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Der Israelit · 1891-09-07 · Heft 71 (7.9.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 71 (7.9.1891)
Date
1891-09-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1342 Mittheilungen der „Breslauer Gerichtszeitung", nach welchen ein preußischer Richter, mit dem unsere Mitbürger in seiner Eigenschaft als Ermittelungsrichter in amtlichem Verkehr KU treten haben, seit zwei Jahren an die „Gerichtszeitung" und an andere Blätter, sowie an jüdische Einwohner unserer Stadt und Provinz unter Annahme eines falschen Namens Postkarten antisemitischen Inhalts nebst Flugblättern gleicher Tendenz versandt hat, wodurch sich die Empfänger vielfach aufs Aeußerfte belästigt, beunruhigt und gekränkt gefühlt haben. Im Interesse des betreffenden, in der „Bresl. Gerichtsztg." mit Namen genannten Richters einerseits, im Interesse des preußischen Richterstandes und des öffentlichen Rechtsbewußtseins andererseits nehmen wir von den nahezu unglaublich klingenden, doch mit großer Sicherheit vorgetragenen Beschuldigungen des genannten Blattes Notiz in der festen Erwartung, daß seitens der Vorgesetzten Behörde des öffentlich Beschuldigten sobald als möglich entweder die Grundlosigkeit der gegen einen im Amte befindlichen Richter erhobenen Anklagen dargethan werde, oder aber, falls diese Anklagen sich wider Vermuthen als begründet erweisen sollten, das Publikum über die Maßnahmen aufgeklärt werde, die gegen einen derartigen Richter zum Schutze der Bevölkerung und zu Gunsten des Ansehens des Richterstandes etwa bereits ergriffen oder noch ergriffen werden dürften. Berlin, 5. Sept. Der „Breslauer Gcrichtsztg." zufolge hat der Amtsrichter Wiedemann, welcher in den letzten Jahren verschiedenen Zeitungen und Privatpersonen unter falschem Namen Briefe und Postkarten antisemitischen Inhalts zusandte, beim Justizministerium seine Entlassung aus dem Justizdienst nachgesucht und wird sich der Rechtsanwalts- Laufbahn zuwenden. Aus Bayern. Von der Nachweisung über die Bewegung der Bevölkerung in Bayern im Jahre 1890, welche das kgl. statistische Bureau soeben veröffentlicht, sind für die jüdischen Verhältnisse einige Zahlen interessant. Von den 28,527 außerehelichen Geburten sind 26 von jüdischen Müttern, also blos 0,0009 der Gesammtbevölkerung, während die jüdische Bevölkerung 0,01 beträgt. Unter den 36,460 religiös ungemischten Eheschließungen sind 378 jüdische, also etwas über die verhältnißmäßige Zahl; bei den 3500 Mischehen sind Juden in 20 Fällen — 0,006 betheiligt, und zwar heirathcten 7 Jüdinnen je einen Katholiken und 4 je einen Protestanten, 5 Juden je eine Katholikin und 4 je eine Protestantin. Waag-Neustadtl, 23. August. In den Localitäten der hiesigen, von der israelitischen Gemeinde begründeten Realschule, welche von den verschiedenen Confessionen und Nationalitäten besucht wird, fand heute eine Schulfeier statt, die von dem einträchtigen Verhältnisse der Glaubensbekenntnisse ein rühmenswerthes Zeugniß ablegte. Die ehemaligen Schüler aus den Jahrgängen 65 und 66, welche heute eine geachtete Lebensstellung als Staatsbeamte, Ingenieure, Oekonomiebesitzer, Kaufleute u. s. w. einnehmen, haben sich in dankbarer Erinnerung an die Anstalt, der sie ihre Ausbildung verdanken, zu einer Gedenkfeier vereinigt. Die Ansprachen an den Bürgermeister, an den als Schulmann verdienstlich wirkenden Rabbiner Josef Weiße, an die Gemeindebehörden und das Lehrercollegium gaben Zeugniß davon, daß die segensreiche Saat auf fruchtbaren Boden fiel. Bei dem Festmahl, das der Schulfeier folgte, weihte ein Redner sein Glas der Wissenschaft, die über den Parteien schwebend, alle Stände und Glaubensgemeinden zu einem Friedensbunde einige. A. Paris, 30. August. Im Louvre ist seit Kurzem die Stele des Königs Mesa von Moab zu sehen, von der in den letzten Jahren oft die Rede war. Im Jahre 1869 erfuhr der Kanzler des französischen Konsulats in Jerusalem, Clement Ganneau, vom Vorhandensein dieses schwarzen, mit 37 eingehauenen Zeilen versehenen Steines zu Dhiban. Er schickte einen Araber hin, der die ersten Zeilen kopirte. Ihr Inhalt ließ den Gelehrten die große Wichtigkeit des Dokuments erkennen. Er ließ daher von einem anderen, gebildeteren Araber einen Abklatsch machen, den dieser jedoch nur mit Mühe vollenden und nach Jerusalem bringen konnte, weil der Argwohn der Bevölkerung von Dhiban erwacht war. Sie griffen den Sendboten Ganneau's thätlich an und zerfetzten den Abklatsch. Das Angebot Ganneau's, den Stein anzukaufen, hatte nur den Erfolg, daß die Einheimischen denselben in Stücke schlugen. Alle Hoffnung, das Original zu retten, schien verloren, als zu Anfang dieses Jahres kleine Bruchstücke der Stele Mesas in Ganneaus Hände kamen. Andere Bruchstücke waren von einer englischen Gesellschaft, Palestine-Explorations-Fund, und dem deutschen Gelehrten Schlottmann erworben worden. Nun nahm Ganneau die Arbeit wieder auf, und da er die Priorität gellend machen konnte, so traten ihm die beiden anderen Interessenten ihre Bruchstücke ab. So kommt es, daß wir nun im Louvre die geflickte Stele ziemlich vollständig vor uns haben. Neben ihr sind die erste Abschrift und der zerfetzte erste Abklatsch, die vor der Zertrümmerung entstanden sind, ebenfalls ausgestellt. Da, wo die Oberfläche des Steins intakt geblieben ist, sind die Schriftzüge sehr scharf und deutlich ausgeprägt, an den meisten Stellen ist jedoch die oberste, geglättete Steinschicht abgesprungen und sind die Schriftzüge auf der rauhen, unteren Schicht nur noch in unklaren Spuren zu sehen. Die Inschrift selbst bestätigt zwar die aus dem zweiten Buche der Könige bekannte Thatsache, daß Moab nach dem Tode Ahabs, des Königs von Israel, sich gegen dessen Sohn Joram auflehnte, erzählt aber das Ende dieses Kriegs ganz anders. Nach der Bibel geriethen Joram und die mit ihm verbündeten Könige von Juda und Edom zwar zeitweise in große Bedrängniß, behielten aber schließlich im Felde die Oberhand. König Mesa zog sich in seine Stadt zurück und opferte auf deren Mauern seinen erstgeborenen Sohn, um die Gottheit zu versöhnen. Dieser Vorgang erregte ein solches Grausen unter den Belagernden, daß sie die Belagerung aushoben und nach Hause zogen. Nach der Stele, die Mesa aus Dankbarkeit dem moabitischen Gotte Kamos geweiht hat, haben dagegen die Moabiter die israelitischen Zwingherrn vollständig geschlagen und ihnen sogar einige Städte weggenommen. „Und Israel wurde zu Grunde gerichtet, zu Grunde gerichtet für immer", heißt es auf dem moabitischen Stein. Darin hat nun der ruhmredige König von Moab Unrecht bekommen, denn Israel hat Moab Jahrhunderte lang überdauert. Paris. Herr Samuel Korb, Rabbiner in Nantes, der durch mehrere Jahre seine Muße den medizinischen Studien gewidmet hat, erhielt von der dortigen medizinischen Facultät das Diplom als Doctor der Medizin. Dr. Korb belebt aufs neue die Tradition von jüdischen Aerzten im Süden Frankreichs während des Mittelalters, die gleichzeitig Theologen und Mediziner waren. U t o ie. abbatat f|ctr>t. Historische S r; ä h l u n Q von Vrnsk JSkfmmrj. (Fortsetzung.) Es war im Dezember des Jahres 1665, die große Synagoge in Smyrna war gedrängt voll, als Sabbatai sich unter Hörnerschall als der er-

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