Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1891)
- Date
- 1891-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1321 Abfluß desselben naturgemäß schnell erfolgt, so tritt nach wenigen Sekunden vollständige Blutleere (anaemia) des Gehirns ein, welche Ohnmacht, Bewußtlosigkeit und Empfindungslosigkeit herbeiführt. Nach dem Schächten nimmt man gewöhnlich ein gurgelndes Geräusch wahr, welches veranlaßt zu glauben, daß es Schmerzenslaute seien; dieses ist aber durchaus nicht der Fall, sondern sie entstehen durch Eindringen von Blut und Luft in die durchgeschnittene Luftröhre. Vergleichen wir jetzt die Tödtungsarten hinsichtlich der Schnelligkeit, mit welchen der wirkliche Tod eintritt, so geht aus dem Gesagten hinlänglich hervor, daß das aus den Kops geschlagene Thier kein todtes, sondern einfach nur ein gelähmtes Thier ist, erst die Verblutung bereitet dem Thiere genau denselben Tod, wie es bei dem „Schächten" der Fall ist. Die Ansicht über die Vorgänge der verschiedenen Schlachtversahren gehen in Wirklichkeit noch so weit auseinander, daß an die Einführung einer einheitlichen Tödtungsart gar nicht gedacht werden kann. Es wird aber das „Schächten" unstreitig — wegen des raschen Verblutens des Thieres und der damit in Verbindung stehenden „sehr guten" Fleisch-Qualität — eine bevorzugte Stelle unter den sämmtlichen Schlachtmethoden einnchmen." England. Gravesend. Am 26. Juli fand die feierliche Grabsteinsetznng zur Erinnerung an den verstorbenen FriedensrichterRev.HenryBerkowitzin Gegenwart zahlreicher Verwandten und Freunde des Heimgegangenen statt. Das Denkmal trägt folgende Inschrift: „Dem ehrwürdigen Henry Berkowitz aus Gravesend, Kent, gestorben am 5. April 1891 im Alter von 72 Jahren. In Anerkennung seiner hochherzigen Handlungen und menschenfreundlichen Werke, sowie seiner Weisheit in der öffentlichen Verwaltung und Hebung dieser Stadt, erwählten seine dankbaren christlichen Brüder ihn zum Mayor, Aldermann, Friedensrichter und höchsten Rath für die Grafschaft Kent. Als letzten Beweis ihrer Hochachtung veranstalteten sie ihm ein öffentliches Begräbniß. Seine Menschenliebe, sein reiches Wissen und seine 50jährige unermüdliche, theilnehmende Sorge für die Armen, so wie seine fortgesetzte, erfolgreiche Vertretung des Judenthums werden uns in ewiger Erinnerung bleiben." Palästina. Jerusalem, 13. Menachem. Die türkische Polizei hat in den letzten Wochen die russischen Einwanderer hart behandelt; alle Bitten beim Pascha seitens des Chacham Baschi und Oberrabbiners Salant, den Einwanderern wenigstens die Ausschiffung in Jaffa zu gestatten, blieben unberücksichtigt, so daß die Gemeinde genöthigt war, einen Boten dahin zu senden, um die Ankommenden mit Reisegeld zu versehen. Die russischen Ausgewiesenen richten neuerdings zum Theil ihren Weg nach Palästina, da die Zeitungen ihnen daselbst ein gutes Fortkommen versprochen; dort sei für sie Land angekauft worden, das nur auf die Arbeiter warte, was aber alles nicht der Fall ist. So wurde von den Zeitungen berichtet, Baron Rothschild habe 5 Millionen sUMeter Land am Jordan für die russischen Einwanderer angekauft; auch davon ist hier nichts bekannt. Die Regierung erlaubt, bis jetzt wenigstens, nicht einmal die Ansiedlung russischer Ankömmlinge, ja sie ergreift täglich neue Maßregeln, welche sogar die altansässigen Glaubensgenossen in Mitleidenschaft ziehen. Es muß einmal Klarheit geschafft werden in Bezug auf die Ansiedlung in Palästina. Wohl ist am Jordan guter Boden für Eolonistcn vorhanden, aber der Ankauf desselben muß vorher bei der Regierung durchgeführt werden und dann erst darf und kann die Einwanderung, aber auch erst nach behördlicher Genehmigung stattfinden. — Bis jetzt ist die Regierung gegen jeden Ankauf von Land für russ. Colonisten. Zu unserm größten Bedauern geschah seither alles ohne Ordnung und Ueberlegung, wodurch das Elend der russ. Einwanderer vergrößert wurde. An und für sich leiden die jüdischen Bewohner des heiligen Landes unter dieser russischen Calamität, weil viele der edlen Zionsfreunde, von dem russischen Hilfswerk in Anspruch genommen, ihre Gaben für das h. Land entweder ganz eingestellt oder bedeutend vermindert haben. C h a i m H a u s d o r f f. > Vermischtes. < Berlin. Seit mehr als einem Jahrhundert besteht unter der Aufsicht der Berliner jüdischen Gemeinde eine Wohlthätigkeits-Gesellschaft, welche bei jeder Niederkunft einer Vereinsgenossin — arm oder reich — derselben zwei Büchsen ins Haus sendet. Die eine ist offen, mit freiwilligen Gaben und aus den Fonds des Vereins gefüllt, und muß von der Empfängerin geleert werden; will dieselbe nur einen Theil des Inhalts oder gar nichts für sich verwenden, so hat sie den Rest oder das Ganze, und nach Belieben und Vermögensumständen eine freiwillige Gabe, in die zweite verschlossene und von den Vorstehern der Anstatt zu öffnende, nur an diese zurückzusendende Büchse zu stecken. Daher erfährt Niemand, ob und wieviel der Arme empfangen, ob und wieviel der Reiche gegeben hat. Möchte die Einrichtung hier und da Nachahmung finden! Berlin, 28. August. Es diene Ihnen zur Nachricht, daß die hier revoltirenden Ruffen keine Juden sind. Gustav Levy.