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Der Israelit · 1891-09-07 · Heft 71 (7.9.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 71 (7.9.1891)
Date
1891-09-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXD. Jahrga»g. SeUllge?« M 71 des Literarische Umschau. (Fortsetzung aus Nr. 69.) 8. Ehrenrettungen sind eine Lieblingsbeschäftigung moderner Schriftsteller; es macht dies dem Herzen derselben alle Ehre und ist ein Zeichen einer humanen Gesinnung. Ob diese Versuche immer gelingen, ist die Frage; sie werden gelingen, sobald die alten Anklagen durch gewichtige historische Gegenbeweise entkräftet, sobald Fälschungen der alten Berichte unumstößlich nachgewiesen werden, während Vermuthungen und Wahrscheinlichkeitsbeweise wenig in die Wagschale fallen. Zn den Versuchen einer Ehrenrettung gehört auch die Schrift des Rabb. Dr. Samuel Back „Elisch« ben Abuja- Acher" (Franks, a. M. 1891. I. Kauffmann), welche Dr. Adolf Jellinek zu dessen siebzigsten Geburtstage gewidmet ist. Der Vers, setzt mit Recht voraus, daß der einst gefeierte Elischa, von dem die talmudischen Schriften so manchen herrlichen Ausspruch bewahrt haben, nicht plötzlich ein Abtrünniger geworden sein kann. Es muß für ihn eine Uebergangszeit innern Zwiespalts und inner« Zerfalls gegeben haben, eine Zeit innerer heftiger Kämpfe, bis ein äußerer Umstand ihn zum offenen Abfall getrieben. Den Ansdruck des innern Kampfes will der Verf. in vier aufeinanderfolgenden Aussprüchen von ihm in Aboth d. R. Nathan gefunden haben, in welchem das Verhältniß des Wissens zum praktischen Leben in vier verschiedenen Bildern erläutert wird. Es soll dies eine Art Selbstvertheidigung sein, daß ein fester-Charakter, der sich im praktischen Leben durch seine Thaten bewährt hat, einen schlimmen Einfluß allseitiger Studien, auch solcher, die dem jüdischen Geiste entgegen sind, nicht zu fürchten habe. Mit diesen Gedanken habe er sich beruhigt, aber die Zuversicht in die Festigkeit zeige in der Verschiedenheit der Bilder sich immer als ein schwächere. Um aber diese Erklärung mundgerecht zu machen, unterlegt der Verf. dem Worte mm eine Bedeutung, die dasselbe nirgends hat, nämlich die der „mannigfachen Studien", so daß hierunter auch das Studium der entsittlichsten Schriften der griechischen Literatur aus jener Periode begriffen sei. Daß aber das Wort min in diesem Sinne angewandt werden könnte, dafür ist der Verf. den Beweis schuldig geblieben und wird ihn wohl schuldig bleiben. Damit fällt aber der ganze Aufbau der Erklärung jener vier Stellen zusammen. Daß damit aber die Thatsache, daß Elischa eine Uebergangszeit des innern Kampfes dnrchgemacht habe, nicht beseitigt ist, ist klar. Auch darin darf Israelit * Ieschmmn" dem Verf. beizustimmen sein, daß die Hadrianische Verfolgung den Anstoß zum endlichen öffentlichen Abfall gegeben habe, wie ja auch schon Jeruschalmi berichtet, daß der Märtyrertod R. Akiba's Elischa zur Leugnung an der Vorsehung und der göttlichen Gerechtigkeit gebracht habe, eine Ansicht, die auch im Vabli Chulin 142 a und Kidduschtn 39 d ihre Bestätigung findet. Die übrigen Erzählungen aber von der Verworfenheit Elischas: seine Unsittlichkeit, seine Verrätherrolle, die er gespielt habe, daß er die Thorajünger römischen Henkersknechten überliefert habe, seien seinen Charakter entstellende Sagen, die sich im Volksmund über ihn gebildet hätten. Es hätte unter diesen Umständen R. Meier, trotz aller Pietät für den einstigen Lehrer, den Umgang mit ihm nicht weiter gepflogen, R. Jochanan hätte einen solchen Mann nicht nach dessen Tode betrauert. Es ist ja wahr, daß das Verlaßen der nationalen Sache in der Zeit der Gefahr Grund genug zu einem solchen Haffe gewesen wäre, der das Andenken an seine Person durch erdichtete Schmähungen noch mehr erniedrigt hätte, als es ohnehin schon verhaßt war. Aber das sind doch nur Vermuthungen. Ist es denn nicht geschichtsbekannt, daß die Renegaten die erbittertsten Feinde ihrer früheren Glaubensgenossen und der früheren Lehre werden2 Wie viele Juden mußten nicht auf Anklage ehemaliger Glaubensgenossen hin den Scheiterhaufen besteigen? Wie lange die Freundschaft mit R. Meter gedauert hat, wissen wir nicht, ob sie auch da noch bestand, als aus dem Renegaten ein Denunziant geworden war, das ist aus den Quellen nicht ersichtlich. Wenn aber nach dem Tode des Lehrers das Herz des Schülers für den verlorenen Sünder schlug, der aber jetzt kein Unheil mehr anstiften konnte, so ist das ein leicht erklärlicher menschlicher Zug, der N. Meier alle Ehre macht. Daß Elischa ein in sich Unglücklicher war, das geht ans dem Talmud hervor, daß er aber nur ein Unglücklicher war, das hat der Verf. nicht bewiesen. Har uns der Verf. auch nicht überzeugt, so ist doch diese Schrift eine anerkennenswerthe Arbeit, insofern sie die über Elischa zerstreut sich auffindenden Berichte geschickt gesammelt und zusammengestellt hat. Die S. 10 versuchte Emendation des von Mussaphia gelesen in y-injDS&N hat keine Wahrscheinlichkeit für sich; die Erklärung der Vorsilbe ist hier eine gezwungene. Das im Jeruschalmi gebrauchte ymsD ist gar kein Beweis für diese Emendation, da hier kein Objekt steht und dieses Wort nur bedeutet: die Hände an einander schlagen. (Vgl. Beza 36 d., Moed katan 27 b.) (Fortsetzung folgt.)

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