Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1891)
- Date
- 1891-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448187--32722-2480581- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1306 es beit „rituellen Mord" ausgesprengt. Trotz dieses vor dem Vicegespan und dem kön. Staatsanwalt abgelegten Geständniffes fährt das aufgeregte Volk fort, die Wohnung des armen Schächters zu belagern, der nun in großer Gefahr schwebt, da der Ortsrichter die Exzedenten nur noch ermuthigt. Wie man nun „Egyetörtös" berichtet, sind der Vizegespan und der Staatsanwalt, nachdem sie dem Richter eine strenge Weisung ertheilten, nach Arad zurückgekehrt und haben eine nochmalige strenge Untersuchung einleiten lassen. Man sieht also, daß, obwohl wir G. s. d. in letzter Zeit hierzulande mit den Bekennern der übrigen Konfessionen in schöner Eintracht leben, es nur des geringsten Anlasies bedarf, um durch Verbreitung der tausendmal widerlegten Lüge des „rituellen Mordes" die dumme Landbevölkerung zu Tätlichkeiten gegen ihre jüdischen Mitbürger zu bewegen. So ist es leider mit der fortgeschrittenen vielgepriesenen Bildung und Aufklärung am Ende des XIX. Jahrhunderts bestellt! Konstantinopel. Eine Spezialkommission für öffentliche Arbeiten beschäftigt sich gegenwärtig im Iildiz-Kiosk mit der Prüfung eines Projektes, dessen Verwirklichung von unberechenbarer Bedeutung für die Hebung des Handels zwischen der Türkei und Europa wäre. Es handelt sich um den Bau einer Brücke über den Bosporus zwischen Stambul und Scutari, auf welcher eine Eisenbahnlinie, eine Tramwaylinie, ein Weg für den Wagenverkehr und ein solcher für Fußgänger errichtet werden sollen. Die Brücke würde die anatolische Bahn mit der internationalen Route Konstantinopel, Budapest, Wien, Paris verbinden, welche Verbindung eine sehr zweckdienliche Ergänzung erhalten würde, wenn einmal die geplante Ausdehnung der anatolischen Bahn von Hardar Pascha nach Scutari ausgeführt ist. Da uns von authentischer Seite versichert wird, dass Baron Hirsch dem Projekt einer Colonisation des heiligen Landes wohlwollend geneigt ist*), so wäre der Errichtung dieser-Brücke auch für diesen Zweck ein günstiges Schicksal zu wünschen. Ruftschuk, 15. August. Dem Direktor der hiesigen Alliance-Schule, Herrn Jsaac Astruc, der vor einigen Monaten zum französischen Consularagenten bestellt wurde, wurde neuerdings eine ehrende Auszeichnung zutheil, indem ihn die Pariser Akademie zum 0K«ier d’Academie ernannte. Trenton, Rew-Jersey, im Aug. Kürzlich wurde hier der Anfang zur Gründung einer weiteren jüdischen Kolonie im südlichen Rew-Jersey gemacht. Namens einer jüdischen Gesellschaft schloß Herr Leon Lait, ein russischer Bankier in New-Iork, hier einen Ankaufsvertrag über 3000 Acres Holzland in dem in der Grafschaft Cumberland gelegenen und nur 20 englische Meilen von den jüdischen Kolonien Alliance und Rosenhayn entfernten Hulberton ab. Zu der von Herrn Lait vertretenen Gesellschaft gehören zahlreiche der einflußreichsten Israeliten von New-Iork. Dem Plan des Barons Hirsch gänzlich fernstehend, haben dieselben aus eigenem Antrieb die „Cumberland-Land-Gesellschaft" mit einem Kapital von 250,000 Doll, ins Leben gerufen. Die Gesellschaft will das Land in kleine Farmen thetlen und Häuser auf denselben errichten, in welchen einige der besten russisch-jüdischen Familien, die in New-Iork anlangen, Platz finden sollen. Jede„ Farm wird 10—20 Acres umfassen, und schon sind 17 Häuser errichtet. Man wird im Großen und Ganzen dem von der benachbarten jüdischen Kolonie Alliance gegebenen Beispiel folgen, in welcher viele der Flüchtlinge von 1882 sich jetzt in vorzüglichen Verhältnissen befinden. Es sollen ferner mehrere Fabriken in Hulberton errichtet werden, um möglichst vielen Personen Beschäftigung zu gewähren. *) Vergleiche dagegen die Correspondenz Homburg v. d. H. .Red. i ft o r t f d} c Erzählung MI Gpj abbcrtcn Vvnst Schwär^. (Fortsetzung.) Nur wenige Tage verweilten die Neuvermählten im Hause des überglücklichen Münzmeisters, dann mußte Sabbatai die Rückreise nach Jerusalem antreten. — Aber schon in dieser verhältnißmäßig kurzen Zeit hatte er vielfach Gelegenheit, die Zaubermacht seines berückend schönen, jungen Weibes kennen zu lernen. Sorel's geradezu bestrickender Liebreiz, ihr freies, die sinnlichen Naturen übermächtig anziehendes Wesen machte Jünglinge und Männer zu glühenden Anhängern Sabbatai's, die sich sonst vielleicht wenig um ihn gekümmert hätten. Viele schlossen sich ihm an, als er den Rückweg nach Jerusalem antrat. Als Sorel bei ihrer Reise durch die Wüste zum erstenmal auf den Rücken eines knieenden Kameels sich niederließ und das unförmliche Thier sich dann erhob und mit seiner schönen Last wie triumphirend dahintrabte, da jauchzte sie hoch auf in übermüthiger Lust; denn sie erinnerte sich, daß sie in ihrer Kindheit oft den Wunsch ausgesprochen hatte, auf einem Kameele reiten zu dürfen; so war denn alles, alles wahr geworden, was sie in ihrer frühesten Jugend geträumt, so heiß erhofft und ersehnt. — Doch plötzlich ward sie still, ganz still — ihre Gedanken schweiften zurück in die ferne Zeit ihrer unschuldsvollen Kindheit, die sie in der polnischen Dorfschenke unter den Augen ihrer frommen Eltern verbracht — sie glaubte sie vor sich zu sehen, die ehrwürdigen Gestalten — und plötzlich umflorte eine Thräne ihr sonst so klares Auge. So hatte Sabbatai sie noch nie gesehen, aber sie erschien ihm schöner als je. „Weib meiner Seele, was sinnest Du?" fragte er sanft. Sie fuhr aus und wandte sich hastig zu ihm, während die Thräne wie ein durchsichtiger Thautropfen über ihre rosige Wange herniederglitt. „Wann wirst Du ineine Eltern aufwecken?" fragte sie.