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Der Israelit · 1891-09-07 · Heft 71 (7.9.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 71 (7.9.1891)
Date
1891-09-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1346 Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Aus Urrterfrankerr. Der in Ihrem gesch. Blatte gebrachte Artikel bezüglich des angeblichen 50jährigen Jubiläums der isr. Präparandenschule zu Höchberg bedarf zur Vermeidung von Irrungen mehrfacher Berichtigung. Zunächst ist zu bemerken, daß die Präparandenschule als solche noch nicht 50 Jahre, sondern erst seit 1861 besteht. Allerdings hatte der selige Rabbiner Ottensoser schon 1841 nach Art der damaligen Rabbinen zeitweise eine Anzahl „Bachurim" um sich, mit denen er fleißig „lernte". Durch Inanspruchnahme der Privatwohlthätigkeit ist es ihm gelungen, nicht nur für den Unterhalt der damaligen Schüler zu sorgen, sondern auch einen Fond anzusammeln, welcher den Forlbestand der Talmud-Thora-Schule sicherstellte. Zu diesem Zwecke bcstinkmt das Stiftungsstatut ausdrücklich, daß an der Anstalt stets ein talmudisch gebildeter, jüdischer Theologe — wenn thunlich, mit ritueller Autorisation zum Rabbinate — angestellt werden muß. Als solcher sungirt z. Z. der Ortsrabbiner M. P. H. Wechsler. Diesem sind gleichzeitig die religiösen Obliegenheiten übertragen, welche mit den Legaten, Jahrzeitsstiftungen 2C. verbunden sind. Der Verfasser obenerwähnten Artikels verräth eine Mißachtung des Religionsunterrichts und des damit betrauten Herrn Ortsrabbiners, indem er demselben die letzte Stelle unter den übrigen Anstaltslehrern einräumt, während in jedem Lehrprogramme gerade der Religionsunterricht an die Spitze aller Disziplinen gestellt wird. Bezüglich des Jubiläums bemerken wir, daß es den Intentionen des edlen Gründers der Anstalt widersprechen würde, prunkhafte Feste zu Ehren der Anstalt zu begehen, wozu auch die jetzigen Zeitverhältnisse in verschiedener Hinsicht nicht angethan sind. Soll aber dennoch jetzt schon das 50jährige Bestehen der Talmud-Thora-Schule gefeiert werden, so könnte es würdiger und besser nicht geschehen, als durch materielle Förderung der so segenreich wirkenden Schule, deren Fortbestand durch den ihr landesherrlich verliehenen Stiftuugscharakter gesichert ist. Hinsichtlich der Schulleitung sei bemerkt, daß es unter dem Lehrerpersonal gemäß der neuen Stiftungssatzungen keinen „Vorstand", sondern nur einen „Hauptlehrer" gibt. Die Vermögungsverwaltung wird durch ein aus 7 Mitgliedern bestehendes Kuratorium bethätigt, dessen Vorsitzender Herr L. Forchheimer in Würzburg ist, während die Kassierstelle Herr S. Eldod in Höchberg tune hat. Als eine recht erfreuliche Wirkung des hiermit richtig gestellten Artikels wäre es zu begrüßen, wenn er Veranlassung gäbe, der Präparandenschule Höchberg recht viele opferfreudige Gönner zuzuführen. Holland. Haag. Dem Beispiele Amsterdams folgend, ist nunmehr auch die Residenzstadt Haag, mit einem Aufrufe für die verfolgten russischen Juden an die Oeffentlichkeit getreten, der von den Haager Blättern Vaderland und Dageblad veröffentlicht wurde. „Herzzerreißend" — so heißt es in diesem Aufrufe — „sind die uns zukommenden Berichte über die Leiden, welche die Unglücklichen auszustehen haben. Vertrieben von Haus und Hof, aus ihren Wohnsitzen, wo sie lange Jahre rechtschaffen alle Arten von Handwerk und Gewerbe betrieben, zusammengedrängt an einzelne Orte, wird ihnen durch solches Vorgehen der russischen Regierung die Möglichkeit benommen, sich und ihre Familien zu erhalten, werden sie der Verzweiflung überliefert und so zur Auswanderung gedrängt." Das Hilfscomita, welches bereits seit Monaten im Stillen zu wirken bestrebt war, besteht ans den angesehensten Bürgern Haags und hat, um der einmüthigen Verurthetlung jenes barbarischen Vorgehens Ausdruck zu geben, die hervorragendsten Repräsentanten aller Stände, aller Eonfessionen, aller politischen Parteien und öffentlichen Corporationen als Unterzeichner des Aufrufes erwählt. So erscheinen unter den 35 Unterzeichneten an der Spitze als Präsident des Hllfscomitßs der erste Vice-Präsident des obersten Gerichts- und Kaffationshofes, Herr Coningk-Lifsting, als Vice-Präsident des Comitös der Präses der israelitischen Cultusgemeinde, Pollak-Daniels; ferner der katholische Pfarrer I. Th. A. Heiligers, die protestantischen Pastoren Dr. Moll Jbze, Dr. van Gheel, Gildemeister, Dr. Herman de Ritter, Dr. S. de Waard, der reformirte Pastor und Hofprediger Dr. E. van Koetsveld, die Rabbiner Dr. Berenstein und Rodrignes- Pereira; der gegenwärtige Staatsminister Heemskerk Aze, die früheren Minister Kappeyne van Cappello, Mitglied der ersten Kammer, und I. G. Gleichman, Mitglied der zweiten Kammer der Generalstaaten; weiters noch die Mitglieder der zweiten Kammer Pijuakcr Hordtjk und Baron Michiels van Berdnkjnen, Letzterer auch Stadtrath; die Stadt- und Provinzialräthe Hijmans van Wadenoijen, I. Scouk Hurgronje, M. de Vries, der Justiz-Ministerialrath A. Teixeira de Mattos, der Rath des obersten Gerichtshofes A. de Pinto; dann noch Schriftsteller, Aerzte, Lehrer, Advocaten, Gewerbetreibende u. s. w. England. London, l. Sept. Arnold White, welcher die schwierige Aufgabe übernommen hat, in Petersburg die Pläne des Baron Hirsch in Betreff der Juden in Rußland zu fördern, warnt in einem Schreibenan die „Times" die englischen Judenfreunde vor Uebereifer. Er sagt: „Rücksichtslose Schmähung Rußlands, die Verbreitung und Wiederholung unbegründeter Erzählungen über russische Barbarei

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