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Der Israelit · 1891-09-03 · Heft 70 (3.9.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 70 (3.9.1891)
Date
1891-09-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1323 Als Nathan Gazati endlich, wie aus schwerem Traum erwachend, sich erhob und befremdet um sich blickte, richtete Sabbatai einige theilnehmende Worte an ihn. Der Andere starrte ihn an und fuhr sich mit der Hand über die noch immer mit kaltem Schweiß bedeckte Stirn. „Verzeiht!" sprach er leise, „ich fürchte, ich habe Euch allzulange aufgehalten." „O, nicht doch — nicht doch." Abermals fuhr sich Nathan mit der Hand über die Stirn, allmählich schien die gewohnte Frische ihm wiederzukehren. „Ich werde der Welt Eure Ankunft verkünden," fuhr er lauter fort, „ich werde Euch die Bahn ebnen." Am folgenden Tage setzte Sabbatai seine Reise fort, Nathan Gazati begleitete ihn. Sie halten auf dieser Reise Muße, ihre Pläne genügend zu besprechen, und als sie in die Nähe der heiligen Stadt kamen, hielt sich Sabbatai mit dem größten Theil seines Gefolges zurück, während Nathan mit den Uebrigen vorauseilte, um die Ankunft des Messias und der ihm angetrauten Gattin in Jerusalem zu verkünden. Daß Sabbatai die erbetenen Gelder von Raphael Josef Gelebt mit sich brachte, war gleichfalls bekannt, so konnte cs nicht fehlen, daß der bei weitem größte Theil der jüdischen Gemeinde zu seinem Empfange herbeieilte. Sabbatai's hohe, königliche Gestalt war freilich in Jerusalem längst bekannt, doch nach den Prophezeiungen Nathan's erschien sie den Meisten wie in einem neuen überirdischen Lichte, und als namentlich die jüngeren Männer die berückend schöne Messiasfrau erblickten, da erfaßte es sie wie ein Taumel; sie brachen in laute, wie rasende Huldigungsrufe aus und die ganze ungeheure Menge schloß sich ihnen an. Sabbatai aber breitete die Hände über die Menge aus und segnete sie und dann ermahnte er sie zur Buße, zum Wohlthun und überhaupt zu einem gottgefälligen Wandel, auf daß er umso früher das Erlösungswerk beginnen könne. Alle jauchzten ihm zu und gelobten, seiner Aufforderung Folge zu leisten. Gleich am folgenden Tage begann Nathan Gazati sein Werk. Er, der der Feder weit mehr mächtig war, als des gesprochenen Wortes, setzte zündende Briefe auf. in denen er der Welt die Ankunft des lang verheißenen, lang ersehnten Messias verkündete. In begeisterten Worten schilderte er die Persönlichkeit des Messias Sabbatai Zewi und die unerhörten Wunder, die derselbe vollbringen werde, zum Theil bereits vollbracht habe. Diese Briefe, in ungeheurer Anzahl von Sabbatai's Anhängern vervielfältligt, wurden in alle Himmelsgegenden gesandt, in alle bekannten jüdischen Gemeinden aller Welttheile. Das Geld jedoch, das Sabbatai ans Kairo gebracht hatte, das der ganzen jüdischen Gemeinde hatte zu Gute kommen sollen, das vertheilte er ausschließlich unter seine Verehrer; und diejenigen, die mit ihren Huldigungen zurückgehalten hatten, mußten leer ausgehen. Daß zu diesen die Rabbinen und überhaupt die Einsichtsvollen der Gemeinde gehörten, ist selbstverständlich. Indessen dauerte der Taumel in Jerusalem fort, und es war seltsam, in welcher Weise die Mehrzahl die Aufforderung zur Buße und zu einem gottgefälligen Wandel zu entsprechen vermeinte. Fasten und Kasteiungen wechselten mit wüsten Orgien, an denen sich auch, dem Beispiele der schönen Messiasfrau folgend, bisher sittsame Frauen betheiligten. Die Prophezeiungen Nathan's häuften sich, die Kundgebungen Sabbatai's mehrten sich und Sorel's bestrickende Reize unterjochten nahezu die ganze männliche Jugend. Das Rabbinats-Collegium, empört über dieses Treiben, bedrohte Sabbatai mit dem schwersten Banne. Dieser jedoch, der das Volk auf seiner Seite hatte, spottete dieser Drohung; denn was konnte der Bannstrahl ihm anhaben, wenn die Menge ihm huldigte? Dennoch — er war kein Held — ging er lieber Hindernissen aus dem Wege, als daß er dieselben bekämpft hätte; erbeschloß daher, Jerusalem zu verlassen. Nathan Gazati verkündete unmittelbar darauf in Verzückung: Jerusalem habe seine Bedeutung als heilige Stadt verloren, Gaza sei an die Stelle derselben getreten. Sabbatai hoffte jedoch, in seiner Vaterstadt größere Erfolge zu erzielen. Smyrna war ein bedeutender Sammelplatz für Europäer und Asiaten, und seine reichen, angesehenen Brüder konnten durch ihr Ansehen und durch ihren Anhang ihm Vorarbeiten. Bevor er jedoch Jerusalem verließ, sandte er rührige, schwärmerische Sendboten in die Welt hinaus, die sein Erscheinen als Messias verkündeten, während Nathan Gazati feurige, prophetische Briefe an die angesehensten Männer in Smyrna richtete. Dann erst trat Sabbatai mit großem Gefolge seine Reise in die Heimath an. Ihn begleitete fortan auf allen seinen Zügen ein Jerusalemite Namens Samuel Primo, der sein Geheimschreiber und einer seiner eifrigsten Werber wurde. Primo ward auch sein Berather; ohne dessen Zustimmung unternahm er fortan keinen Schritt. Samuel Primo war ein schlauer Kopf, der es verstand, der Menge Sand in die Augen zu streuen, der nantentlich die nichtigsten Dinge mit

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