Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 69 (31.8.1891)
- Date
- 1891-08-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1303 den Weingenuß verboten; aber unter welchem Klima der Jude auch lebt, welcher Gesellschaftsklasse er auch angehört, Alkoholismus ist ihm, zum Segen für Geist und Körper, fremd. Zur Erklärung der vielfach überlegenen gesundheitlichen jüdischen Verhältnisse dürfen auch die rabbinischen Vorschriften über die leibliche Reinheit des Mannes und der Frau nicht außer Acht bleiben, vielleicht auch nicht die Beschneidung. (Schluß folgt.) Zeitungsuachrichterr und Correfpondeuzeu. Deutschland. Homburg v. d. H., 28. August. Wie uns Herr Baron von Hirsch, der einige Tage zum Besuche des Prinzen von Wales hier anwesend war, mitgetheilt hat, sei ein Ausweg zum Unterbringen der vertriebenen russischen Juden bis heute noch nicht gefunden. Eine ganze Reihe hervorragender Männer seien fortwährend mit der Prüfung der Frage beschäftigt und man hoffe zuversichtlich, doch endlich eine Lösung herbeiführen zu können. So schnell freilich, wie dies für die Nothlage der Juden erforderlich ist, ginge dies nicht und dürfte das Transportiren der Armen von einem Orte zum anderen noch eine Zeit lang andauern. Aus unsere Frage, wie der Herr Baron glaube, daß die Vertriebenen, die doch meistens dem Handwerkerstände angehören, in Argentinien ihr Fortkommen finden könnten, wo sie doch nur auf den Ackerbau angewiesen seien, meinte der Secretär des Herrn Baron, Herr Barrelet, daß man auch die Frage der Errichtung großer Fabriken, die die Produkten des Landes wie earue xura zc. Herstellen, in Erwägung gezogen habe und in welchen diejenigen der Vertriebenen Beschäftigung finden sollen, die sich vermöge ihrer Körperconstitution zum Landbau nicht eignen. Von der Ansiedelung der Juden in Palästina ist Baron Hirsch ein großer Gegner, da das Land seiner Ansicht nach sich durchaus nicht dazu eigne und auch die türkische Regierung eine Colonisation zu verhindern suche. Bedauerlich sei, daß eine sehr große Anzahl russischer Juden, die weder aus Rußland ausgewiesen, noch Schwierigkeiten in Bezug auf Beschaffung ihrer Existenzmittel in Rußland gehabt hätten, freiwillig ihre Heimath verlassen und sich hierdurch in das größte Unglück stürzen. Nach dieser Seite müßte in Rußland noch aufklärend gewirkt werden und sei hierzu in erster Linie die russisch-jüdische Presse berufen. Herr Baron Hirsch ist heute Mittag nach Mähren abgereist. Hamburg, 21. August. Von der Thätigkeit des Comttes zur Unterstützung der ausgewiesenen russischen Juden ist zu berichten, daß, trotzdem fortwährend eine große Anzahl von Personen durch Vermittelung des Eomites befördert wird, so in der vorigen Woche per Dampfer „Petropolis" circa 200 Personen nach Argentinien und der „Suevia" 300 nach New-Pork, der Andrang dennoch ein außerordentlich großer ist. In der Volksküche am Schopenstehl wurden für Rechnung des Comitös in dieser Woche täglich 600—700 Personen gespeist und größtentheils auch mit Kleidung versehen. Außer den oben erwähnten werden täglich circa 100 Personen für Rechnung des „Vereins für Obdachlose" in der 1. Marienstraße gespeist. Der rastlosen Thätigkeit des verdienstvollen Präses des obigen Vereins, des Herrn D. Wormser, ist es gelungen, nach vielen Bemühungen von der Polizei-Behörde den sog. großen Exerzirschuppen eingeräumt zu erhalten. Es ist dies jedoch nur unter verschiedenen Bedingungen gestattet. So z. B. wird der Schuppen vor 9 Uhr Abends nicht geöffnet und am Morgen stets wieder unter Leitung eines Beamten der Polizeibehörde, nachdem die Insassen in eine Liste eingetragen sind, geleert. Außerdem hat der Verein die Verpflichtung übernommen,;die ihm von der Polizeibehörde überwiesenen Personen, welche mehr oder minder kleinere Geldbeträge besitzen, nach England zu befördern, während die Subsistenzlosen von der Polizeibehörde nach ihrer Heimath zurückbefördert werden. Unter diesen befinden sich viele Personen, welche im Hinblick auf das Comtts ihre Heimath verlassen. Es sei deßhalb nochmals darauf hingewiesen, daß nur diejenigen Personen, denen kleinere Beträge (etwa 4 Mark) zur Reise mangeln, nach England gesandt, während die mittellosen Personen, sowie diejenigen, die nach Amerika wollen und nicht ausgewiesen sind , auch keine Reisekosten besitzen, einfach per Schub über die Grenze gebracht werden. Angenehmes Loos! Man hüte sich also vor unbedachter Auswanderung nach Hamburg! Von der Polizeibehörde ist mit großer Zuvorkommenheit im Schuppen ein Theil desselben durch eine Holzwand als Frauenabtheilung eingerichtet, während gleichzeitig eine Badeeinrichtung, sowie ein Desinfectionsraum in der Anlage begriffen sind. Münster (Oberlahnkreis), 24. August. Dr. Böckel hatte am gestrigen Sonntag hier eine antisemitische Versammlung einberufen, zu welcher er auch den Vertreter des Wahlkreises im Reichstag, Herrn Münch, der bekanntlich der deutschfreisinnigen Partei angehört, eingeladen hatte. Herr Münch, sowie eine große Zahl Anhänger der deutfchfreisinigen Partei waren am Platze erschienen und hatten schon frühzeitig den Laux'schen Saal, in welchem die Versammlung abgehalten werden sollte, dicht besetzt. Böckel, der spät ankam, zog es daher