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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1359 bis sie den ehrwürdigen Greis bei Nacht und Nebel hinausgestoßen hatte vor die Thore der Stadt. Angst und Entsetzen erfüllte die wenigen Besonnenen, die ihr richtiges Urtheil sich nicht hatten trüben lassen, doch sie wagten es nicht mehr, offen gegen den unglückseligen Taumel sich zu äußern. Nur ein reicher, angesehener Mann, Chajkm Pena mit Namen, hatte auch jetzt noch den Muth, öffentlich in der Synagoge seinen Unglauben zu bekennen. Die wüthende Menge drang auf ihn ein und drohte ihn zu zerreißen. — Einige Bessergesinntcu wollten ihn schützen, indem sie auf die Heiligkeit des Ortes hinwiesen. Sabbatai erklärte jedoch, an jedem Orte sei es Pflicht, den Ungläubigen zu ergreifen. Da aber wurden Pena's eigene Töchter von dem wilden Taumel ergriffen, sie fielen in Zuckungen und weissagten gleichfalls von dem Messias Sabbatai Zewi — und daraufhin widerrief auch ihr Vater seinen ausgesprochenen Unglauben. Von nun an wagte es in Smyrna keiner mehr, an dem „Messias" zu zweifeln, und sein Geheimsekretär Samuel Primo sorgte dafür, daß die Kunde von der hehren Erscheinung des Messias, von den unerhörten Wundern, die er angeblich vollbracht, in ganz Israel verbreitet werde. Samuel Primo von Smyrna und Nathan Gazati von Gaza ans, sandten ununterbrochen Sendschreiben an alle größeren Gemeinden, während gleichzeitig Sendboten alle Länder der Welt durchreisten und überall den Ruhm des lang ersehnten Messias, des Erlösers Israels, verkündeten. Im Namen seines Herrn und Meisters sandte der Geheimschreiber auch folgendes Sendschreiben an alle größeren Gemeinden der Iudenheit: „Der Messias und Erlöser des israelitischen Volkes, Sabbatai Zewi, allen Söhnen Israels Frieden! Nachdem Ihr gewürdigt worden seid, den großen Tag und die Erfüllung des Gotteswortes durch die Propheten zu sehen, so müssen Eure Klagen und Trauer in Freuden sich wandeln und Euer Fasten in frohe Tage, denn Ihr werdet nicht mehr weinen. Freuet Euch mit Gesang und Lied und verwandelt den Tag, der sonst in Betrübniß und Trauer verlebt wurde, in einen Tag des Jubels, weil ich erschienen bin." Und derartige Sendschreiben, sowie die maßlosen Berichte und Schilderungen der Wanderpropheten verfehlten leider ihren Zweck nicht. Derselbe Schwindel, derselbe Taumel, der die kleinasiatische Iudenheit erfaßt hatte, erfaßte einen großen Theil der Juden aller Länder, von überallher wurden dem „Messias" Huldigungen dargebracht. Tag für Tag liefen Schreiben, Sendboten und Deputationen ein, die ihn huldigend als den Erlöser, als den Gesalbten, als den König aller Juden begrüßten. Und Alle stellten Gut uud Blut, Habe und Leben ihm zur Verfügung und überhäuften ihn mit kostbaren Geschenken. In der ganzen Welt harrte man in namenloser Spannung des Moments, in dem das Zeichen zum Aufbruche der Juden erfolgen werde, des Aufbruchs zu ihrer Rückkehr in das Land ihrer Väter. Selbst Nichtjuden, Christen und Muselmänner, glaubten an den Messias in Smyrna, und sahen in begreiflicher Aufregung der Umwälzung entgegen, die sich, nach Versicherung der Gläubigen, demnächst vollziehen werde. Sabbatai lebte indessen in Saus und Braus, schwelgte in Wonne und Herrlichkeit und sog voll Entzücken den Weihrauch ein, der ihm von allen Seiten gespendet ward. Wäre es auf ihn allein angekommen, er hätte den wohllüstigen Freuden in Smyrna nimmer entsagt. Aber die Zeit schritt vor, das apokalyptische Jahr nahte, seine Anhänger drängten ihn, das Erlösungswerk zu beginnen, vor allem andern, die so oft wiederholte Verheißung, den Sultan durch die Macht seiner Lieder zu besiegen und ohne Schwertstreich gefangen zu nehmen und sich selbst dessen Krone auf das Haupt zu setzen, in Erfüllung zu bringen. Ueberdies war der Kadi in Smyrna des tollen Treibens der Juden müde geworden und hatte erklärt, es fortan nicht dulden zu wollen. Die Gesichter der Gläubigen zogen sich in die Länge, es war so schön gewesen und sollte nicht mehr sein — Samuel Primo aber rief: „So hat es kommen müssen, auf daß der Messias sein Werk beginne. — Auf, Messias! erhebe Dich! sammle Deine Schaaren! entthrone den Sultan und setze Dir die Krone aus und führe Dein Volk zurück in das Land, das Gott uns zugeschworen." Aber der „Messias" zögerte noch immer, es war ihm gar so wohl in Smyrna. — Da erklärte der Kadi, Sabbatai müsse sich persönlich dem Großherrn vorstellen, innerhalb dreier Tage müffe er die Stadt verlassen und sich cingeschifft haben. Einer kategorischen Aufforderung hatte der Heros von Smyrna nimmer Widerstand geleistet, der Kadi hatte befohlen und „der König der Juden" schickte sich an, zu gehorchen. — Die Gläubigen aber jubelten, jetzt mußte das Erlösungswerk seinen Anfang nehmen. 4- * * Der Tag der Abreise war gekommen. Gegen Mittag sollte Sabbatai sich einschiffen, in den Morgenstunden sammelten sich noch einmal seine Ver-

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