein Cholerafall vorgekommen ist. Dagegen sind in Dscheddah, der Hafenstadt Mekkas, einige der dort lebenden wenigen Juden von der Cholera hinweggerafft worden. Ueberhaupt ist die gewaltige Hitze, die in Jemen zu herrschen pflegt, eine große Gegnerin der Cholera. Die jüdischen Nomadenstämme, die in der arabischen Wüste leben, kennen die Cholera überhaupt nur dem Namen nach, da die reine Wüstenluft und der heiße Sand, der den Boden dort bedeckt, die Ausbreitung von Seuchen und Epidemien nicht fördern. P a l ä ft i n a. Jerusalem. Der Pfarrer der englischen Kirche in Jerusalem, A. Hastings-Kelk, berichtigt in der „Times" einige irrthümliche Angaben über die Verhältnisse der Stadt, welche in der letzten Zeit ihren Weg durch die Presse gemacht haben. Es heißt dort: Was die Juden betrifft, so war es ihnen bis Auf. August gestattet, nach Palästina zu kommen. Da wurden die Effendis und die türkischen Händler eifersüchtig. Sie schickten eine Petition an den Sultan, die Einwanderung der Juden zu verhindern. Der Sultan willfahrte dem Gesuch. Ich glaube nicht an den Erfolg des Projekts des Baron Hirsch, die Juden in Südamerika anzusiedeln, halte jedoch dafür, daß sich sehr wohl mit der türkischen Regierung ein Abkommen treffen ließe, sie in Palästina anzusiedeln. Das Land kann sie sehr wohl ernähren. Natürlich gehört Kapital zum Anbau, zum Pflanzen und zur Wasseransammlung, wie zum Unterhalt für 3 Jahre. Die Kosten würden aber sehr gering sein im Verhältuiß zu dem südamerikanischen Projekt. Das Land jenseits des Jordans ist höchst fruchtbar und kann eine Menge Ansiedler aufnehmen. Die Nachrichten von der angeblichen Theuerung, die in Jerusalem herrschen soll, sind nicht begründet. Trotz der jüdischen Einwanderung sind die Preise nicht merklich höher, als sonst um diese Zeit. Nicht minder falsch sind die Berichte über den mißlichen Gesundheitszustand Jerusalems. Typhus, Scharlach und alle möglichen Seuchen sollen hier herrschen. Es ist gar keine Epidemie vorhanden. Letz-

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