Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1891)
- Date
- 1891-09-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Beirut 1× ep/1047833
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1322 Beirut. Es sind jetzt ungefähr zwei Jahrzehnte her, seitdem einer Jüdin aus Beirut außerhalb dieser Stadt bei einem furchtbaren Sturm ein Sohn, der erst wenige Jahre alt war, abhanden kam. Der Knabe wurde von Beduinen aufgefunden und erzogen. Er unterschied sich von diesen bald durch nichts mehr. Da kam der Stamm, der ihn ausgenommen hatte, einmal in die Nähe von Damaskus und wurde hier von einem Israeliten besucht. Abends erzählte man sich am Lagerfeuer nach morgenländischem Brauch Wahrheit und Dichtung. Als jener jüdische Beduine ausgesordert wurde, seine Lebensgeschichte mitzutheilen, bekannte er: „Ich weiß nur, daß ich einst nicht bei diesem Stamme gewesen bin." Der jüdische Besucher wurde aufmerksam. Schließlich stellte sich heraus, daß beide Stammesgenossen waren. Die Sache kam zu den Ohren des Beiruter Rabbiners, und so erhielten auch die Eltern die beglückende Kunde, daß ihr todt geglaubter Sohn noch lebe. Nun machte sich die Mutter auf den Weg nach Damaskus, um ihr Kind wiederzusehen und zurückzubringen. Ehe es zur Begegnung zwischen beiden kam, führte man dem jungen Beduinen mehrere andere Frauen vor. Aber in keiner wollte er seine Mutter erkennen. Endlich erschien die Israelitin aus Beirut. Jetzt rief er: „Ja, das ist sie!" Eine innere Stimme sagte es ihm, daß er nunmehr die Rechte erblicke, obwohl achtzehn Jahre vergangen waren, seitdem er diese Gestalt zuletzt gesehen hatte. Die Mutter überzeugte sich an einem Muttermal des Jünglings davon, daß dieser wirklich ihr Sohn war. Trotz der beiderseitigen Freude wollte er zunächst nicht mit ihr gehen. Das Leben, welches er bis dahin geführt hatte, schien ihm köstlicher zu sein als jedes andere. Aber seine bisherigen Freunde, die Beduinen, wollten ihn, den Juden, jetzt nicht mehr in ihrer Mitte dulden. Es brach eine schwere Zeit für ihn an. Endlich sah er sich genöthigt, die Beduinen zu verlassen. Besonders schmerzte ihn auch der Abschied von seinem Lieblingspferd. Ostrowo. Herrn David Goldstein, hier, Königlicher Oeconomie-Commissarius, Stadtrath und Vorsteher der hiesigen Synagogengemeinde, ist von Sr. Majestät dem Kaiser der Titel eines Qecouomie-Commissionsrathes huldvollst verliehen worden. Laurahüttc. O. S. Hier ist ein neuer Verein innerhalb unserer jüd. Gemeinde gegründet worden. Derselbe zählt bereits 24Mitglieder, heißt „Verein Jüdischer Jungfrauen" und hat sich die Pflege von Wohlthätigkeit zum Zweck gestellt. Jrritz, 31. August. Der Vorstand der Marktgemeinde Jrritz im Kromauer Bezirk in Mähren veröffentlicht in der „N. Fr. Pr." einen Protest gegen die vom Grafen Spiegel aus Wischenau einberufene Versammlung des Christlich-socialen Vereins. „Die hiesigen Ortsinsassen" heißt es in der Zuschrift, „leben seit jeher in voller Harmonie mit einander, kein nationaler, socialer oder consessivneller Mißton stört dieselbe. Die Bewohner dieses Marktfleckens fühlen sich als wahre, dem Wahlspruche unseres erhabenen Monarchen gemäß lebende und unentwegt nacheifernde Patrioten, die nicht gewillt sind, sich auch nur als Staffage für jetzt und in der Folge unheilvoll wirkende Tendenzen gebrauchen zu lassen. Um die Reputation unseres Gemeinwesens nicht zu schädigen, verwahren wir uns sowohl gegen die Tendenzen der „Christlich-" als auch anderer „Socialen" u. s. f., lehnen vor der, Oeffentlichkeit jede Verantwortung ab, die sich etwa aus dem Zusammenströmen von hierher nicht zuständigen Elementen anläßlich der einberufenen Versammlung ergeben könnten, und wünschen sehnlichst, es möge noch im letzten Momente von der geplanten Zusammenkunft Umgang genommen werden. In Ragendorf (Koni. Wieselburg) wurde auf Initiative des Herrn Rabbiner Josef Schlesinger, von den Mitgliedern der Gemeinde ein „Machsik-Talmud-Thora"- Verein gegründet, dessen Zweck es ist, armen Eltern Gelegenheit zu bieten, ihre lernbegierigen Kinder dem Thorastudien zu widmen. Damit ist eine segensreiche Anstalt ins Leben gerufen, da in dieser alten jüdischen Gemeinde bislang keine derartige Schule existirte. D—t. Als ein sehr nachahmenswerthes Beispiel religiöser Duldung sei erwähnt, daß sich in Delft ein Ausschuß zur Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Juden gebildet hat, welcher Geistliche aller Confessionen unter seinen Mitgliedern zählt. Letztere haben auch beschlossen, ihre Gemeinde von der Kanzel herab zur Betheiligung an dem humanen Werk aufzufordern. abbatai Hervi. h i st o r i s ch e Erzählung Vrnst Schwavx. (Fortsetzung.) Sabbatai blickte entsetzt auf den sichtlich schwer Leidenden, dessen Lippen weißer Schaum bedeckte, sollte er ihm Hilfe leisten? — und wie? — Freilich war er sich nicht klar, ob es dem Messias gezieme, an einem gewöhnlichen Menschen eine gewöhnliche Hilfeleistung zu üben — aber war es denn ein gewöhnliches Menschenkind, das sich dort wandt? — war cs nicht vielmehr die Hülle des Geistes des Propheten Elijahu? — Und diese Hülle schien zu schwach für den gewaltigen Geist — darum diese Zuckungen — es war ja klar — es war ja alles klar. Aber dem Propheten Elijahu, der ihm die Bahnen ebnen sollte und wollte, dem mußte er beistehen. — Wenn er nur gewußt hätte, wie. — Er neigte sich über den noch immer Zuckenden und mit dem ganzen Wohlklang, dessen seine herrliche Stimme fähig war und doch nur gedämpft, sang er: „Elijahu! Elijahu! Du Prophet des Allerhöchsten, Komme doch in unser» Tagen Mit dem Messias, dem Sohne David's. — Elijahu! Elijahu! Der für das Gotteswort geeifert. Eifere nun für den Gesalbten, Für den Enkel König David's." War es die Macht der süßen Töne? — Die Zuckungen ließen nach und über die Lippen, von denen Sabbatai den Schaum entfernt hatte, drängten sich jetzt Worte, zuerst einzeln, scheinbar zusammenhanglos — doch bald reihten sich die Worte aneinander, und wonnetrunken lauschte Sabbatai den Voraussagungen, die sie enthielten. — Sie galten ihm! — ihm — dem Messias — dem Gottgesalbten — dem Davidssohn — dem König der Könige — dem die ganze Welt zu eigen-