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Der Israelit · 1891-08-31 · Heft 69 (31.8.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 69 (31.8.1891)
Date
1891-08-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1305 3. All' diese Punkte sollen in Form eines Memorandums dem Herrn Handelsminister B ar o ß überreicht werden. Die Annahme dieser Resolution wurde noch von Advokat Dr. Ludwig Brody (N. Käroly) empfohlen, worauf dieselbe mit großer Majorität acceptirt wurde. Heinrich Löffler. Rußland. Kiew. Die Besucher eines Vergnügungslokales in Kiew wohnten kürzlich einem auf dem Programme des Abends nicht verzeichneten Auftritte, welche die russische Polizeibehörde inscenirt hatte, bei. In den Sängerhallen Rußlands ist es Sitte, daß der artistische Leiter das Erscheinen eines jeden Künstlers dem Publikum anzeigt. Alexander B e r d r o, ein Oesterreicher, befand sich gerade auf der offenen Bühne, um dem Publikum das Auftreten der Sängerin M en oti anzukündigen, als drei russische Polizisten in dem Lokale erschienen, um dem Berdro den Befehl des Gouverneurs zu überbringen, Rußland sofort zu verlassen. Das Publikum hatte für die stannenswerthe Scene keine Erklärung, erhielt sie jedoch bald durch die Direktorin des Berguügungslokales. Dieselbe war, als sie Kenntniß von der behördlichen Maßregel erhalten halte, unverzüglich zum Gouverneur gefahren, um zu Gunsten Berdros einzuschreiten und hoffte unter Hinweis auf die allgemeine Beliebtheit, deren sich der Regisseur in der Stadt erfreute, die Zurücknahme des Ausweisungsbefehls zu erlangen. Die Bitte wurde jedoch rundweg abgeschlagen. Auf die Frage der Direktorin, worin das Verschulden Berdros liege, um eine so harte Verfügung zu rechtfertigen, wurde der Dame kurz erwiedert.- „Er ist — Jude!" Verdro mußte in der That alle seine Verhältnisse auf das schleunigste ordnen und hat Kiew und Rußland bereits verlassen, um sich nach seinem Heimathslande zu wenden. England. London, 22. August. Der „Record" veröffentlicht als interessanten Beitrag zur Lösung der Judenfrage zum ersten Male ein Schreiben, welches der bekannte englische Philantrop Lord Shastesbury im Jahre 1840 — damals war er noch Lord Ashley — an Lord Palmerston richtete, um Palästina für die Juden zu erwerben. Die syrische Frage beschäftigte damals die Mächte. Mit warmer Beredsamkeit drang Lord Ashley in den britischen Premierminister, eine so herrliche Gelegenheit, Palästina der Gesittung zurückzugeben und die Juden in das gelobte Land zu führen, nicht unbenutzt vorübergehen zu lassen. Lord Palmerston warf den Brief wahrscheinlich als Erzeugniß eines menschenfreundlichen Träumers bei Seite, heute aber würde man Lord Shastesbury und dessen Plan wahrscheinlich mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen. > Vermischtes. -4- Aus Ungarn, 14. August. Vor einigen Monaten ist in Erdötelek ein t»jähriges Bauernmädchen plötzlich verschwunden und wurde später mit durchschnittenem Halse in dem kleinen Bett einer Wasserquelle nächst dem Dorfe aufgefunden. Das Volk begann, die dortigen Israeliten mit dem wegen „Blu tabzapfen" verübten Morde zu verdächtigen, welcher Verdacht durch das gleichzeitige Verschwinden des jüdischen Schächters den dummen Leuten umso begründeter schien und wegen des „durchgeschnittenen Halses" schon als gewiß angenommen wurde. Es wäre bald zu thätlichen Ausschreitungen gekommen, wenn nicht zufälligerweise eine alte Bäuerin aus den Schweinehüter Albert Wincze den Verdacht des Mordes gelenkt hätte. Der Schweinehüter wurde daraufhin eingezogen und gestand sofort Alles ein! Er hatte nämlich dem kleinen Schulmädchen bei der Quelle aufgelauert, und, nachdem er an ihr ein nicht zu nennendes Verbrechen begangen, dieselbe hernach mit einem bereitgehaltenen Messer am Halse durchstochen, und in die Quelle geschleudert. Der kaum 17 Jahre alte Verbrecher, welcher den Eindruck eines Einfältigen macht, gestand bei der am 10. d. abgehaltenen Schlußverhandlung u. A. auch, wie man dem „P. H." aus Erlau telegraphirt— daß er die Bedauernswerthe deshalb tödtete, damit sie nicht gegen ihn aussagen könne und um aus den geraubten Stieseln seinen Schweinen Riemen um den Hals zu machen. Der könig. Staatsanwalt T. Gääl glaubte in dem Schweinehüter das Prototyp eines Missethäters und das menschliche Wildthier zu erblicken und bat daher um Todesstrafe. Der könig. Gerichtshof verurtheilte hierauf den Burschen wegen Mordes, Gewaltthätigkeit und Raub zu lebenslänglichem Zuchthause. — Mittlerweile ist natürlich auch der abwesende Erdöteleker Schächter zum Vorschein gekommen, und auch diese „Blutbeschuldigung" hatte ein Ende wie alle ihresgleichen. — Einen viel gefährlicheren Gang scheint eine im Dorfe St. Anna (Araber Kom.) aufgetauchte Blutbeschuldigung zu nehmen. Daselbst ist das Gerücht verbreitet, daß die Frau des dortigen Schächters das Bauernmädchen Julia Bau mann letzten Samstag zu sich hineingelockt und durch einen geheimen Gang auf den Boden geführt hätte, wo ihrer der Schächter harrte. Da sie aber — so erzählte das Mädchen — zu schreien anfing, ließ man sie los, und nur diesem Umstande habe sie ihr Leben zu verdanken. An Zeugen für diese am Hellen Tag in einer belebten Gasse angeblich verübten That fehlt es selbstverständlich auch nicht, und der Postkutscher ist bereit zu schwören, daß er zur bczeichneten Zeit Hilferufe aus dem Hause des Schächters vernommen habe. Das Volk glaubt au dieses Lügengewebe, wie an die heilige Schrift und will die mörderische Schächterfamilie dafür hart büßen lassen, indem es das Haus des Schächters fortwährend mit Steinen bewirft und seine Familie mit dem Tode bedroht. Zwei Geschworene behaupten ebenfalls, den Ausgang zum Boden nur schwer gesunden zu haben. Die Sache hat leider schon einen solch ernsten Charakter angenommen, daß SzatmLry, der Vicegespandes Araber Kom. und der könig. Staatsanwalt Mesznros sich Mittwoch, am 12. d. nach Szt-Anna begeben mußten. Eine streng eingeleitete Untersuchung ergab sogleich, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist; denn der Postkutscher verwickelte sich in Widersprüche, die Aussage der Geschworenen erwies sich als unrichtig, das Mädchen wurde von der Löwenstein nur zum Feueranlegen hiueiugerufen; da es aber^ der Aufforderung keine Folge leisten wollte, sei es von der übermülhigen Tochter des Schächters geschlagen worden, und als Rache hierfür — so gesteht das Bauernmädchen — habe

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