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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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18S6 Garde, die leider stets abnimmt, unter immenser Betheiligung zu Grabe getragen. Der Entschlafene, der mit Rabbi Hilel Halberstadt in verwandtschaftlicher Beziehung stand, befaßte sich durch viele Jahre mit dem Einsammeln der in nwip gesammelten Gelder für px. In seinem Amte wurde der Verstorbene seit wenigen Jahren von seinem Schwiegersöhne, Herrn A b r a h a m H e r z l, substituirt, obgleich er bis vor Kurzem Physisch sehr rüstig war; gehörte er doch zu jenen 2 omna, die sich zu Zeiten des ">OD vrin durch gewaltige Körperkraft hervorthaten. H. F...s. Schweiz. Die von der grausamen Unduldsamkeit der Russen in Gang gebrachte Judenbewegung macht sich auch in 'der Schweiz fühlbar. Auch dort befinden sich die armen aus Rußland vertriebenen Menschen in größtem Elend. Der „N. Zür. Zig." wird ans Basel berichtet: Seit Beginn dieser Woche kommen hier alle Tage israelitische Auswanderer vorbei, die von italienischen Seehäfen abgeschoben werden. Die verhungerten Gestalten machen einen unbeschreiblich ärmlichen Eindruck und stürzen sich mit Aufregung auf die ihnen im Lohnhof verabreichte Kost. Der hiesige Aufenthalt ist nur vorübergehend; 'von hier aus werden sie nach Oesterreich weiterbefördert. Unter den etwa 40 Angekommenen befinden sich ganze Familien. Dänemark. Kopenhagen, 3. Sept. Ein hiesiger Bürger Namens Samuel Cohen ist dieser Tage zum russischen Vicekonsul ernannt worden. Diese Ernennung hat großes Aufsehen erregt, denn Herr Cohen ist — ein eingewanderter russischer Jude! Wie soll man sich erklären, daß der Zar, der die Juden verfolgen und aus seinem Reiche vertreiben läßt, einem Juden hier ein Ehrenamt überträgt? Cohen ist vor ungefähr 20 Jahren mit seinem Bruder ans Rußland hkerhergekommen und hat damals ein ganz kleines Geschäft für Seeleute eröffnet. Die Brüder waren arm, es gelang ihnen jedoch nach einigen Jahren ihr Geschäft zu erweitern. Sie verproviantirten alle russischen Schiffe, die hier ankamen, und als der ältere Bruder kürzlich starb, hinterließ er ein sehr großes Vermögen. Jetzt hat der jüngere Bruder das Amt eines russischen Vicekonsuls erhalten. Griechenland. Korfu. Die Nachwirkungen der jüngsten Judenkrawallen hier fangen schon an bei unseren christlichen Mitbürgern sich zu zeigen. Denn, wie Berichte aus Triest melden, herrscht Heuer dort eine geringe Nachfrage nach Korfuer Esrogim, da die jüdischen Händler mit dieser Frucht, zumal die aus Ungarn und Galizien, jetzt mit Vorliebe ihre diesbezüglichen Bestellungen bei Genuaer Kaufleuten machen, und so dürfte den Korfuer Cedernpflanzern der grüßte Theil ihrer heurigen Fechsung unverkauft bleiben. Vor wenigen Tagen ist hier Chacham Sabbatai N e g r i n i im hohen Alter gestorben. Schon seit mehreren Jahren erblindet, unterließ er es doch nicht, an Sabbaten und den hohen Feiertagen Vorträge aus dem Midrasch und dem Talmud zu halten, um so auch nach seinen schwachen Kräften min p'3“>D zu sein, und genoß er daher die Liebe und Verehrung aller unserer Gemeindemttglieder. In Alexandrien in Egypten ist wieder der durch die jüngsten blutigen Ereignisse von hier mit seiner Familie vertriebene Raffaele Gesua im Alter von 65 Jahren gestorben. Derselbe war noch blühend und kräftig, aber die nothwendig gewordene Flucht aus seiner Heimath brach ihm das Herz und so beschloß er auf fremdem Boden seinen Lebenslauf. yü3 nroo 2NMQ Tin. Die nach Albanien ausgewanderten Flüchtlinge von hier gedeihen dort vortrefflich; ihr Herz ist aber noch immer hier in ihrer Muttergemeinde und lassen sie sich daher von hier die für die bevorstehenden hohen Feiertage nöthigen Vorbeter kommen. Serbien. Belgrad. Gegenüber den Angriffen eines hiesigen Blattes gegen die serbischen Juden, nimmt das fortschrittliche „Videlo" die letzteren energisch in Schutz, indem es darauf hinweist, daß sich die serbischen Juden stets als große Patrioten erwiesen haben, daß sie in den Befreiungskriegen Schulter an Schulter mit den christlichen Einwohnern Serbiens tapfer gekämpft haben, stets freudig alle Opfer dem Vaterlande in den furchtbaren Kriegen Serbiens brachten und daß sie deßhalb von ihren christlichen Mitbürgern hochgeachtet sind. Eine Einführung des Antisemitismus in Serbien sei deßhalb entschieden zurückzuweiscn. Asiatische Türkei. Aleppo, im August, lieber eine neue Blutbeschuldignng theilt der Monatsbericht der A. I. U. folgendes von hier mit: Am 3. Juni haben sich zwei junge Leute in eine Vorstadt von Aleppo begeben, die zumeist vor keffelschmieden bewohnt ist, um daselbst altes Ei) ' anzukaufcn. Sie hatten einen Esel mit den Säü.cn beladen, in die sie ihre Waare stecken wollten. In einer Straße des Viertels wurden sie von Gassenjungen als Juden erkannt und mit Steinen beworfen; einer der jungen Leute wurde verwundet und drohte seinem Angreifer, daß er ihn verklagen würde. Um sich der zu erwarteten Strafe zu entziehen, wußte dieser keinen anderen Ausweg, als sein Opfer des Kindesraubes anzuklagen. Er rief die Menge herbei durch sein Geschrei:

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