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Der Israelit · 1891-09-10 · Heft 72 (10.9.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 72 (10.9.1891)
Date
1891-09-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1355 Zeitirrrgsnachrichten nttb Correspondenze«. Deutschland. Mainz 9. Sept. Dr. Ludwig August Frankl in Wien veröffentlicht im Feuilleton der „Neuen freien Presse" zur 100jährigen Wiederkehr des Geburtstages Meyerbeer s seine „Erinnerungen" an den großen Meister, aus denen wir nachstehende bemerkens- und beherzigenswerthe Stelle entnehmen: „Ich kam mit Meyerbeer nur noch einmal in persönlichen Verkehr, und zwar in Berlin, wohin mich literarische Angelegenheiten führten; zugleich übernahm ich es auf den Wunsch des Vorstandes der israelitischen Gemeinde, Meyerbeer zu bitten, einen Psalm für die Eröffnungsfeier des eben vollendeten Tempels zu componiren. Meyerbeer, eben im Begriffe, eine Badereise anzutreten, entschuldigte sich, dem ihn „hoch ehrenden Wunsche" nicht entgegenkommen zu können, doch übergab er mir einen früher componirten, im Stich erschienenen Psalm zu allfälliger Benützung. Bei diesem Anlasse überraschte er mich durch folgende Aeußerung: „Sie werden doch keine Orgel in der Synagoge einführend Das ist ein christliches Instrument. Ich rechne es mir als ein großes Verdienst an, daß ich in Uebereinstimmung mit Mendelssohn- Bartholdy im protestantischen Dome in Berlin einen singenden Chor ohne Orgelbegleitung einführte. Der betende Mensch soll ohne jede Vermittlung zu Gott sprechen. Nun halten das so die Juden seit Zerstörung ihres Tempels in Jerusalem. Es ist eingebürgert durch zwei Jahrtausende. Wenn aber durchaus Instrumental - MMk verlangt wird, so müßte es eine althistorisch geheiligte von Posaunen, Harfen und Flören sein, wie sie im salomonischen Tempel erscholl. Und ist doch auch in der größten katholischen Kirche, bei St. Peter in Rom, keine Orgel. Die Menschenstimme ist das Erschütterndste." Auf den Gesang im Tempel zu Wien übergehend, äußerte Meyerbeer: „Der treffliche Sänger Salomon Sulzer hat, von seiner genialen Kraft verleitet, die althebräischen Melodien „veropert" und dem originellen sogenannten „polnischen" und „sephardischen" Synagogen-Gesange bedeutenden Schaden zugefügt." Im Verlaufe des Gespräches erzählte Meyerbeer, was bisher kaum bekannt geworden ist, daß es seine Sehnsucht gewesen sei, Moses zum Helden einer Oper zu machen. Er habe leider gezögert und gezögert, bis Rossini ihm zuvorgekommen sei, mit dem er nicht rivalisiren wollte. „Die Gesänge in der Wüste und das herrliche biblische Triumphlied der Schwester des Propheten haben meine Phantasie zumeist erregt und sogar schon begeisterte Töne in mir wachgerufen." Breslau, 7. September. Mit 'Rücksicht auf die dem Stellen-Nachweis-Verein rot? täglich zugehenden Gesuche, denen er nur in seltenen Fällen genügen kann, sieht sich der Vorstand veranlaßt, an die Gesetzestreuen in Israel zu appelltren. Seit Begründung dieser Gesellschaft ist ihr Ruf sehr oft in den jüdischen Blättern erhoben worden und gar Manchem, der rathlos dastand, ist G. L. durch dieselbe Hilfe geworden. Aber wohin soll es führen, wenn gerade in den zugehörigen Kreisen die Bemühungen des Vorstandes so wenig Unterstützung findend Braucht man es erst zu betonen, daß, wenn irgendwo, hier jedes Sonderintereffe zurücktreten müsse, und daß es darauf ankomme, durch die Tendenzen des Vereins auch der Erhaltung des Judenthums zu dienend Es ergeht daher die erneute Mahnung an alle Gesinnungsgenossen, sich der heiligen Sache anzunehmen und für sie zu wirken; ganz besonders richtet der Vorstand des Vereins nochmals die Bitte an die Herren Chefs, bei denen Vacanzen eintreten, sie ihm (Breslau, Schwertstraße 5 a.) ungesäumt anzumelden, um deren Vermittelung zu gewärtigen. Aus Baden. Dem Jahresbericht des Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogthums entnehmen wir, daß dieser Verein gegenwärtig 195 Mitglieder zählt, mit Jahresbeiträgen von zusammen Mark 1615. Bis jetzt wurden 9 Knaben und 2 Mädchen in die Fürsorge des Vereins ausgenommen. Die Lehrlinge haben folgende Handwerksarten gewählt: Blechner, Installateur, Metzger, Polsterer und Tapezierer, Sattler, Schneider, Silberschmied; von den Mädchen wird das eine Köchin, das andere Kleidermacherin. Außerdem wurden 2 Gesellen bei Karlsruher Meistern untergebracht. Die Einnahmen betrugen insgesammt M. 1908.92, die Ausgaben M. 858.86, so daß ein Saldo von M. 1050.06 verbleibt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 5. September. In der Raudnitzer Stadtvertretung sprach der Schulreferent den Juden das Recht ab, sich zur deutschen oder czechischen Nationalität zu bekennen. Sie seien vielmehr eine dritte Nationalität im Lande. In einer hierauf stattgefundenen Versammlung jüdischer Bürger von Raudnitz wurde ausgeführt, es liege ein historischer Nachweis vor, daß Juden im dritten Jahrhundert Böhmen bewohnten, als noch von den Czechen keine Spur im Lande war. Pretzburg, 4. Sept. Am Mn mi 'a wurde der älteste der hiesigen , ein Schüler von iLD nnn, Rabbi Jechiel Schlesinger, ein ebenso frommer, als gelehrter Mann, einer von der alten

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